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Inhaltsverzeichnis
 
Buch
Autorin
Danksagung
Liebe Leserin, lieber Leser
Kleine Mudra-Kunde
Wie wirken und was bewirken Mudras?
Mudras für die körperliche Ebene
Handreflexzonen
Mudras für die mentale Ebene
Mudras für die emotionale Ebene
Zuordnung von Charaktereigenschaften zu den Fingern
So machen Sie es richtig
Wie lange halten Sie eine Mudra?
Wann wirkt eine Mudra?
Handmassage zur Mudra-Vorbereitung
Hastas – Armstellungen
Atmung
Power-Atem für geistige Frische
Trance-Atem zur Vertiefung der Imaginationen
Organ-Atem
Anti-Stress-Atem
Organisation der Gedanken und Gefühle
Imaginationen und Bejahungen
 
Mudras – für Körper, Geist und Seele
Lehr-Mudra – Mudra der Weisheit
Faust-Mudra – Mudra zum Dampfablassen
Toleranz-Mudra – Mudra für innere Freiheit
Wohlfühl-Mudra – Mudra für alle Sinne
Feuer-Mudra – Mudra für Geborgenheit
Jogging-Mudra – Mudra für tieferen Atem
Wonne-Mudra – Mudra der inneren Stärke
Tempel-Mudra – Mudra für den inneren Kraftort
Adler-Mudra – Mudra für innere Leichtigkeit
Zeit-Mudra – Mudra gegen Stress
Leber-Mudra – Mudra für innere Gelassenheit
Nieren-Mudra – Mudra für beglückende Beziehungen
Freundschafts-Mudra – Mudra gegen Einsamkeit
Balance-Mudra – Mudra gegen Stimmungsschwankungen
Konzentrations-Mudra – Mudra gegen das Burn-out-Syndrom
Wunsch-Mudra – Mudra der Fülle
Auftritts-Mudra – Mudra für Selbstsicherheit
Wellen-Mudra – Mudra gegen innere Spannungen
Kampf-Mudra – Mudra für das Immunsystem
Brust-Mudra – Mudra für ein starkes Herz
Verjüngungs-Mudra – Mudra für die Verdauung
Nachdenk-Mudra – Mudra zur Sinnfindung
Haar-Mudra – Mudra für die Schönheit
Muntermacher-Mudra Mudra gegen unerklärbare Müdigkeit
Magen-Mudra – Mudra gegen Sorgen
Darm-Mudra – Mudra für Perfektionisten
Blasen-Mudra – Mudra für Flexibilität
Aufräum-Mudra – Mudra zur Auflösung von Traumata
Flow-Mudra – Mudra der Glückseligkeit
Loslass-Mudra – Mudra gegen Liebeskummer
Relax-Mudra – Mudra gegen Verspannungen
Power-Mudra – Mudra für neuen Antrieb
Courage-Mudra – Mudra gegen Lampenfieber
Ego-Mudra – Mudra für die Liebe zu sich selbst
Nacken-Mudra – Mudra gegen Wut und Ärger
Inspirations-Mudra – Mudra der inneren Harmonie
Lach-Mudra – Mudra zur Lösung schwieriger Probleme
Sonnen-Mudra – Mudra gegen Stimmungstiefs
Klarheits-Mudra – Mudra der klugen Unterscheidung
Schutz-Mudra – Mudra gegen Mobbing
Trommel-Mudra – Mudra gegen Nervosität
Anti-Panik-Mudra – Mudra für innere Stabilität
Selbstwert-Mudra – Mudra gegen Selbst-Sabotage
Schatzkästchen-Mudra – Mudra des inneren Lächelns
Gebets-Mudra – Mudra zur Überwindung von Trauer und Verlust
Motivations-Mudra – Mudra zur Bewältigung der täglichen Monotonie
Kreativitäts-Mudra – Mudra der Talente
Be-cool-Mudra – Mudra gegen Angst
Ohren-Mudra – Mudra für bessere Wahrnehmung
Augen-Mudra – Mudra für eine klare Sicht
Pauker-Mudra – Mudra für effizientes Lernen
Gedächtnis-Mudra – Mudra für ein gutes Erinnerungsvermögen
Friedens-Mudra – Mudra für Zufriedenheit
Flammen-Mudra – Mudra für das »gewisse Etwas«
Muße-Mudra – Mudra gegen Überaktivität
Riecher-Mudra – Mudra zur richtigen Entscheidung
Becken-Mudra – Mudra gegen Menstruationsbeschwerden
Gedulds-Mudra – Mudra für Gleichmut und innere Wärme
Bumerang-Mudra – Mudra für den Kreislauf
Ton-Mudra – Mudra für eine schöne Stimme
Willens-Mudra – Mudra für Tatkraft und optimale Zielsetzung
Chakra-Mudra – Mudra zum Einschlafen
Magie-Mudra – Mudra der Anziehung
Glaubens- und Hoffnungs-Mudra – Mudra der Hingabe und schöpferischen Leere
Die goldenen Drei
Ich wünsch Ihnen was...
 
Literatur
Hier finden Sie sofort die richtige Mudra
Copyright

Buch
Während Gertrud Hirschi in ihrem ersten Mudra-Buch (»Mudras – FingerYoga für Gesundheit, Vitalität und innere Ruhe«) vor allem auf die Mudras eingeht, die Gesundheit und körperliches Wohlbefinden unterstützen, stellt sie in diesem zweiten Band eine Reihe weiterer Mudras vor, die speziell die Bedürfnisse des modernen Menschen im Alltag zwischen Berufsstress, Beziehungsproblemen, Entspannung und Sinnsuche ansprechen.
Unter den 64 Mudras dieses Buches gibt es beispielsweise eine Loslass-Mudra, die bei Liebeskummer hilft, die Auftritts-Mudra für Selbstsicherheit, die Be-cool-Mudra gegen hemmende Ängste, die Gedächtnis-Mudra für ein gutes Erinnerungsvermögen oder die Schutz-Mudra, die bei Mobbing und Problemen am Arbeitsplatz Unterstützung bringt. Mit ihrem herzlichen, einfühlsamen Ton holt Gertrud Hirschi ihre Leserinnen und Leser dort ab, wo sie mit ihren Alltagsaufgaben und Problemen stehen. Ihre Anleitungen präsentieren eine einfache und wirkungsvolle Selbsthilfemethode, die jeder ohne großen Aufwand nutzen kann. Der Index zum Finden der richtigen Mudra verzeichnet alle Mudras dieses sowie auch des ersten Bandes.

Autorin
Getrud Hirschi unterrichtet seit über 20 Jahren Yoga in ihrer eigenen Yogaschule in Zürich und gibt Seminare in der Schweiz und in Deutschland. Ausgehend von den traditionellen östlichen Heilweisen, bringt sie stets die neuesten medizinischen Erkenntnisse in ihre Arbeit ein. Ihre Bücher sind praktische Ratgeber, in denen sie theoretische Lehren auf kreative Weise in einfache Übungen umsetzt. Zu ihren wichtigsten Veröffentlichungen gehören: »Yoga für Seele, Geist und Körper«, »Innere Kräfte entdecken und nutzen« »Sieben Wege, glücklicher zu werden« sowie »Lust auf Yoga«.
 
 
Von Gertrud Hirschi ist bei Goldmann außerdem erschienen:
Mudras – FingerYoga für Gesundheit, Vitalität und innere Ruhe (21661)

Dank
Allen, die an diesem Buch mitgearbeitet haben, möchte ich von ganzem Herzen danken: Erika Schuler-Konietzny für ihre immer währende Unterstützung und Aufmunterung, Ito Joyoatmojo für die schönen Zeichnungen, Sylvia Schaible, die dem Text den letzten Schliff gab, Karin Jerg, die aus dem Buch eine kleine Schönheit gemacht hat, Gabriele Kilian, die es herstellerisch betreut hat, und natürlich Erwin Singer als dem Verlagsleiter.
Ein großes Dankeschön geht an Sylvia Vetterli, die mich von der Hausarbeit entlastet, und – last, not least – an meinen Mann für seine großartige Unterstützung.

Liebe Leserin, lieber Leser
Reichen Sie mir die Hand, und lassen Sie sich in das Land der tausend Sonnen führen.
 
 
Vor vier Jahren habe ich mein erstes Mudra-Buch geschrieben. Seither ist einiges passiert. Viele Menschen haben mir bestätigt, wie sehr ihnen die Mudras geholfen haben: Sie wurden auf diese Weise von körperlichen Beschwerden befreit oder haben gelernt, besser damit zu leben. In jedem Fall haben die Mudras ihr Leben im positiven Sinn verändert.
Als ich letztes Jahr nach einem Unfall, der eine größere Operation erforderlich machte, über drei Monate im Krankenhaus lag, habe auch ich die Wirkung der Mudras auf eine neue und noch intensivere Art erfahren. Ob ich mit ihrer Hilfe schneller genesen bin, weiß ich nicht. Dass ich aber dank der Mudras und der Philosophie, die dahinter steckt, trotz der misslichen Umstände immer wieder schöne Minuten, Stunden und sogar Tage erleben konnte, ist mir heute klar. Damit konnte ich nicht nur den Schmerzpegel niedrig halten, sondern auch meine Stimmung positiv beeinflussen. Ich entwickelte eine fast unerschöpfliche Geduld und Gelassenheit und schaffte es, immer wieder neue Zuversicht aufzubauen. Außerdem konnte ich mich sehr gut ablenken, also meine Gedanken mühelos von Negativem auf Positives, von Unwesentlichem auf Wesentliches und – ganz wichtig – von Unschönem auf Schönes lenken.
So habe ich mit Hilfe der Mudras in dieser Zeit viel Gutes erleben dürfen, wofür ich sehr dankbar bin. Ich bin dem Sterben ein bisschen näher gekommen und musste mich neu für das Leben entscheiden (oder besser gesagt, ES hat sich dafür entschieden). Damals hatte ich auch viel Zeit, darüber nachzudenken, was ich mit dem Rest meines Lebens machen wollte. Dass ich ein weiteres Mudra-Buch schreiben würde, war mir schon bald klar. Es gibt einfach noch zu viele wunderschöne Mudras, die ich bisher nicht beschrieben habe. Sie haben mir körperlich, geistig und seelisch sehr geholfen und werden sicher auch anderen Menschen eine große Hilfe sein.
Ich glaube, dass ich nach all den neuen Erfahrungen, die ich machen musste oder durfte, jetzt viele Menschen mit ihren Sorgen, ihren Ängsten und ihren Gefühlen der Ohnmacht oder der Trauer noch besser verstehen und ihnen auch helfen kann.
Aber keine Angst, es ist kein düsteres Buch geworden, denn trotz allem habe ich meinen Humor nicht verloren. Manchmal unter Zähneknirschen habe ich es sogar eine Zeit lang mit einer Lachtherapie versucht – es war »grauenhaft lustig«. Ist es nicht immer so: Je ernster die Lage wird, umso nötiger brauchen wir den Humor!
Es würde mich freuen, wenn Sie, wo immer Sie im Moment auch sein mögen, von den Mudras enorm profitieren, mächtig Erfolg haben und ganz viel Freude empfinden würden – vom Scheitel bis in die Zehen- und Fingerspitzen. Ich wünsche Ihnen auch, dass Ihnen immer mehr bewusst wird, wie Sie Ihr Leben in jeder Lage – egal, wie fatal sie zur Zeit sein mag – nach Ihren ureigenen Bedürfnissen selbst gestalten können. Sie haben unzählige Möglichkeiten, um das Beste (und noch ein bisschen mehr) daraus zu machen. Ich drücke Ihnen dafür beide Daumen!
 
Herzlichst Ihre
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Kleine Mudra-Kunde
Die Hände sollen die Diener eines edlen Geistes und die Boten eines liebenden Herzens sein.
 
 
Der Begriff Mudra stammt aus dem Sanskrit und bedeutet Siegel. Wenn man das Wort in Silben aufgliedert, steht die Silbe mud sinngemäß für »Freude« und ra für »auslösen«. Salopp ausgedrückt heißt das: Eine Mudra ist ein Siegel, das Freude bringt. Mudras sind Gesten der Hände und Finger, die man seit Urzeiten auf der ganzen Welt kennt. Alles, was Menschen denken und fühlen, drücken sie mit entsprechenden Gesten aus – sei es nun im Alltag oder während der Meditation bzw. während des Gebets. Es gibt zwar auch Körperhaltungen, Zungen- und Augenstellungen, die im Yoga als Mudras bezeichnet werden. Darauf werde ich in diesem Buch jedoch nicht eingehen.
Im östlichen Kulturkreis werden die Mudras schon seit unzähligen Jahren zu Heilungszwecken eingesetzt. Innerhalb der Familien werden sie von Generation zu Generation weitergegeben. Auch die alten Völker von Nord-, Mittel- und Südamerika kannten die heilenden Handstellungen und -massagen. Das Mentaltraining, die Kinesiologie und das Brain-Gym (Gehirngymnastik) hierzulande verwenden ebenfalls Mudras zur Beeinflussung geistiger und seelischer Prozesse – sei es zur Aktivierung oder zur Entspannung des Gehirns. Von großer Bedeutung sind die Mudras auch bei den sakralen Tänzen im Hinduismus. Hier werden durch die Hände ganze Dramen dargestellt – jede Geste ist eine klare Aussage und drückt das entsprechende Gefühl aus.
Auch Bilder und Skulpturen stellen Buddha, die indischen Götter, Christus und die Heiligen oft mit zu Mudras geformten Händen dar. Sie zeigen Lehr- und Schutzgesten oder Handstellungen, die Segnung, Vergebung, Zuneigung und Sammlung symbolisieren. Mudras geben sakralen Handlungen, die Priester im Osten wie im Westen ausführen, Kraft und Ausdruck. Aber auch wir können unsere Gebete mit Mudras unterstreichen und ihnen damit mehr Gewicht geben, um innere Leichtigkeit und Heilung zu erlangen.
Mudras spiegeln unsere Gefühle und Gedanken wider. Umgekehrt können wir mit den Mudras aber auch unsere Gedanken und Gefühle im positiven Sinn beeinflussen.
Interessant ist, dass Mudras oft ganz unbewusst gemacht werden – und zwar genau die richtige Mudra zur richtigen Zeit. Es scheint, als ob dem Körper eine autonome Weisheit innewohnen würde, die immer die beste Ausdrucksmöglichkeit sucht und findet. Und noch etwas ist bemerkenswert: Wenn wir unsere eigenen unbewussten Gesten und Handstellungen oder die anderer Menschen einmal genau beobachten, während wir miteinander kommunizieren, erkennen wir auch ohne viel psychologisches Wissen, welche Gedanken uns selbst oder anderen gerade durch den Kopf gehen und welche Stimmung vorherrscht. Die Hände lügen nicht. Sie »verraten« uns oder unsere Gesprächspartner, wenn das Äußere nicht mit dem Inneren übereinstimmt. Achtsamkeit unseren Handgesten gegenüber kann uns also auch helfen, einer unbewussten Selbstlüge auf die Schliche zu kommen. Dann können wir uns der Wahrheit stellen, entsprechend »handeln« und mit uns selbst einen neuen »Handel« abschließen.

Wie wirken und was bewirken Mudras?
Das Gute liegt auf der Hand!
 
 
Jede Mudra wirkt auf Körper, Geist und Seele ein. Da jede Körperfunktion auch Einfluss darauf hat, was wir empfinden, wie wir uns fühlen und was wir denken, profitieren alle drei Ebenen davon. In der chinesischen Medizin ist schon lange bekannt, dass die einzelnen Organe Gefühle und Gedanken beeinflussen können. Ob die Energie eines Organs schwach oder stark ist, wirkt sich auf das Fühlen und Denken des Menschen aus. Umgekehrt können jedoch auch unsere Gedanken und Gefühle unseren Organismus stärken oder schwächen. Daher sollten wir immer wieder unsere Denk- und Verhaltensweisen überprüfen.

Mudras für die körperliche Ebene

Mudras wirken hauptsächlich auf der energetischen Ebene auf den Körper ein, und zwar über jene Energiebahnen, die in Indien Nadis und in der chinesischen und japanischen Medizin Meridiane genannt werden. Da die wichtigsten Meridiane in die Hände und Finger (bzw. Füße und Zehen) verlaufen und hier ihre Anfangs- bzw. Endpunkte haben, kann also tatsächlich jedes Organ durch das Massieren und Drücken des entsprechenden Fingers oder Handbereichs behandelt werden.

Handreflexzonen

Im Folgenden möchte ich Ihnen drei Systeme der Handreflexzonen vorstellen. Sie werden sehen, dass die Zuteilung der Zonen in jedem System etwas unterschiedlich gehandhabt wird. Das heißt jedoch nicht, dass das eine System besser ist als das andere, sondern besagt nur, dass die Massage oder der Fingerdruck auf verschiedenen Energiefrequenzen wirkt.

Die taoistische Zuteilung der Organe und Körperbereiche

Jeder Bereich des Körpers und jedes Organ findet im taoistischen System der Handreflexzonen in der Hand seine Entsprechung.
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Die Fünf-Zonen-Lehre

Auch die Fünf-Zonen-Lehre zeigt auf, dass der ganze Körper in der Hand angelegt ist. So können die Heilmassagen entsprechend eingesetzt werden. Ähnlich wie der Globus in Längen- und Breitengrade aufgeteilt wird, legt die Fünf-Zonen-Lehre eine Art Raster mit Längs- und Querzonen über den Körper. Alle Zonen beginnen in einem der fünf Finger bzw. Zehen. Körperbereiche und Organe, die sich innerhalb einer Zone befinden, reagieren auf die Massage des entsprechenden Fingers oder Handteils bzw. Zehs oder Fußteils.
Die erste Querzone (A) umfasst am Körper den Kopf und den Halsbereich, in der Hand die Finger und die Fingergrundgelenke. Die zweite Querzone (B) bezieht sich am Körper auf den Brustund Oberbauchbereich, in der Hand auf die Mittelhand. Die dritte Querzone (C) umfasst am Körper den Bauch- und Beckenbereich, in der Hand das Handflächenende und die Handwurzelknochen. Auf der Handrückseite finden wir zusätzlich den Hüft-, Bein- und Kniebereich bei den Handwurzelknochen.
Die Längszonen werden gemäß den Fingern eingeteilt. Zone eins verläuft längs des Daumens zur Körpermitte hin. Zone zwei umfasst den Zeigefinger, Zone drei den Mittelfinger, Zone vier den Ringfinger und Zone fünf den kleinen Finger.
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Reflexzonen nach Dr. Devendra Vora

Die beiden Illustrationen auf Seite 18/19 zeigen Ihnen ein System der Handreflexzonen, das dem der Fußreflexzonen entspricht. Eine Behandlung nach diesem System wird neuerdings sogar in einzelnen Krankenhäusern in der Schweiz angeboten. Als Begründer der modernen Reflexzonen-Therapie gilt Dr. William H. Fitzgerald (1872-1942). Seine Forschungsarbeit beruht u.a. auf Funden von beschrifteten Steintafeln der alten Inkas und Mayas. Dr. Devendra Vora aus Bombay hat sich in Indien ebenfalls ausgiebig mit dem altüberlieferten Wissen um die Reflexzonen befasst und konnte damit bereits bei vielen Krankheiten erstaunliche Heilungserfolge erzielen. Jedem Organ ist in der Hand eine bestimmte Zone zugeordnet, die durch Massage oder durch die Haltung einer Mudra stimuliert wird; so kann die Energie des entsprechenden Organs neu aufgebaut und aktiviert werden. Die Methode von Dr. Vora wird in dem Buch Hände gut – alles gut von E. Th. Tschoepke (Ch. Falk Verlag) vorgestellt.
Wie Sie auf den Abbildungen sehen, gibt es neben den Organzonen auch Punkte für die endokrinen Drüsen und die Nervenzentren, die sowohl für unsere Gesundheit als auch für unser Wohlbefinden eine große Rolle spielen. Die Organe der rechten Körperseite sind an der rechten Hand und die Organe der linken Körperseite an der linken Hand vertreten. Alle zentral angeordneten Organe, Drüsen und Körperbereiche (Magen, Solarplexus, Rückgrat, Nacken, Nerven) haben an beiden Händen ihre Entsprechung und werden an beiden Händen gleich lang massiert.
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Reflexzonenmassage
• Massieren Sie die Hände mit leichtem Druck, als würden Sie sie waschen oder eincremen.
• Reiben Sie die Innenflächen der Hände kräftig aneinander, danach die Handkanten innen und außen und zum Schluss die Handwurzeln.
• Legen Sie die flache Daumen- oder Zeigefingerkuppe auf den entsprechenden Punkt und machen Sie eine »pumpende« Bewegung (ca. 50 mal). Der Druck braucht nur so stark zu sein, dass Sie ihn auch spüren.
• Wollen Sie einen Drüsen- oder Nervenpunkt massieren, dann drücken Sie mit der Spitze des Daumens bzw. des Zeigefingers und halten den Druck länger, da diese Punkte etwas tiefer liegen.

Mudras für die mentale Ebene

Es ist spannend zu entdecken, was wir mit den Händen alles für unseren Denkapparat, unser Gehirn, tun können. Die ersten Mudras habe ich schon vor 35 Jahren als Fingerspiele für Kleinkinder und lernbehinderte Kinder kennen gelernt und eingesetzt. Je geschickter und beweglicher die Hände sind, umso differenzierter ist zumeist auch das Denken (es gibt natürlich Ausnahmen). Weiteren Handstellungen bin ich in der Kinesiologie, im Mentaltraining für Manager und im Brain-Gym (Gehirngymnastik) begegnet.
Diese Handstellungen zu praktizieren und zu spüren, wie schnell ich dadurch geistig wieder fit werde, macht mir besonders viel Spaß. Wenn ich diese Tricks dann in Kursen weitergebe, ist das positive Echo immer groß.
Achten Sie einmal auf die Hände der Menschen, denen Sie begegnen. Sind die Hände stark, beweglich und geschickt, dann zeichnet sich zumeist auch der Geist durch ein gutes Erinnerungsvermögen, Klarheit, Beweglichkeit, Intelligenz und Logik aus. Bei uns in der Schweiz werden im Rahmen der Altenbetreuung sogar entsprechende Tests mit älteren Menschen gemacht, um herauszufinden, ob sie geistig noch fit sind.
 
Kleiner Tipp Pflegen Sie ein Hobby, bei dem Fingergeschicklichkeit und starke, bewegliche Hände gefragt sind (Haus-, Gartenoder Handarbeit eignet sich ideal dafür) oder spielen Sie ein Instrument. Das hält Sie zugleich auch geistig frisch.
 
Jetzt möchte ich Ihnen eine kleine Blitz-Massage (90 Sekunden) vorstellen, die Sie im Büro auch einmal schnell zwischendurch machen können, wenn Sie geistig fit sein müssen.
Fingermassage für geistige Frische
• Umfassen Sie den Daumen mit den Fingern der jeweils anderen Hand und machen eine Drehbewegung, als wollten Sie den Zapfen aus einer Flasche ziehen. Dasselbe machen Sie mit den anderen Fingern.
• Nun massieren Sie mit dem Daumen in 6 Kreisbewegungen die Wurzelglieder der Zeige-, Mittel-, Ring- und kleinen Finger beider Hände.
• Massieren Sie nun den unteren Teil beider Zeigefinger (je ca. 6 Sekunden), danach den oberen Teil und die Spitze.
• Zum Abschluss massieren Sie den oberen Teil der beiden kleinen Finger.
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Mudras für die emotionale Ebene

Während der langen Zeit meiner Genesung habe ich die Mudras hauptsächlich praktiziert, um mich »bei Laune zu halten«, wie man so schön sagt. Ich weiß nicht, wie ich diese vielen Wochen, die ich ausschließlich in der Rückenlage verbringen musste, sonst überstanden hätte. Dank der Mudras konnte ich mich jedoch jederzeit neu »stimmen« wie ein Instrument, und dementsprechend war dann auch die Musik. Wir können tatsächlich auf unsere Stimmungen einwirken, wir sind ihnen nicht hilflos ausgeliefert – ist das nicht wunderbar?
Viele negative Stimmungen (Depressionen, Aggressionen, Angst, Müdigkeit) sind ein Anzeichen für zu wenig Bewegung, zu wenig Ruhe und zu flachen Atem. Nehmen wir uns Zeit für eine Mudra und konzentrieren wir uns auf den vertieften Atem, werden wir bald merken, wie sich auch unsere Stimmung verändert: Eine kraftvolle Ruhe breitet sich in uns aus, woraus sich eine ruhevolle Kraft aufbaut. Während wir eine Mudra halten, finden wir vielleicht auch endlich die Zeit und die Ruhe, einmal über unseren Alltag, unsere Arbeit, unsere Verpflichtungen oder unsere Beziehungen nachzudenken. Dann können wir die »not-wendigen« Veränderungen vornehmen.
Selbst wenn negative Stimmungen häufig von äußeren Umständen ausgelöst werden, dürfen wir nicht vergessen, dass unser Wohlbefinden auch maßgeblich von unserer inneren Chemie abhängt. Es würde den Rahmen dieses Buches sprengen, wenn ich aufzeigen wollte, welche Substanzen und Hormone der Körper ausschütten muss, damit wir uns leicht und beschwingt statt schwer und deprimiert fühlen. Sollten Sie sich für dieses Thema interessieren, können Sie in dem Buch Körpereigene Drogen von Josef Zehentbauer Näheres dazu erfahren.
Neben der Finger- und Handstellung spielen auch Atmung, Imaginationen und Bejahungen eine wichtige Rolle. Was beim Halten der entsprechenden Mudra noch beachtet werden sollte – beispielsweise unsere innere Einstellung, die neu überdacht werden sollte – und kleine Tipps habe ich bei der Beschreibung der einzelnen Mudras aufgeführt.
Jede Mudra hat im Zusammenhang mit dem optimalen Atem einen positiven Einfluss auf die Ausschüttung der körpereigenen Drogen. Wir haben eine Art innere Schaltung, die darauf angelegt ist, dass wir uns wohl fühlen. Oft ist durch unsere Lebensweise – Stress, ungesunde Essgewohnheiten, Mangel an Flüssigkeit, Luft, Sonne und Bewegung – diese innere Schaltung jedoch einfach überstrapaziert. Mit den Mudras haben wir es buchstäblich selbst in der Hand, wieder ins Lot zu kommen. Im Tao-Yoga werden den Fingern folgende Gefühle zugeordnet:
Daumen: Sorge
Zeigefinger: Trauer
Mittelfinger: Ungeduld, Rastlosigkeit
Ringfinger: Ärger, Wut
Kleiner Finger: Angst und Furcht
Ich möchte Ihnen jetzt eine wunderbare Mudra für Kraft im Herzen, Zufriedenheit, Liebe und Zuversicht zeigen:
• Stellen Sie sich mit leicht gegrätschten Beinen und leicht gebeugten Knien hin.
• Halten Sie die Arme so, als wollten Sie einen Baum umarmen (10 bis 30 Sekunden).
Bejahung: Ich liebe die Welt, und die Welt liebt mich.
• Danach halten Sie die Hände mit gekreuzten Fingern vor die Brust (60 bis 90 Sekunden).
Bejahung: Meine Hingabe an das Göttliche, das mich geschaffen hat und mich liebt, gibt mir unerschütterliche Zuversicht in allem.
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Zuordnung von Charaktereigenschaften zu den Fingern
In der Hand spiegeln sich die tiefsten Gründe von Geist und Seele.
 
 
 
Die Kunst, aus der Hand zu lesen, ist weit verbreitet. Charakterstärken und -schwächen zeigen sich in den Händen, und sogar der Lebensverlauf soll dort weitgehend vorgezeichnet sein. Um seine eigenen Schwächen und Stärken besser kennen zu lernen, kann die Handlesekunst ein vorzügliches Mittel sein – als Zukunftsorakel halte ich sie jedoch eher für gefährlich. Die Zuordnung der persönlichen Eigenschaften zu den einzelnen Fingern ist allerdings sehr interessant:
 
Daumen: Willenskraft, Durchsetzungsfähigkeit, Triebhaftigkeit, Intuition
 
Zeigefinger: Selbstwertgefühl, Eigenständigkeit, Geltungsanspruch, Ehrgeiz, Autorität, Selbsteinsicht, Verstand, Inspiration, Zukunftsorientierung
 
Mittelfinger: Tatkraft, Materialismus, Rationalismus, Beharrlichkeit, Verantwortung, Gewissenhaftigkeit, Verpflichtung, Stabilität, Zurückgezogenheit, Besinnung, innere Balance
 
Ringfinger: Schönheitssinn, Kreativität, Sinnlichkeit, Idealismus, Herzlichkeit, Genussfreude, seelische Bindungsfähigkeit, Bezug zur Umwelt
 
Kleiner Finger: Kommunikation, Rhetorik, Wissensdrang, Gewandtheit, Geschäftssinn, Hellsichtigkeit, Anpassung, Sexualität, Spiritualität

So machen Sie es richtig
Die Sprache unserer Hände sei edel, kraftvoll und freundlich.
 
 
 
Um es gleich vorwegzunehmen: Die Praxis der Mudras ist einfach. Der Druck der Hände oder der Finger, die aneinander liegen, ist immer sanft. Es fühlt sich an, als würde die Anziehungskraft zweier Magneten die Finger bzw. die Hände zusammenhalten.
Die beschriebenen Mudras sind alle einfach und sollten für jeden machbar sein. Achten Sie darauf, dass Sie beim Halten der Mudras entspannt bleiben; Sie können dabei auch die Augen schließen. Wenn Sie ermüden, legen Sie einfach eine Pause ein, das heißt, Sie lassen die Arme sinken, lösen die Mudra kurz auf und nehmen die Haltung dann wieder neu ein. Sie können die Mudras im Stehen, im Gehen, im Sitzen und im Liegen praktizieren.
 
Im Stehen: Nehmen Sie eine zentrierte, aufrechte und entspannte Körperhaltung ein. Die Füße sind nach vorn ausgerichtet, hüftbreit auseinander gestellt und die Knie leicht gebeugt.
 
Im Gehen: Achten Sie auf einen gleichmäßigen, ruhigen und rhythmischen Gang.
 
Im Sitzen: Wenn Sie auf einem Stuhl – und zwar auf der vorderen Stuhlkante – sitzen, sollten die Füße flach auf dem Boden aufliegen und nach vorn ausgerichtet sein. Dadurch sind Sie gut geerdet, können also die stabilisierende, regenerierende und zentrierende Kraft der Erde am besten aufnehmen. Wenn Sie die Mudras im Schneidersitz oder im Meditationssitz ausführen, sollten beide Fußaußenkanten auf dem Boden aufliegen, denn auch das begünstigt das Einfließen der Erdenergie. Achten Sie darauf, dass Sie entspannt und aufrecht sitzen und den Blick geradeaus gerichtet haben. In dieser Haltung können die inneren Energien optimal zirkulieren. Wenn Sie müde werden, können Sie einen Augenblick in sich zusammensinken und sich dann wieder neu aufrichten. Als positiven Nebeneffekt werden Sie feststellen, dass diese Sitzhaltung Ihren Rücken stärkt. Sie werden immer länger auch ohne Lehne aufrecht sitzen können, ohne zu ermüden.
 
Im Liegen: Möchten Sie die Mudras im Liegen machen, legen Sie sich auf den Rücken, entspannen sich und achten darauf, dass der Körper gleichmäßig ausgerichtet ist. Am besten schieben Sie ein Polster unter die Kniekehlen und ein Kissen unter den Kopf (nicht unter den Nacken). So sind alle Gelenke leicht gebeugt, was den Energiefluss im ganzen Körper positiv beeinflusst.
 
Auch im Krankenbett, wo Ihre Bewegungsmöglichkeiten eingeschränkt sind, bei schwierigen Situationen im Büro oder bei Prüfungen können Sie auf die Mudras zurückgreifen.
 
Im Krankenbett: Sollten Sie zu krank oder schwach sein, um eine dieser Stellungen einzunehmen, dann machen Sie die Mudras einfach so, wie es Ihnen eben möglich ist. Können Sie eine Mudra nicht mit beiden Händen halten, dann formen Sie sie mit der einen und geben ihr Halt mit der anderen Hand; Sie können die Hand auch von einer anderen Person halten lassen.
 
Mudras im Büro und bei Prüfungen: Viele Mudras können Sie auch ganz unauffällig zwischendurch machen, denn der Aufwand ist ja gering. Vor einer wichtigen Entscheidung oder auch vor oder während einer Prüfung können einige ruhige Sekunden ausgesprochen hilfreich sein. Im Notfall praktizieren Sie die Mudra am stillen Örtchen. Wenn Sie sehr aufgeregt und unruhig sind, kann es auch helfen, wenn Sie vor dem anstehenden Ereignis mit flottem Schritt einmal um den Block marschieren und dabei die Mudra halten.
 
Für den Normalfall möchte ich Ihnen aber folgende Regeln ans Herz legen:
Machen Sie Ihre Mudra-Praxis zu einem heiligen – und heilsamen – Ritual. Richten Sie dabei Ihre volle Achtsamkeit auf die Massage bzw. auf die Handstellung und auf den Atem. Sie können die ganze Zeit über die Achtsamkeit auf den Atem beibehalten oder nach etwa 10 bis 15 Atemzügen zur Imagination und/oder zur Bejahung übergehen. Oder Sie denken über das entsprechende Thema nach: Dann aber bitte auf positive Weise, indem Sie Ursachen für Probleme aufdecken und nach Lösungen suchen.
 
Dass Sie die Mudras in aller Stille in einer schönen und angenehmen Umgebung ausführen, trägt wesentlich zum Gelingen bei. Zusätzlich stehen Ihnen jedoch noch viele andere Möglichkeiten offen, die ich Ihnen hier kurz aufzeigen möchte. Wichtig dabei ist, dass Sie Ihre »Hilfsmittel« nicht allzu oft wechseln, da Ihr Unterbewusstsein auf Wiederholungen besonders positiv reagiert. Sie wollen mit einer Mudra ja eine positive, heilsame Wirkung im körperlichen, geistigen und/oder seelischen Bereich erreichen; dazu ist jedoch meistens eine regelrechte »Kur« erforderlich, und die einzelnen »Anwendungen« sollten konsequent beibehalten werden.
 
Musik: Hören Sie die passende Musik oder einfach Ihr Lieblingsstück.
Singen: Mit Singen können Sie etwas von innen nach außen bringen.
Tanzen: Tanzen kann Ihnen den nötigen Schwung und eine gewisse Leichtigkeit vermitteln.
Farben: Die Farben Ihrer Kleidung und der Gegenstände, die Sie umgeben (Kerzen, Kissen, Tücher usw.), beeinflussen Ihre Stimmung und wirken ganzheitlich heilend und regenerierend.
Steine und Kristalle: Wenn Sie sie in den Händen halten oder neben sich legen, können Sie ihre Ausstrahlung spüren.
Düfte: Düfte regen das Stammhirn an, das eng mit den heilenden und regenerierenden Kräften zusammenarbeitet und positiv auf Gefühle und Gedanken einwirkt.

Wie lange halten Sie eine Mudra?

Ganz bewusst habe ich bei den Mudras weitgehend auf Zeitangaben verzichtet. Denn in meiner langjährigen Praxis musste ich feststellen, dass die Zeit, die wir uns für eine Mudra nehmen sollten, individuell sehr unterschiedlich ist. So möchte ich Ihnen hier nur einige Richtlinien vermitteln:
• Bei akuten Körperbeschwerden halten Sie eine Mudra, bis die gewünschte Wirkung eingetreten ist.