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Thomas Hochradner / Michaela Schwarzbauer (Hg.)

Eberhard Preußner (1899–1964)
Musikhistoriker, Musikpädagoge, Präsident

Veröffentlichungen der
Forschungsplattform „Salzburger Musikgeschichte“
Band 1

zugleich

Veröffentlichungen zur Geschichte
der Universität Mozarteum Salzburg
Band 2

Eberhard Preußner (1899–1964)

Musikhistoriker, Musikpädagoge, Präsident

Dokumentation einer Ausstellung
im Foyer der Universität Mozarteum Salzburg
und eines gemeinsamen Symposions
der Abteilungen für Musikwissenschaft und Musikpädagogik

herausgegeben von
Thomas Hochradner und Michaela Schwarzbauer

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ISBN 978-3-99012-041-5 hbk
ISBN 978-3-99012-042-2 pdf
ISBN 978-3-99012-043-9 epub

Inhalt

Vorwort des Vizerektors für Entwicklung und Forschung

Die Universität Mozarteum Salzburg im Fokus institutionsgeschichtlicher Forschungen

Vorwort der Herausgeber

Gerhard Wimberger

Ansprache bei der Eröffnung der Ausstellung
Lebensaufgabe Mozarteum – Eberhard Preußner

Dokumentation der Ausstellung

Eberhard Preußner

Aus der Rede über das Reden

Marion Flach

Kindheit und Jugend

Michaela Schwarzbauer

Die Zeit in Berlin

Johannes Hofinger

Die Zeit des Nationalsozialismus

Michaela Schwarzbauer

Eberhard Preußner und Carl Orff

Thomas Hochradner

Eberhard Preußner und Paul Hindemith

Michaela Schwarzbauer

Das Oberlin-Programm

Michaela Schwarzbauer / Marion Flach

Eberhard Preußner als Organisator

Michaela Schwarzbauer / Marion Flach

Eberhard Preußner als Präsident und Integrationsfigur des Salzburger Kulturlebens

Michaela Schwarzbauer / Marion Flach

Preußner privat

Thomas Hochradner

Der Musikhistoriker

Michaela Schwarzbauer

Der Musikpädagoge

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Beiträge des Symposions

Thomas Hochradner

„Geschichte um der Gegenwart willen“. Eberhard Preußner als Musikhistoriker

Johannes Hofinger

„Halb zog sie ihn / halb sank er hin“. Eberhard Preußner und die Jahre des Nationalsozialismus in Salzburg

Gerhard Walterskirchen

„Ein Unicum von größter künstlerischer und wirtschaftlicher Zukunft“. Bernhard Paumgartner, Eberhard Preußner und das Mozarteum in Salzburg

Heinz-Jürgen Winkler

Eberhard Preußner und Paul Hindemith. Eine Dokumentation

Michaela Schwarzbauer

Eberhard Preußner und das Elementare

Christoph Richter

Eberhard Preußners Vorstellungen von den Beziehungen zwischen Musikpädagogik und der Pflege des allgemeinen Musiklebens. Erörtert an den ersten drei Jahrgängen der Zeitschrift Die Musikpflege 1930–1933

Ute Jung-Kaiser

Zur Aktualität des preußnerschen Bildungsanspruchs

Erinnerungen an Eberhard Preußner

Aus Nachrufen

zusammengestellt von Marion Flach

Erinnerungen von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen

Günther Andergassen / Grete Herzog / Brian Lamport / Peter Lang / Werner Rainer / Ladislaus Piekarz / Irmgard Stadler / Josef Wallnig / Max Wanker

Eberhard Preußner – Manuskripte, Publikationen, gewidmete Werke, Datengerüst

Manuskripte zu Vorträgen, Rundfunk-Sequenzen und kleineren schriftlichen Beiträgen

Verzeichnis der Publikationen

Eberhard Preußner gewidmet

Datengerüst zu Eberhard Preußner

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Vorwort des Vizerektors für Entwicklung und Forschung

Die Universität Mozarteum Salzburg im Fokus institutionsgeschichtlicher Forschungen

Die neue Reihe Veröffentlichungen zur Geschichte der Universität Mozarteum Salzburg ist Schauplatz verstärkter institutionsgeschichtlicher Forschung. Zugrunde liegt die Einsicht, dass Geschichte – und eben auch Institutionsgeschichte – nicht ‚von selber‘ entsteht, sondern durch Darstellung. Solche Darstellung verdankt sich jenen, die historische Fakten (und mitunter vermeintliche Tatsachen) in Zusammenhängen sehen und zur Sprache bringen. Dass dies geschehen kann, setzt wiederum Erkenntnisinteresse voraus: eine Art Filter, der unweigerlich Auswahl, Bewertung und eben Darstellung mitbestimmt. Das dieser Reihe zugrunde liegende Erkenntnisinteresse zielt auf differenzierte, ergebnisoffene Auseinandersetzung mit Geschichte und Gegenwart der Universität Mozarteum Salzburg.

Band 1 eröffnet die Reihe mit dem Almanach des Studienjahres 2010/11; dieser Almanach soll künftig regelmäßig erscheinen. Die Universität Mozarteum Salzburg ist also in verschiedener Hinsicht initiativ, ihre Entwicklung aktiv zu dokumentieren und zu reflektieren. Der mittlerweile 170 Jahre währende Wandel von einer zunächst lokal bedeutsamen Ausbildungsstätte zur Förderung des musikalischen Nachwuchses hin zur „Öffentlichen Musikschule“ (1880), weiter zum Konservatorium (1914) und zur Reichshochschule (1939), sodann zur Akademie (1953) und Hochschule (1970), schließlich zur Universität (1998) kann mit guten Gründen als wechselvoll bezeichnet werden: Zu den Konstanten zählt das Namensspezifikum „Mozarteum“.

Beides, Wandel und Konstanten, verdanken sich zeit- und bildungsgeschichtlichen Umständen, mehr noch aber den Mitgliedern dieses Hauses. Nicht wenige Kapitel der allmählichen Universitätswerdung verdienen – trotz verstreuter Aufsätze und Karl Wagners groß angelegter Darstellung Das Mozarteum. Geschichte und Entwicklung einer kulturellen Institution (Innsbruck, Helbling 1993) – wissenschaftliche Aufmerksamkeit und Recherche. Hierzu rechnet das Wirken Eberhard Preußners (1899–1964). Ab 1939 als Geschäftsführender Direktor mit administrativen Aufgaben und Dozententätigkeiten betraut, folgte der promovierte, publizistisch wie pädagogisch überaus rege Musikwissenschaftler ab 1959 Bernhard Paumgartner als Präsident der damaligen Akademie nach. Die Gründung des Orff-Instituts gehört zu den markanten Entscheidungen dieser Zeit. So unbestritten bedeutsam dieser zukunftsweisende Schritt aus heutiger Sicht zu sein scheint, so kontrovers werden bis dato andere Facetten von Preußners Biographie – z.B. sein Verhältnis zum Nationalsozialismus – eingeschätzt. Die Faktenlage zu diesen und den zahlreichen weiteren Aspekten seiner Salzburger Jahre zu beleuchten und so eine differenzierte Diskussion zu fördern, gehörte zu den Zielsetzungen sowohl der Ausstellung Lebensaufgabe Mozarteum – Eberhard Preußner (24. Oktober – 30. November 2009, Foyer des Hauptgebäudes, Mirabellplatz 1) als auch des gleichnamigen Symposions (24. Oktober 2009).

Idee, Konzept und – arbeitsintensive – Realisierung dieser umfassenden Unternehmung sind allen Mitwirkenden, insbesondere aber zwei vielfach engagierten Mitgliedern der Universität Mozarteum Salzburg zu verdanken: Thomas Hochradner (Abteilung für Musikwissenschaft / seit 2011 zudem Leiter der interuniversitären Forschungsplattform „Salzburger Musikgeschichte“) und Michaela Schwarzbauer (Abteilung für Musikpädagogik). Deren ‚langer Atem‘ und Teamfähigkeit ermöglichten nicht zuletzt die vorliegende Dokumentation von Ausstellung und Symposion.

Dass diese Publikation zugleich als Band 1 der ebenfalls 2011 begründeten „Veröffentlichungen der Forschungsplattform ‚Salzburger Musikgeschichte‘ “ erscheint, mag als Signal für das kooperative Grundverständnis der Universität Mozarteum Salzburg – auch und gerade in der Erkundung ihrer Geschichte – gelten.

Ao. Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Gratzer

Vorwort der Herausgeber

Sich selbst zuzuhören sei am schwersten, schrieb Eberhard Preußner, 1939 aus Berlin an die damalige „Reichsmusikhochschule für Musik Mozarteum“ berufen, fortan gleichermaßen überpolitisch und konzessionsbereit agierend, nach dem Zweiten Weltkrieg eine Säule des internen Wiederaufbaus, ein brillanter Redner, ein glänzender Repräsentant inmitten des kulturellen Netzwerkes der Stadt Salzburg und darüber hinaus. Eine Ausstellung im Foyer der Universität Mozarteum und ein Symposion der Abteilungen für Musikwissenschaft und Musikpädagogik spürten im Jahr 2009 dem vielfältigen Wirken eines Mannes nach, der Zukünftiges prägte, ohne sich dabei selbst plakativ in den Vordergrund zu rücken; eines Mannes, der das Geschick der Internationalen Sommerakademie und des unter seiner Präsidentschaft gegründeten Orff-Instituts wesentlich prägte und damit zu einer die europäischen Grenzen überschreitenden Reputation entscheidend beitrug.

Doch Preußners Horizont reichte über die Aktivitäten eines umsichtigen, erfolgreichen Administrators weit hinaus. Als Autor musikpädagogischer und musikhistorischer Schriften erwarb er sich breites Renommee, nicht zuletzt, weil er mit diesen Veröffentlichungen das Anliegen einer humanistischen Volksbildung verfolgte. Das Zusammenspiel all dieser Facetten ließ ihm seine Arbeit zur ‚Lebensaufgabe Mozarteum‘ werden, aus der er durch frühen Tod kurz nach seinem 65. Geburtstag jäh gerissen wurde. Der vorliegende Band dokumentiert ein Stück wechselvolle Geschichte der Kunsthochschule Mozarteum in den Zeitläufen der vierziger, fünfziger und sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts, aber noch manches mehr: Er will Einblicke gewähren in und rund um das Leben und Wirken einer zeitprägenden Gestalt, deren Handlungsweisen, Entscheidungen und Leistungen einen Fächer von gesellschafts- und kulturpolitischen Tendenzen und Problematiken um die Mitte des 20. Jahrhunderts deutlich werden lassen.

Eberhard Preußner, akademisch daheim in der Musikwissenschaft, sich selbst mit Anspruch einreihend in die Musikpädagogik, vor allem aber: ausgestattet mit einem zuverlässigen Gespür für das Setzen von zukunftsträchtigen Meilensteinen und ein überaus engagierter Repräsentant der Anliegen der Kunsthochschule Mozarteum. Nichts könnte Preußners Aktionspegel besser umreißen als ein Ende der fünfziger Jahre – erstmals für eine österreichische Musikhochschule – mit einem Partner in den Vereinigten Staaten von Amerika durchgeführtes Austauschprogramm. Der Vertrag mit dem Oberlin College (Ohio, USA) vermittelte ansässigen Studierenden wie Lehrenden wertvolle Erfahrungen mit dem US-amerikanischen Ausbildungsmodell. Preußner wirkte aber auch tatkräftig mit, als es in der Nachkriegszeit im Wunsch nach einem geeinten Europa galt, eine gemeinsame Plattform der europäischen Musikhochschulen zu gestalten. Neue Akzente für Salzburg setzte er in seiner Aufgeschlossenheit für elementare Musikerziehung, impulsiert durch eine enge persönliche Freundschaft mit Carl Orff, ebenso wie durch sein Interesse für zeitgenössische Musik, das in Gastkursen (unter anderem von Paul Hindemith, Luigi Dallapiccola, Ernst Krenek) und exemplarischen Aufführungen im Rahmen von Hochschulkonzerten Ausdruck fand.

In Anlehnung an die Mehrzahl der vorliegenden Dokumente und Publikationen wird im Folgenden der Name Preußner mit „ß“ geschrieben, ungeachtet der Tatsache, dass Eberhard Preußner aufgrund seiner internationalen Kontakte – vor allem in die Vereinigten Staaten von Amerika – gegen Ende seines Lebens mit „Preussner“ zeichnete.

Umfangreiches Fotomaterial begleitet im ersten Teil des Bandes, der Dokumentation der Ausstellung gewidmet, Texte zu Eberhard Preußners Werdegang vom jungen Beamten der Berliner Jahre bis hin zum Präsidenten der Akademie für Musik und darstellende Kunst „Mozarteum“ in Nachfolge Bernhard Paumgartners. Erhellt werden sein Lebensweg, die wissenschaftlichen Leistungen, seine Freundschaften zu Paul Hindemith und Carl Orff, seine nachhaltigen Initiativen für die Hochschule u.a.m. Der zweite Teil, einen Text zu Preußners Selbstverständnis während des Nationalsozialismus und schriftliche Fassungen der Referate des Symposions bündelnd, erschließt Hintergründe, lässt so individuelle und historisch bedingte Positionen nachvollziehen. Schließlich tragen in einem dritten Teil Erinnerungen von Zeitzeugen dazu bei, das Profil Preußners im Rückblick genauer zu zeichnen. Immer wieder zeigt sich dabei: Humor, Tatkraft und ein Gespür für das Aktuelle, für den vorteilhaften nächsten Schritt zeichneten den Menschen Eberhard Preußner privat und in seiner ‚Lebensaufgabe Mozarteum‘ aus.

Unser Dank gilt allen, die uns seinerzeit in der Vorbereitung der Ausstellung unterstützt haben, namentlich dem Direktor der Bibliothek der Universität Mozarteum, Dr. Manfred Kammerer, und seinen Mitarbeiterinnen Mag. Claudia Haitzmann und Mag. Tamara Kefer, ferner dem Beauftragten des Rektorats, Mag. Stefan David Hummel, der studentischen Mitarbeiterin Marion Flach, allen Leihgebern – insbesondere Regine und Wolfgang Böttcher (Berlin) und dem Preußners Nachlass verwaltenden Archiv der Universität der Künste Berlin – sowie allen Kolleginnen und Kollegen, deren Erinnerungen zur Lebendigkeit der Darstellung so wesentlich beizutragen vermögen.

Wie seinerzeit die graphische Gestaltung der Ausstellung lag nun auch die Layoutierung dieses Buches in den kundigen Händen von Anne Schmidt. Wir danken Stadt und Land Salzburg, den Abteilungen für Musikwissenschaft und Musikpädagogik und dem Rektorat der Universität Mozarteum, ohne deren finanzielle Zuwendungen der vorliegende Band nicht hätte fertig gestellt werden können. Großzügige Unterstützung erhielten wir durch den Rotary-Club Salzburg, zu dessen Mitgliedern Eberhard Preußner zählte. Als Band 1 der „Veröffentlichungen der Forschungsplattform ‚Salzburger Musikgeschichte‘ “ bildet das Buch zugleich den Auftakt zur Publikationstätigkeit einer neuen, im Rahmen des interuniversitären Schwerpunktes „Wissenschaft & Kunst“ verankerten Forschungsinitiative.

Thomas Hochradner

Michaela Schwarzbauer

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Gerhard Wimberger (Salzburg)

Ansprache bei der Eröffnung der Ausstellung Lebensaufgabe Mozarteum – Eberhard Preußner im Foyer der Universität Mozarteum am 23. Oktober 2009

Ich möchte versuchen, als Schüler und, vielleicht dürfte ich fast sagen, Freund aus der Fülle der Erinnerungen heraus ein Bild des Menschen Eberhard Preußner zu zeichnen. Er ist Teil meines Lebens geworden. Nicht nur, weil er vor 70 Jahren meinen Eltern, die sich an ihn als Fachmann gewendet hatten, den Rat gab, ihr Sohn solle Musik studieren – der Rat wurde befolgt, wie Sie sehen –, nicht nur deshalb, sondern weit, weit darüber hinaus.

Biographisches ist in der hervorragend zusammengestellten und dokumentierten Ausstellung zu finden, hier seien nur einige wesentliche Punkte auf seinem Lebensweg skizziert. Zum Beispiel sein Geburtsdatum: 22. Mai 1899. Er lebte also noch 224 Tage im 19. Jahrhundert. Das bedeutet – vor dem Kind lag ein ganzes neues Jahrhundert. Dies ist wie ein Symbol für sein Leben, das geprägt war von Wissen vom Vergangenen, Dasein im Gegenwärtigen und Denken in die Zukunft.

Der Sprung nach Berlin, in das aufregende, schon fast zur Legende gewordene Berlin der Zwanzigerjahre. Lebensfreundschaften entstanden, Paul Hindemith, Carl Orff. Preußner erkannte als einer der Ersten die pädagogische Bedeutung des Orff-Schulwerkes. Es entstanden Bücher. Schon im ersten Buch, 1929 herausgekommen, Allgemeine Pädagogik und Musikpädagogik zeichnete sich ab: Ein Leben lang ging es ihm um den Menschen, um die Musik und um die Hinführung des Menschen zur Musik.

Die Atmosphäre im damaligen Berlin zeichnet lebendig ein Brief von Ernst Krenek, den er später an Preußner schrieb: „Lieber Preussner, wie wohl erinnere ich mich jener tempi passati, als wir uns an der Kant-Straße in Charlottenburg trafen und die aufregenden Probleme der neuen Musik diskutierten. Viel hat sich seither geändert, doch die Probleme sind immer noch lebendig, und die Aufregungen haben eher zugenommen. Mögen diese abnehmen und jene uns erhalten bleiben!“1 – Ernst Krenek hielt im Mozarteum zweimal Kurse über Dodekaphonik, die einer beträchtlichen Anzahl von Interessierten, nicht nur Komponisten, diese Kompositionstechnik nahebrachten.

Preußners Freundschaft mit Carl Orff hat das Mozarteum die Gründung des Orff-Instituts zu verdanken. Ich konnte dabei sein, als Orff mit Preußner den Rohbau besichtigte. Es herrschte große Vergnügtheit, nicht nur des herrlichen Sonnentages wegen. Ich erinnere mich, wie Orff, der nicht nur über Orff, sondern auch über Richard Strauss redete, erzählte, wie dieser einmal bei einem Gespräch über das Opernkomponieren zu ihm sagte: „Sie sind heute der Einzige, der weiß, was nimmer geht.“

Orff-Schulwerk und Dodekaphonik – für manche Musikideologen Himmel und Hölle, je nach stilistischer Parteinahme. Aber diese Toleranz gegenüber Zeit-Polaritäten zeigt, wie Preußners Denken sich in weitgespannten Räumen bewegte, fern jeder Einseitigkeit und ideologischer Voreingenommenheit. Er war ein Mann der Zusammenschau.

1939 kam es zu diesem Rösselsprung des in Berlin, wo er als „linker Kulturbolschewist“ galt, Gefährdeten, nach Salzburg. Sozusagen ans rechte Ufer der Salzach. Wohlmeinende Freunde verhalfen zu diesem Sprung. Dort war das Konservatorium Mozarteum nach bürokratisch-skurrilen Wirren mit Wien zur „Hochschule für Musik“ erhoben worden, zwei Jahre später verlieh der Reichserziehungsminister die Bezeichnung „Reichshochschule für Musik“. Clemens Krauss war zum obersten Leiter berufen worden, Preußner zum Geschäftsführenden Direktor. Das Institut wurde in drei Ebenen gegliedert: Musikschule für Jugend und Volk, Fachschule und Hochschule.

Preußner als Leiter der Fachschule hielt die pädagogischen Fäden des Ganzen in der Hand. Er lehnte starre Abgrenzungen zwischen den Bereichen ab. Er sagte: „Nicht der, der seinen Beruf ernst nimmt, sondern nur der, mit dem es der Beruf einmal ernstnehmen wird, hat in der Hochschule seinen Platz.“ Die Entscheidung zum Beispiel über den Übergang von der Fachschule in die Hochschule sei „nicht durch eine einmalige Prüfung zu treffen“. Bedenkenswerte Gedanken, auch heute, vielleicht sogar: gerade heute. Für Preußner stand Vielfalt des Lebens im Vordergrund, deren Reglementierung an zweiter Stelle.

Nach dem unglücklichen 1. September 1939 dann die Zeiten des Krieges. Dass in diesen Katastrophenjahren im Mozarteum die Arbeit fast noch wie auf einer Insel der Kunst und des Friedens weitergehen konnte, ist in hohem Maß Preußner zu verdanken. Er navigierte das Schiff „Mozarteum“ wie ein kluger Steuermann durch alle Klippen, Strudel und Untiefen – und damals gab es derlei im Übermaß. Vielleicht hat er Studenten sogar das Leben gerettet, indem er sie vor drohender Einberufung bewahrte. Er hatte persönliche Verbindungen zu Offizieren des Wehrbezirkskommandos aufgebaut. Und 1945, am Ende eines längst verlorenen Krieges, wurde er noch zum Volkssturm einberufen.

Einige Bemerkungen zu dieser Zeit: Als damaliger Mozarteumsschüler habe ich im persönlichen Umgang von Preußner nie Worte gehört, die politisch nach irgendeiner Richtung hin deutbar gewesen wären. Er war kein Nationalsozialist. Auch den zum damaligen „Grüß Gott!“ gewordenen Gruß „Heil Hitler“ vermied er, nicht provokant, sondern auf unauffällige Weise. In dem ausgezeichneten und sehr lesenswerten Buch über Geschichte und Entwicklung des Mozarteums schreibt Karl Wagner auf Seite 229 sehr treffend: Preußner „war kein Märtyrer, ab er war auch nie wendehalsig Mitglied der NSDAP“. Er galt als politisch unzuverlässig. 1944 stand er knapp vor der Verhaftung durch die Gestapo.

Es ist heute festzustellen, dass viele sich das Leben in einer Diktatur nicht vorstellen können. So zum Beispiel auch ein Salzburger Historiker. Er hat die NS-Zeit nur als Baby persönlich erlebt. Er kennt sie also nur aus Dokumenten. In seinem Buch über das Salzburger Kulturleben im Dritten Reich nennt er das damalige Mozarteum „NS-Musikhochschule“, in einer Überschrift „Hochschule für Geniekult“. Eine in indirekter Rede wiedergegebene Passage aus einem Zeitungsaufsatz Preußners Die Kriegsaufgabe der Musikhochschule benützt der Historiker, um Preußner eine nazistische Denkweise anzulasten. Dann folgt ein resümierender Rundumschlag: „Die Hochschule für Musik ehrt Dr. Preußner, der seine Schüler in die Moral- und Seelentherapeutenkolonne des NS-Regimes einreihte, durch Benennung des Instituts-Innenhofes nach seinem Namen.“2

Als noch lebender Zeitzeuge dazu zwei Sätze: 1. So eindimensional war es nicht. 2. Voreingenommene Geschichtsschreibung hindert daran, späteren Generationen ein zutreffendes Bild geschichtlicher Situationen zu vermitteln.

Nach dem Krieg hatte Preußner als Leiter des Seminars für Musikerziehung ein winziges Büro im Erdgeschoss des Anbaus. So winzig sein Büro war, in dem er arbeitete, so groß waren seine Verdienste um innere Konsolidierung der Atmosphäre, des geistigen Klimas im Hause. 1953 wurde die Hochschule, de jure wieder ein Konservatorium, zur Akademie erhoben, und Preußner nach Paumgartner 1959 zum Präsidenten der Akademie ernannt. Wir waren glücklich, dass der verehrte Hofrat Bernhard Paumgartner einen würdigen Nachfolger fand.

Preußner – Paumgartner: Der eine ein großgewachsener Wiener, der andere ein nicht großgewachsener Preuße aus Stolp in Ostpommern. Aber beide waren große Männer, und eine erfüllende gemeinsame Lebensaufgabe verband sie: ‚ihr‘ Mozarteum. Und beide waren außergewöhnliche Persönlichkeiten, die einander menschlich und beruflich achteten. Sicher hat es manchmal gekracht, aber nie habe ich von einem der beiden ein den anderen auch nur im Geringsten kritisierendes Wort gehört.

Der nun 60-Jährige bewältigte mit unglaublichem Schwung ein überreiches Arbeitsfeld – die Führung der Schule, die Leitung der Internationalen Sommerakademie des Mozarteums, seines Lieblings- und Sorgenkindes, die Betreuung des „Musikkreises“, dieser von ihm gegründeten wichtigen Veranstaltungsreihe mit neuer Musik, in deren Konzerten Musik Einzug ins Mozarteum hielt, die das Dritte Reich vor uns verborgen hatte, Bücher, Aufsätze, Vorträge, unvergessliche Reden. Die Texte dieser Reden wurden oft erst unmittelbar vor dem Anlass verfasst, und oft tippte das fabelhaft tüchtige Fräulein Sauer die letzte Seite, wenn die Gäste schon den Saal betraten. Selten hat der Große Saal des Mozarteums einen derartigen Lach-Aufschrei gehört wie damals, als Preußner in seiner Festrede zum 75. Geburtstag Paumgartners, nach Schilderungen des Wiener Umfelds und der Familie zum Geburts-„Tag“ 14. November 1887 gekommen, mit ausholender Geste sagte: „Da liegt er, der Berndl!“ Unvergesslich seine Rede über das Reden, in der er mit heiterem Sarkasmus Rednern Ratschläge gab. Ein Redner dürfe nie sagen: „Darauf komme ich noch zurück.“ Oder, um das Publikum wieder aufzuwecken: „Ich komme zum Schluss“ – eine Aufforderung, die noch nie eingehalten wurde. Preußner war auch Direktoriumsmitglied der Salzburger Festspiele. Die Idee, Hans Werner Henzes Oper Die Bassariden in Salzburg uraufzuführen, war vor allem ihm zu verdanken.

Preußner gehörte nicht zu den Menschen, die nie ‚Zeit haben‘. Er hatte immer für Jeden Zeit. Er besaß die Fähigkeit, jede Sekunde Gegenwart voll zu leben. Er genoss den Augenblick, beim Unterrichten, in einer Konferenz, in einem Gespräch, in einer Jury, in einem Konzert.

Zu Beginn des Jahres 1964 begann ein ständiger Husten. Eine böse Krankheit zeichnete sich ab. Wir waren besorgt. Zu seinem 65. Geburtstag bereitete ihm das Mozarteum ein würdiges, großes Fest. Es war damals noch kein Imperium der Kunsterschließung, man konnte sich einander näher fühlen. Als ein ihm besonders nahestehender Kollege sich vor dem Urlaub verabschiedete, da erhob sich Preußner mit einer Feierlichkeit, die ihm sonst fremd war, und sagte: „Ich danke Ihnen für dieses Schuljahr.“ Es war, als ob der gewohnte Schutzmantel freundschaftlicher Ironie für einen Augenblick weggezogen wäre durch eine dunkle Ahnung. Sie hat nicht getrogen. Er verstarb am 15. August 1964.

Es war ein Leben, durch das wie ein cantus firmus die Musik klang. Musik nicht nur als sinnlich-akustisches Ereignis, sondern als Kraft, die Seele des Menschen zu formen. Er schrieb einmal: „Musik, immer schon ein wundersames Gebilde, begleitet das Leben des Menschen, gerufen oder ungerufen, vom Anfang bis zum Ende; entweder ist sie ganz da oder sie entschwindet. Für eine solche allgegenwärtige und doch wieder in ihrer Existenz fragwürdige Kunst auszubilden, welches Unternehmen!“

Ein Bekenntnis. Ein Wissen um alle Herrlichkeit – und Fragwürdigkeit des Erziehens. Er wusste, wo die Grenzen liegen, wo der Nebel beginnt.

Er liebte nicht nur ‚den Menschen‘, sondern alle Menschen von Anständigkeit und Gesittung. Da liegt der Schlüssel zu seinem so liebenswerten Hang zur Geselligkeit. Es gelang ihm, sogar aus jeder dienstlichen Notwendigkeit, aus jeder Sitzung oder Konferenz fast ein Ereignis der Geselligkeit zu machen. Wir bewunderten und genossen, wie er diese Besprechungen mit einer Mischung aus elastischer Präzision, verstehender Nachdrücklichkeit und lockerer Souveränität leitete.

Die Abende in seinem Heim in Parsch waren Feste des freundschaftlichen Gesprächs – über alles, natürlich insbesondere über die Musik und die Künstler und das Mozarteum und die Festspiele, über die Kollegen, und was sie tun, und sogar auch, was sie nicht tun. Die Anwesenheit des Hausherrn sicherte den Gesprächen Niveau, sachliche Korrektheit, geistreiche Formulierungen und hintergründig-wissenden Humor. Es wurde sehr viel gelacht, und fast immer mit gutem Gewissen. Seine beeindruckende Begabung, Situationen geistesgegenwärtig blitzschnell elegant zu bewältigen, charakterisiert eine kleine Episode an einem dieser Abende. Preußners Gattin war eine sehr gute Sängerin mit einer bemerkenswert schönen Stimme gewesen. Das Gespräch kam auf Elisabeth Schwarzkopf. Frau Preußner, die vom Singen natürlich einiges verstand, meinte: „Also – ich weiß nicht, aber die Schwarzkopf hat Probleme mit ihrer Technik …“ Ihr Mann war in diesem Moment mit einer neuen Flasche Wein zur Türe hereingekommen, hatte den Satz gehört, und die darauf folgende höfliche Betretenheit der Gäste war ihm nicht entgangen. Er sagte mit tiefer Stimme: „Hier irrt Frau Preußner!“ – Zwei Dinge liebte Preußner nicht, da konnte er fast ärgerlich werden: Wenn in seiner Gegenwart geraucht wurde, und wenn Gäste nicht merkten, dass er um halb elf Uhr abends Ruhe haben wollte. Er war Frühaufsteher.

Irgendwie war sein Wesen von preußischem Charme und österreichischer Disziplin geprägt, denn die besten Eigenschaften des Norddeutschen und des Österreichers waren in ihm eine wundersame Symbiose eingegangen. Die Landschaft des menschlichen Herzens mit all ihren Gipfeln und Klüften kannte er wie selten einer, aber machte davon kein Aufheben. Diese Einsicht war Quell seiner Güte, die so gar nichts von Schwächlichkeit an sich hatte. Verständnis für das Menschliche im Menschen war auch der Urgrund, auf dem sein Humor wuchs, und die andere Gabe, sein Witz, der funkeln konnte, blitzen und leuchten, aber nie wehtat. Es stand Weisheit hinter ihm.

Er war eins mit sich, seinem Beruf, seinem Leben. Ich erinnere mich nicht, ihn jemals unglücklich gesehen zu haben. Auch als ich ihn, den Todkranken, drei Wochen vor dem Ende im Krankenhaus bei Sankt Moritz besuchte, ging eine fast heitere Ruhe und Gelassenheit von ihm aus. Damals sagte er zu mir: „Mir ist, als sei ich niemals wach gewesen.“

Er ist nicht mehr wach geworden. Doch sein Werk und sein Wirken sind lebendig, und die prägende Kraft seines Wesens lebt fort, vielleicht sogar in Form einer speziell dem Mozarteum eigenen schönen und wohltuend warmen Verbundenheit mit diesem Hause – bei den Menschen, die hier ‚zuhause‘ sind oder waren.

Die Universität Mozarteum und die Welt der Musikerziehung werden Eberhard Preußner nie vergessen dürfen. Denn er war ein Besonderer.


1 In der Wiedergabe wird der Charakter einer Ansprache insofern beibehalten, als Zitate – im Gegensatz zu den nachfolgenden Texten dieses Bandes – nicht nachgewiesen werden.

2 Der Innenhof im 1998 geschlossenen und in der Folge abgerissenen Gebäudeteil hatte den Namen „Preußnerhof“ erhalten.

Dokumentation der Ausstellung

Eberhard Preußner
Aus der Rede über das Reden

„[…] Ich will meine heute eingeschlagene Linie nicht verlassen und erlaube mir, fürs Reden einige Spielregeln anzubieten, freibleibend anzubieten.

1. Hast Du keine Hemmungen, so tu wenigstens so, als hättest Du welche. Nichts ist furchtbarer als ein hemmungsloser Redner. Jeder gute freie Redner, er lese ab oder rezitiere aus dem Gedächtnis oder improvisiere in gewohnten Geleisen, jeder Komiker – sie sprechen nicht fließend, sondern, wenn es sein muß, mit eingeübtem Stottern. In der Musik ist Steckenbleiben, von den Noten Abweichen, Todsünde – in der Rede gibt erst die Improvisation das Gewürz. Stocken, Innehalten ist der Rede hohe Kunst. Deshalb bevorzugt der kluge Redner viel Taktwechsel. Der primitive Redner bleibt im 3/4- oder 4/4-Takt hängen. Eine Rede ist aber kein Marsch und leider auch kein Walzer. Das Normaltempo sei Andante con moto, Allegro selten, Presto nie – bitte aber auch kein Largo maestoso. In der Dynamik vorsichtig und sparsam sein! Flüstersprache ist ebenso wenig gut wie stures ‚mezzoforte‘ oder ständige Beethovensche ‚sforzati‘ Ein richtiges ‚crescendo‘ ist schwer, schwerer aber das ‚decrescendo‘.

2. Reden ist nicht Reden, sondern die Kunst des Zuhörens. Anderen zuhören ist schwer – sich selbst zuhören fast unmöglich. Niemand kennt den Klang seiner Sprache, weshalb man vor seinem Sprach-Porträt im Radio jedes Mal erschrickt.

3. Mische Ernst und Heiter, sage manchmal etwas direkt, das meiste setze aber nur als Zeichen der Andeutung.

4. Lache nicht über Deine Pointen: meist sind sie keine, und sind es welche, so verpatzt man sich alles, wenn man, besonders durch zu frühes Lachen, verrät, daß man komisch sein wollte.

5. Sprich auch vor Männern, als sprächest Du zu Kindern. Sie werden es Dir danken.

6. Den berühmten Satz ‚um nun zum Schluß zu kommen‘ darfst Du nur einmal und am wirklichen Ende der Rede sagen. Manche benutzen ihn zur eigenen neuen Anfeuerung und fallen sozusagen von einem Schluß in den nächsten.

7. Vergiß nie, daß da Leute sind, die zuhören, obwohl sie es nicht wollen. Habe Mitleid mit dem Hörer. Und habe Mitleid mit Dir.

8. Und, ‚um zum Schluß zu kommen‘, wenn’s am besten schmeckt, höre auf!“1

Kindheit und Jugend

Vom Lausbuben zum fleißigen Studenten

Eberhard Preußner wurde am 22. Mai 1899 in Stolp in Pommern (heutiges Polen) als zweites von drei Kindern geboren. Seine Kindheit und Jugend verbrachte er gemeinsam mit seinen Eltern Oskar und Jenny sowie seinen Geschwistern Hedwig und Ulrich in Stettin, wo sein Vater Direktor der dortigen Bismarck-Oberrealschule war.

Schulzeit

Eberhard Preußner besuchte das geschichtsträchtige Marienstiftsgymnasium in Stettin, das bereits seit dem 16. Jahrhundert bestand. Den Zensuren zufolge scheinen die Schulstunden zumindest zu Beginn der ‚Bildungskarriere‘ nicht gerade Eberhards Lieblingsbeschäftigung gewesen zu sein. Vor allem seine Leistungen im Fach Musik bzw. Gesang, wie es damals hieß, ließen zum damaligen Zeitpunkt noch keinesfalls auf einen Höhenflug in diesem Bereich schließen. Jedoch scheint es so, als wäre der Junge plötzlich vom Ehrgeiz – vielleicht aber auch von Begeisterung – gepackt worden. So konnte sich der Schüler von einem Platz im letzten Drittel des Klassenrankings weit nach vorne arbeiten und mischte dann ganz an der Spitze mit. Auch im Bereich Gesang ist dieser Leistungszuwachs in den Zeugnissen nachzulesen. Preußner steigerte sich von einem anfänglichen ‚Genügend‘ – was einem heutigen ‚Befriedigend‘ entspricht – auf ein ‚Gut‘. Die großen Fähigkeiten schlummerten nun vielleicht nicht mehr ganz so tief …

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Vater und Sohn: Oskar und Eberhard Preußner (Foto aus dem Besitz von Regine und Wolfgang Böttcher, Berlin)

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Die Eltern Jenny und Oskar Preußner (Foto aus dem Besitz von Regine und Wolfgang Böttcher, Berlin)

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Die Geschwister Hedwig, Ulrich und Eberhard Preußner (Foto aus dem Besitz von Regine und Wolfgang Böttcher, Berlin)

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Die ‚erweiterte‘ Familie Preußner: Jenny, Oskar, Hedwig, Eberhards Gemahlin Hilde, Hedwigs Gatte, Ulrich und Eberhard (Foto aus dem Besitz von Regine und Wolfgang Böttcher, Berlin)

Erste Stationen des jungen Erwachsenen

Der Ernst des Lebens

Nach Ablegung seines Abiturs im humanistischen Zweig im Jahr 1916 waren für Preußner die unbeschwerten Jugendjahre definitiv vorbei. Mit dem Eintritt als Kriegsfreiwilliger in den Ersten Weltkrieg begann der Ernst des Lebens für Eberhard wohl auf sehr drastische Art und Weise. Zu Beginn seiner militärischen Laufbahn war er Fahnenjunker. Vier Jahre später, im Jahr 1920, wurde Preußner dann als Leutnant aus der Armee entlassen. Während seines Militärdienstes erhielt er mehrere Orden sowie das Eiserne Verdienstkreuz als Auszeichnung.

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Eberhard Preußner als junger Soldat im Ersten Weltkrieg (Foto aus dem Besitz von Regine und Wolfgang Böttcher, Berlin)

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Aus dem Ersten Weltkrieg – Eberhard Preußner in der Mitte ist offensichtlich verletzt worden (Foto aus dem Besitz von Regine und Wolfgang Böttcher, Berlin)

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Preußner zu Pferd im Ersten Weltkrieg – später erzählte er seinen Nichten von seinem aufgerittenen Hintern (Foto aus dem Besitz von Regine und Wolfgang Böttcher, Berlin)

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Portrait des jungen Soldaten Preußner (Foto aus dem Besitz von Regine und Wolfgang Böttcher, Berlin)

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Eberhard Preußner bei einem Ausgang (vermutlich an der Ostsee) (Foto aus dem Besitz von Regine und Wolfgang Böttcher, Berlin)

Studium in Berlin

Nach seinem Austritt aus der Armee entschied sich Preußner für das Studium der Musikwissenschaft an der Universität Berlin. Zu seinen Lehrern zählten unter anderem Hermann Abert, Johannes Wolf und Georg Schünemann. Parallel zu seinen musikwissenschaftlichen Studien verfolgte er außerdem ein Klavier- sowie Tonsatzstudium an der Hochschule für Musik. Preußners Berliner Studienjahre sollten den Grundstein zu einer erfolgreichen Karriere legen …

Die Zeit in Berlin

Wege beginnen sich abzuzeichnen

Lehrjahre

1930 berief Leo Kestenberg, als Musikreferent im „Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung“ die Zentralgestalt in der Reformierung des Musikerziehungswesens, Eberhard Preußner an die Musikabteilung des „Zentralinstituts für Erziehung und Unterricht“.

Preußner, der sich im Gegensatz zu seinem Bruder Ulrich, dem angehenden Mediziner, für den innerhalb der von Krisen geschüttelten Weimarer Republik eher ‚brotlosen‘ Beruf des Musikwissenschafters und Pianisten entschieden hatte, zeigte mit seiner 1924 abgeschlossenen Dissertation Die Methode im Schulgesang der evangelischen Lateinschulen des 17. Jahrhunderts bereits deutliches Interesse für musikpädagogische Fragestellungen. Dieses war wohl auch durch seine Lehrer, Hermann Abert und insbesondere Georg Schünemann, geschürt worden.

Nach der Promotion folgten schwierige Jahre mit freier Tätigkeit als Klavierbegleiter und Kritiker bei verschiedenen Zeitschriften. Erst das Engagement als verantwortlicher Redakteur bei der Zeitschrift Die Musik sowie seine Sekretärstätigkeit bei der „Interessengemeinschaft für das deutsche Chorwesen“ konnten eine gewisse, wenn auch vermutlich bescheidene Sicherheit bieten.

Es waren wohl nicht so sehr die vermittelnden Worte des Vaters als vielmehr Preußners immer deutlicheres musikpädagogisches Engagement, das die Aufmerksamkeit Kestenbergs erregte. Diese Orientierung fand einen ersten großen Ausfluss, als Preußner im Jahre 1929 das Buch Allgemeine Pädagogik und Musikpädagogik publizierte.

Väterlicher Freund und Lehrmeister

Mein lieber Freund,
wie glücklich und froh hat mich Dein letzter Brief vom 19. Dezember mit allen seinen guten Wünschen, die ich innigst erwidere, gemacht. Deine Anhänglichkeit und Treue weiss ich mit jedem Tag mehr zu schätzen, aber auch ich verehre und liebe Dich immer mehr und mehr. Gerade jetzt, da ich mich entschlossen habe – trotz aller Hemmungen und Schwierigkeiten und nach einer langen Unterbrechung – Grete meine Lebenserinnerungen weiter zu diktieren, wird mir wieder bewusst, wie gottgesegnet Deine aufwärts und vorwärts gerichtete Lebensbahn verläuft, wie Du seit den Tagen des Zentralinstituts bis heute Dich immer höher und höher entwickelt hast. […]
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Leo Kestenbergs Worte aus dem Exil in Tel Aviv reflektieren das Interesse am Werdegang seines Schülers, große Wertschätzung für dessen berufliche Entwicklung, mehr aber noch die Wärme echter Zuneigung. Betrachtet man demgegenüber Preußners Briefe, so bleibt ein Hauch distanzierter Ehrfurcht dem Lehrmeister gegenüber bestehen.

Mit Kestenberg fand Preußner einen Mentor, der in der Weimarer Republik dank seines klar strukturierten, systematischen Denkens zur gestaltenden Figur im Prozess einer Institutionalisierung von Musikerziehung und Professionalisierung von Musiklehrern aufgestiegen war. Ganz anders als der Idealist Fritz Jöde, der in Ablehnung einer bürgerlich-fremdgesteuerten Welt das „Fetzenstückwerk“3, das durch Lehrpläne und Lehrende vermittelt wird, schroff zurückwies, befürwortete Kestenberg zwar die Förderung des schöpferischen Elements im Menschen, sah darüber hinaus jedoch die Notwendigkeit einer fundierten wissenschaftlich-künstlerischen Ausbildung von Musiklehrern, um für Musikerziehung im Fächerkanon eine Gleichstellung mit anderen Disziplinen zu erwirken.

Für den einunddreißigjährigen Preußner bedeutete die Berufung als Mitarbeiter an die Musikabteilung im Zentralinstitut einerseits Sicherheit in ökonomischer Hinsicht, andererseits aber auch die Weitung des Blicks in einem neuen Lernfeld, das ihn als vielseitig gebildeten Musikwissenschafter und Musikpädagogen, aber auch als strukturierten Denker in der Entfaltung organisatorischer Fähigkeiten, etwa in der Planung von Fortbildungsveranstaltungen, herausforderte.

Im Zentralinstitut habe ich außer den rein pädagogischen Aufgaben eine allgemeine Musikberatungsstelle geleitet. Zu meinen vielfach organisatorisch und statistisch angelegten Arbeiten gehörte die Betreuung und Verwaltung der zur Musikstelle gehörenden musikpädagogischen Bücherei. Bearbeitet wurde insbesondere: ein Schallplattenkatalog der für den Unterricht geeigneten Schallplatten, eine statistische Übersicht der deutschen Musikbibliotheken und Musikbüchereien, ferner eine Musikausstellung und Musikmesse der gesamten wertvollen Musikliteratur, der Musikinstrumente und der speziell musikpädagogischen Arbeiten […]. Als Mitglied der Prüfungskommission der staatlichen Privatmusiklehrerprüfung habe ich 1931 im Fach Musikwissenschaft geprüft.4

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Eberhard Preußner als junger Mann, vermutlich in Berlin; sehr stolz war er auf den Ring aus Karneol, der sich heute im Besitz seines Neffen befindet (Foto aus dem Besitz von Regine und Wolfgang Böttcher, Berlin)

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Eberhard Preußner, vermutlich in Berlin (Foto aus dem Besitz von Regine und Wolfgang Böttcher, Berlin)

Dass Preußner ab 1930 auch verantwortlicher Redakteur für die neue Zeitschrift Die Musikpflege wurde, die in Verbindung mit dem „Zentralinstitut für Erziehung und Unterricht“ und der „Interessengemeinschaft für das deutsche Chorwesen“ publiziert wurde und ein Forum für einen interdisziplinären Diskurs schaffen sollte, unterstreicht seine Fähigkeiten im Umgang mit dem geschriebenen Wort, aber auch sein Talent, Verbindungen herzustellen, Kontakte zu knüpfen.

Vielleicht hatte Kestenberg seinen ‚Lehrling‘ vorerst sogar unterschätzt: berührend seine Worte aus dem fernen Tel Aviv an den mittlerweile gereiften, unmittelbar vor der Ernennung zum Präsidenten der Akademie für Musik und darstellende Kunst „Mozarteum“ stehenden Preußner. Dieser hatte im Verlag Quelle & Meyer die von Kestenberg ins Leben gerufene „Musikpädagogische Bibliothek“ wiederbegründet:

Ich habe Quelle & Meyer gegenüber Dich gleich als Ersten genannt, der für diese Aufgabe in Betracht kommt, und ich bin überglücklich, dass Du Dich dieser Arbeit unterziehen willst, und natürlich bin ich auch heilfroh, dass Du den 1. Band der neuen Reihe übernimmst[,] mit dem gleichen Titel wie ehemals. Mir ist noch Dein enttäuschtes Gesicht ganz plastisch in Erinnerung, dass ich damals nicht Dir sondern Moser diesen 1. Band vorbehalten habe. Jetzt wirst Du in Dein Dir ursprünglich gebührendes Recht eingesetzt […].5

Tätigkeit im „Reichsverband für Chorwesen und Volksmusik“

Zeit der Krise

Die Weltwirtschaftskrise wurde zur Auslöserin von Problemen in sozialer, politischer und gesellschaftlicher Hinsicht. Politische Radikalisierung fand etwa in Straßenkämpfen zwischen Anhängern der Kommunistischen Partei Deutschlands und SA-Schlägertrupps der NSDAP gewalttätigen Ausdruck. Ernüchterung und der Hang zu Extremen schwappte auch auf den Bereich der Musikpädagogik über. Mehr und mehr erkannten zumindest einzelne Vertreter der Jugendmusikbewegung die Gefahren einer Überbetonung außermusikalischer Zielsetzungen, die in sich den Keim eines ideologischen Missbrauchs trugen, reagierten mit Besorgnis auf das Auseinanderklaffen zwischen pädagogischer Praxis und Entwicklungen im Bereich der zeitgenössischen Musik. Auf erste Anbiederungsversuche einzelner Musikpädagogen an nationalsozialistisches Gedankengut verweist Heide Hammel unter Bezugnahme auf ein Pamphlet von Walter Kühn mit dem Titel Die deutsche Tonkunst im Aufbau der deutschen Kultur aus dem Jahr 1932.6

Hammel ist es auch, die in einer Analyse von Preußners Publikationen aus dieser Zeit auf dessen vorerst deutliche Bereitschaft zur kritischen Reflexion und Stellungnahme verweist. So warnt er im Aufsatz Musikpolitik. Ihr Aufgabenkreis und ihre Grundzüge in der Zeitschrift Musik und Gesellschaft vor einer Vereinnahm ung von Musik durch parteipolitischen Zugriff: „Kritik des Publikums, Kritik der Kritik wird von der Musikpolitik gefordert, nicht um bestimmte Personen zu treffen, sondern das was hinter ihnen steht: die schädliche Einstellung zur Musik und Gesellschaft.“7

Wandel – Schwerpunktsetzungen in der Zeitschrift Die Musikpflege als Spiegel der Zeit?

Vom Idealismus der ‚Lehrjahre‘, dem Glauben, einen Ausgleich zwischen den divergierenden Sichtweisen im Bereich der Musikpädagogik sowie prinzipiell zwischen verschiedenen Disziplinen wie Allgemeiner Pädagogik, Soziologie, Psychologie, Philosophie und Ästhetik erwirken zu können, waren die Anfänge von Preußners Redaktionstätigkeit für Die Musikpflege geprägt gewesen.

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Titelblatt und Beginn des Inhaltsverzeichnisses aus: Die Musikpflege. Monatsschrift für Musikerziehung, Musikorganisation und Chorgesangwesen 1 (1930/31), S. I-III (nach dem Exemplar der Bibliothek der Universität Mozarteum)

Der Glaube an die ausgleichende Wirkmacht von Musik muss einer realistischen, desillusionierten Einstellung weichen: Zu deutlich wurde für Preußner, dass in Zeiten wirtschaftlicher Krise die Musik nur eine untergeordnete Rolle spielen könne.8 Die Zuwendung zum Idealismus einer Pädagogengeneration um Johann Heinrich Pestalozzi (1746–1827)9, der Rekurs auf Friedrich Schillers ästhetische Ideale10 u.a.m. vermögen nur unzulänglich zu übertünchen, dass Preußner als Schriftleiter mehr und mehr politische Konzessionen machen musste. Die Machtübernahme durch die NDSAP (1933) hinterließ sofort Spuren. Durch Notverordnungen und „vor allem durch das ‚Ermächtigungsgesetz‘ “ wurde Zensur ausgeübt, der bereits etliche Zeitschriften zum Opfer gefallen waren,11 als sich im April-Heft der Musikpflege 1933 ein klares Bekenntnis der Schriftleitung zum Nationalsozialismus findet. Volkstümliche Musikpflege soll in den Mittelpunkt gestellt werden, sehr wohl wird diese Entscheidung allerdings verbunden mit qualitativen Ansprüchen und Offenheit gegenüber Zeitgenössischem:

Musik ist von Natur aus eine Volkskunst. [...] Für die Musik erwarten wir alles Heil von der neuen Volksbewegung. Schriftleiter und Verlag bekennen sich zu dem neuen Aufbauprogramm der nationalen Revolution. Jeder hat an dem ihm gestellten Platz seine Pflicht zu erfüllen. Für unsere Zeitschrift heißt dies: Förderung der volkhaften Musikpflege, dabei immer wieder Betonen der qualitätvollen Arbeit, der Leistung; Kritik gegenüber Kitsch und Nichtskönnen; aber restlosen Einsatz für alles Echte, für alles Werdende Neue!12

Ab 1934 wurde im Untertitel der Zeitschrift auf eine neue Trägerschaft aufmerksam gemacht: Zeitschrift des Reichsverbands der gemischten Chöre Deutschlands e.V. – Fachverband in der Reichsmusikkammer. Preußners eigene Beiträge bleiben auch nach dieser nun auch verbal zum Ausdruck gebrachten ‚Richtungsänderung‘ spärlich.

1943 wurde die Zeitschrift wegen Papiermangels eingestellt.

Arbeit im „Reichsverband für Chorwesen und Volksmusik“

Heide Hammel geht davon aus, dass Preußners Wechsel vom „Zentralinstitut für Erziehung und Unterricht“ in den „Reichsverband für Chorwesen und Volksmusik“ (Abteilung D der Reichsmusikkammer unter Leitung von Fritz Stein) im Jahr 1933 auf eigenen Wunsch erfolgte. Kestenberg war 1932 als ‚unbequemer linker Kulturpolitiker‘ in den Ruhestand versetzt worden. Vordergründig mag das von den Vertretern der Reichsmusikkammer propagierte soziale Ideal, dass alle Musikschaffenden gleichgeschaltet werden sollten, dass es gelte „die Trennung zwischen Volk und Musik“13 zu beseitigen, Preußners Entscheidung motiviert haben: So hatte er auch in Die Musikpflege die Staatsaufsicht über das Musikleben14 eingefordert, um durch eine Kontrolle der verfügbaren Ausbildungsplätze der Arbeitslosigkeit von Musikern entgegenzuwirken. Es muss davon ausgegangen werden, dass Preußner, obwohl er nie Mitglied der NSDAP war, sehr wohl erkannt hat, dass auch der „Reichsverband für Chorwesen und Volksmusik“ letztlich dem „Propagandaministerium“ unterstellt war.

Zwischen Jänner und November 1933 erfolgte eine Gleichschaltung musikalischer Laienvereine, die zwangsweise der „Reichsfachschaft für Chorwesen und Volksmusik“ unterstellt wurden.15 Zu Preußners Aufgaben gehörte offensichtlich die Förderung neuer Chormusik, die dem Ideal des Volkshaften entsprach. Die Musikpflege erwies sich in diesem Kontext als geeignetes Medium, um die Aufmerksamkeit auf Komponisten wie Walter Rein, Armin Knab, Hans Lang, Ernst Lothar von Knorr, Hugo Distler, Heinrich Spitta, Otto Jochum, Kurt Thomas u.a. zu lenken, war doch jeder Chor zum Abonnement der Zeitschrift verpflichtet worden. Seltsam brüchig erscheinen die Einträge Preußners aus dieser Zeit. Bekenntnissen zum Gemeinschaftsideal, das durch Musik erreicht werden kann („Das Volk will wieder singen“16) stehen ästhetische Reflexionen entgegen, die etwa den Missbrauch des Chorsatzes aus Ludwig van Beethovens 9. Symphonie anprangern:

Wenig später bietet sich dem Besucher, nachdem er den Dom verlassen hat, folgendes Bild: Auf dem Marktplatz, an dessen einer Ecke der Dom steht, ist die HJ. mit Fackeln aufgetreten und bildet einen Kreis um einen Massenchor von fast 1.000 Sängern und Sängerinnen. Oben vom Balkon des Rathauses spricht Präsidialrat Ihlert; unten lauscht die Menge der Sänger und Hörer seinem mitreißenden Bekenntnis zum deutschen Lied!17

[…] aber ich muß bekennen, daß allein schon die Hineinstellung der IX. Sinfonie als Anhang in ein Festspiel, die durch eine Regie (von ihrem Standpunkt gewiß aus gutem Grund) hinzugefügte Mitwirkung von Scheinwerfern, Flaggen und sich, wenn auch noch so gemessen bewegende Menschen, von der Musik ablenkte, auf ein Äußeres, das Beethoven ja gerade durch seine Musik überwunden hatte. Die Idee, Beethovens IX. mit dem olympischen Gedanken in Verbindung zu bringen, liegt nahe. Aber der olympische Friedensgedanke wird in Beethoven allein ohne jedes Beiwerk musikalisch ausgedrückt. Man muß also unter allen Umständen der Musik geben, was der Musik gehört. Und das ist bei Beethoven alles.18

Preußner kritisiert im zweiten Zitat explizit den Missbrauch, den Musik erfahren muss, wenn außermusikalische Ideale – in diesem Fall der Olympische Gedanke, der eine musikalische Rahmenveranstaltung anlässlich der Olympiade 1936 in Berlin herausgefordert hatte –, motorisch-technische Aspekte sowie populistische Überlegungen in den Vordergrund gerückt werden. Ganz prinzipiell muss das musikalische Programm anlässlich der 11. Olympiade, folgt man Fred Prieberg19, sich als peinliche Farce dargestellt haben: Ein Komponistenwettstreit, in dem nur Werke eingereicht werden durften, die einen Bezug zur olympischen Idee aufwiesen, war durch gezielte Steuerung in der Besetzung der Juroren (unter anderem befand sich darunter Preußners Vorgesetzter, Fritz Stein) sowie durch die beschämend geringe Zahl an ausländischen Kompositionen, unter völliger Abwesenheit „namhafter Köpfe der neuen Musik“, schon vor dem Erklingen des ersten Tons entschieden worden. Prieberg schreibt dazu: