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ALMANACH DER
UNIVERSITÄT MOZARTEUM
SALZBURG
2010/11

VERÖFFENTLICHUNGEN ZUR GESCHICHTE
DER UNIVERSITÄT MOZARTEUM SALZBURG

BAND 1

WOLFGANG GRATZER

(HG.)

ALMANACH DER
UNIVERSITÄT MOZARTEUM
SALZBURG

STUDIENJAHR 2010/11

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© Hollitzer Wissenschaftsverlag, Wien 2011
www.hollitzer.net
Alle Rechte vorbehalten.

Inhaltsverzeichnis

Reinhart von Gutzeit, Vorwort

Wolfgang Gratzer, Warum ein Almanach?

I. Entwicklung der Universität

I.1 Leitlinien

I.2 Bericht des Rektorats

I.3 Bericht des Senatsvorsitzenden

I.4 Leistungsvereinbarungen

I.5 Qualitätsmanagement

II. Aktivitäten

II.1 Festlichkeiten

II.2 10. Internationaler Mozartwettbewerb 2011
Internationale Sommerakademie Mozarteum

II.3 Musik

II.4 Schauspiel

II.5 Bildende Kunst

II.6 Ausstellungen

II.7 Wissenschaft & Kunst

II.8 Diskurse

II.9 Weitere Veranstaltungen

II.10 Forschungsförderung

II.11 Veröffentlichungen

II.12 Ton- und Filmstudio

II.13 Bibliothek

II.14 Mobilität

III. Erfolge

IV. Mozarteum Kultur GmbH

V. Alumni-Netzwerk / Verein der Freunde

VI. Organisation

VI.1 Honoratioren

VI.1.1 Ehrenmitglieder

VI.1.2 Ehrendoktor

VI.1.3 Ehrensenator

VI.1.4 Ehrenbürger

VI.1.5 Ehrenmedaillen

VI.2 Universitätsleitung

VI.2.1 Universitätsrat

VI.2.2 Rektorat

VI.2.3 Beauftragte des Rektorats

VI.2.4 Senat

VI.3 Studienorganisation

VI.3.1 Studiendirektor

VI.3.2 Curricularkommissionen

VI.4 Lehrende

VI.4.1 Berufungen

VI.4.2 Emeritierungen

VI.4.3 Todesfälle

VI.4.4 Abteilungen, Institute, weitere Einrichtungen

VI.5 Service

VI.6 Interessensvertretungen

VI.7 Mozarteum Kultur GmbH

VII. Standorte

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Vorwort des Rektors

Die Segnungen des Informationszeitalters wollen wir nicht missen, aber die Informationsflut macht uns mehr und mehr zu schaffen. Es ist einfach geworden, das, was wir mitteilen möchten, in die Welt zu senden; das, was wir wissen wollen, rasch aus dem riesigen Informationsteich zu fischen. Zugleich wird es immer schwieriger, Wichtiges intensiv wahrzunehmen und Unwichtiges zu übersehen, die unüberschaubare Fülle der Daten zu ordnen und gezielt das aufzubewahren, von dem wir möchten, dass es in Erinnerung bleibt. Werden die Historiker der Zukunft die Nadeln im Heuhaufen – jene Dokumente, die ein zutreffendes Bild unserer Zeit vermitteln können – finden? Sind wir nicht selbst verpflichtet, zur Geschichtsschreibung und Erinnerungskultur aktiv beizutragen?

Wir haben uns entschlossen dafür zu sorgen, dass die Geschichte der Universität Mozarteum nicht nur auf elektronischen Speichermedien zu finden ist, sondern auch kompakt in der klassischen Form des Buchs. Dem Herausgeber, Vizerektor Wolfgang Gratzer gebührt großer Dank, dass er die Mühe auf sich genommen hat, die Daten zu sammeln, zu ordnen und für alle, die am Leben der Universität Anteil nehmen, aufzubereiten.

Ich bin glücklich darüber, dass nun in einem Band zusammengefasst ist und erfahrbar wird, wie viele Menschen an unserem Haus produktiv zusammenarbeiten; wie viele inhaltsreiche Konzerte, Theaterabende, Ausstellungen, Veröffentlichungen und Symposien die Lehre begleiten und aus ihr erwachsen; und auch, welcher Aufwand zur Gestaltung der Rahmenbedingungen dieses akademischen Lebens erforderlich ist.

In diesem Buch ist die Arbeit von mehr als 2000 Menschen – Lehrenden, Studierenden und Mitarbeitern der Verwaltung dokumentiert. Es weist unsere Universität als eine außerordentlich aktive Begegnungsstätte von Künstlerinnen und Künstlern sowie Ideen aus.

Univ.Prof. Reinhart von Gutzeit

Vorwort des Herausgebers

Warum ein Almanach?

Die Universität Mozarteum Salzburg ist ein Ort vielfältiger Begegnungen. Ihr regional und international adressiertes Selbstverständnis als künstlerisches, pädagogisches und wissenschaftliches Zentrum findet seinen Ausdruck in umfangreichen Lehrangeboten sowie einem dicht gefüllten Jahreskalender öffentlicher Veranstaltungen. Konzerte und Musiktheater-/Schauspiel-Aufführungen, Workshops und Gastkurse, Präsentationen und Ausstellungen, Vorträge und Symposien spiegeln gemeinsam mit der Internationalen Sommerakademie Mozarteum und Spezialprojekten (wie der Mozarteum Kinderuni „MozKi“) die Kreativität und Initiative derer wider, die an diesem Haus tätig sind. Ohne verlässliche Unterstützung der Service-Einrichtungen wäre diese Fülle kaum denkbar.

Präsent sind diese Aktivitäten einerseits in gedruckten sowie online verfügbaren Ankündigungen, andererseits in den persönlichen Erinnerungen jener, die als Mitwirkende oder als Publikum diese Veranstaltungen erlebt haben. Beide, Ankündigungen und persönliche Erinnerungen, sind in hohem Maß flüchtig, werden sie nicht systematisch dokumentiert.

Gewiss genießt der Blick auf Gegenwart und Zukunft Vorrang. Zu bedenken bleibt, dass damit – angesichts eines anhaltend hohen Veränderungstempos in der Bildungslandschaft – ein Verblassen von Erinnerung droht: das Vergessen von Entwicklungen, das Vergessen von Akteuren. Ineins damit sind Reflexion und Wertschätzung gefährdet. Aus eben diesem Grund entstand die Idee, ja das Bedürfnis, die viele Dezennien selbstverständlich gepflogene, dann unterbrochene Jahrbuch-Tradition neu zu beleben. Eine jährliche Rückschau sollte im Übrigen geeignet sein, die Recherchen für Überblicksdarstellungen (wie Karl Wagners Das Mozarteum. Geschichte und Entwicklung einer kulturellen Institution, Innsbruck, Edition Helbling 1993) zu unterstützen.

Warum nunmehr ein „Almanach“? Die Bedeutungen in der Frühgeschichte des Wortes „Almanach“ – in der deutschen Sprache seit dem 16. Jahrhundert nachgewiesen – schließen „Zeittafel“, „Kalender“ und „Jahrbuch“ ebenso ein wie „Geschenk“ bzw. „Neujahrsgeschenk“. Eben das will der Almanach der Universität Mozarteum auch sein: ein als Zeichen der Verbundenheit gemeintes Geschenk an jene, die die Geschichte unseres Hauses mit Verve mitgestalten; ein Geschenk auch an jene, die sich – aus welchen Motiven auch immer – für die Ereignisse des Studienjahres 2010/11 interessieren.

Die Dramaturgie des Almanachs lädt zur chronologischen Lektüre ein, erlaubt aber auch selektives Nachschlagen:

In Kap. I geben Berichte des Rektorats, des Senatsvorsitzenden so wie von Abteilung für Entwicklungsplanung, Leistungsvereinbarung, Wissensbilanz und Qualitätsmanagement) Aufschluss über wichtige strategische Weichenstellungen. Vorangestellt sind die 2002 entstandenen und 2010 aktualisierten Leitlinien der Universität Mozarteum.

Die Kap. II–V informieren en détail über den großen Aktivitätsradius dieser Universität.

In Kap. VI findet sich eine Gesamtschau auf die Personalstruktur.

Kap. VII eröffnet abschließend einen Blick auf die Standorte unserer Universität in der Stadt Salzburg.

Ohne das Zusammenwirken zahlreicher Mitglieder dieser Universität wäre die Informationsdichte dieser Publikation nicht zustande gekommen. In Konzeption, Koordination und Redaktion engagierte sich Frau Dr. Ulrike Godler (Leiterin der Abt. Marketing / Veranstaltungen / Internationales – Internationale Sommerakademie). Ihr und ihrem Team – insbesondere Frau Mag. Elisabeth Nutzenberger und Herrn Ernst Blanke – gebührt ebenso herzlicher Dank wie allen, die Informationen ausgewählt und zur Verfügung gestellt haben.

Nicht zuletzt ist Herrn Dr. Michael Hüttler und Frau Mag. Inge Praxl (Hollitzer Wissenschaftsverlag) sowie Herrn Mag. Johann Lehner (Verlagsbüro Lehner) für die überaus erfreuliche, konstruktive Zusammenarbeit bei der Erarbeitung und Realisierung des graphischen Konzepts zu danken.

Ao. Univ.Prof. Dr. Wolfgang Gratzer
Vizerektor für Entwicklung und Forschung

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I.
ENTWICKLUNG DER UNIVERSITÄT

I.1 LEITLINIEN

Funktion der Leitlinien

Auf Grundlage einer breiten Meinungsbildung wurden diese Leitlinien vom Universitätskollegium in den Jahren 2000–2002 erarbeitet und zuletzt im Sommersemester 2010 vom Rektorat aktualisiert. Sie dienen der zukunftsorientierten Selbstdefinition der Universität Mozarteum Salzburg.

Die Leitlinien sollen

• über grundlegende Zielsetzungen der Universität Auskunft geben,

• zur Identifikation der Studierenden, Lehrenden und der Allgemeinen Universitätsbediensteten mit der Universität Mozarteum Salzburg beitragen und

• den Handlungsbedarf möglichst klar definieren.

Die Umsetzung liegt in der Verantwortung aller Mitglieder der Universität Mozarteum Salzburg. Der Universitätsleitung obliegt es, geeignete Maßnahmen zur Umsetzung zu fördern bzw. einzufordern, diese regelmäßig zu evaluieren und sich gegebenenfalls eine Weiterentwicklung der Leitlinien zur Aufgabe zu machen.

Geschichte und gegenwärtige Situation

• Die historischen Wurzeln der Universität Mozarteum Salzburg liegen im 19. Jahrhundert. Bestrebungen, die bürgerliche Musikkultur Salzburgs zu beleben und Wolfgang Amadeus Mozart ein bleibendes Andenken zu sichern, führten 1841 zur Gründung der Musikschule Mozarteum als Teil des Salzburger Dommusikvereines. 1881 wurde die Musikschule von der Internationalen Mozarteumstiftung (heute: Stiftung Mozarteum Salzburg) übernommen. Die wechselvolle Geschichte brachte den Wandel vom Konservatorium (1914, ab 1922 verstaatlicht) zum Reichskonservatorium (1939), zur Akademie (1953) und zur Hochschule (1970) mit sich. 1998 erlangte das Mozarteum den Rang einer Universität der Künste. Sie trägt seither den Namen Universität Mozarteum Salzburg. (Vgl. Karl Wagner, Das Mozarteum. Geschichte und Entwicklung einer kulturellen Institution, Innsbruck, Helbling 1993).

• Die Universität Mozarteum Salzburg nimmt heute als künstlerisches, pädagogisches und wissenschaftliches Zentrum gleichermaßen regionale und internationale Aufgaben wahr. Diese verteilen sich auf den unterschiedlichen künstlerischen Sparten und pädagogisch / wissenschaftlichen Aufgabenstellungen gewidmeten Abteilungen (12) und Instituten (7), wobei sich 11 Abteilungen in Salzburg und eine in Innsbruck befinden (vgl. Organisationsplan, S. 135). In Salzburg hat die Universität Mozarteum Salzburg derzeit acht Standorte und in Innsbruck einen.

• An der Universität Mozarteum Salzburg sind in Salzburg bzw. Innsbruck Studienangebote in den Bereichen Musik, Darstellende und Bildende Kunst eingerichtet. Weiters werden Vorbereitungslehrgänge, postgraduierte und berufsbegleitende Universitätslehrgänge bzw. Workshops sowie im Sommer Meisterkurse der Internationalen Sommerakademie und Sommerkurse am Orff-Institut angeboten.

Selbstverständnis

• Die Kunstuniversität Mozarteum Salzburg versteht sich als künstlerische, pädagogische und wissenschaftliche Ausbildungs- und Forschungsstätte sowie als Ort der Begegnung von KünstlerInnen und Ideen (Konzepten):

• Sie sieht es als ihre Aufgabe, zur Entstehung und Interpretation, Reflexion und Vermittlung von Kunst und künstlerischer Praxis wesentliche Beiträge zu leisten.

• Ihr internationaler Ruf, besonders als Zentrum der künstlerischen und wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit der Musik Mozarts, bedeutet eine permanente Herausforderung.

• Sie gestaltet die Kunst- und Bildungslandschaft vor dem Hintergrund internationaler Entwicklungen (u.a. Bologna Process) aktiv mit.

• Der Status als Universität der Künste verpflichtet zum steten Dialog zwischen Kunstausübung, Lehre und Forschung.

• Zentrales Anliegen ist die optimale, möglichst individuelle Förderung ihrer Studierenden.

Ethische Grundsätze

• Universitäre Lehre und Forschung schließt Menschen unterschiedlicher Weltanschauungen, Interessen und Zielsetzungen ein; daraus ergibt sich die Notwendigkeit einer ausgeprägten Kultur des Gesprächs und der Lösung von Konflikten. Der Umgang der Universitätsangehörigen untereinander ist von den Maximen der Offenheit, der Toleranz und des Respekts vor der Unterschiedlichkeit von Personen, inhaltlichen Positionen und institutionellen Zugehörigkeiten geprägt.

• Demokratische Mitbestimmung und transparente Entscheidungsfindung bilden die Grundlage des Zusammenwirkens von Studierenden, Lehrenden und Verwaltenden.

• Die universitäre Gemeinschaft basiert auf der Eigenverantwortlichkeit ihrer Mitglieder. Aufgeschlossenheit, Qualitätsbewusstsein und Leistungswille sind unverzichtbare Faktoren einer konstruktiven und erfolgreichen Zusammenarbeit.

• Die Universität Mozarteum Salzburg bekennt sich nachdrücklich zu den Antidiskriminierungs- und Gleichbehandlungsgrundsätzen.

Interne Kommunikation

• Interne Kommunikation wird kontinuierlich gefördert.

• Über die Gestaltung der Entscheidungsprozesse sowie die Entscheidungen selbst werden die Mitglieder der Universität Mozarteum Salzburg bestmöglich informiert. Gleichzeitig verpflichten sich die Universitätsangehörigen, die internen Informationsquellen zu nützen.

Räumlichkeiten

• Die Raumressourcen werden unter Berücksichtigung künstlerischer, organisatorischer und wirtschaftlicher Gesichtspunkte zur Verfügung gestellt und verantwortungsvoll genützt.

Bildungsauftrag und Lehre

• Die Universität Mozarteum Salzburg sieht in der künstlerischen Arbeit und Ausbildung Grundrechte des Menschen und bekennt sich nachdrücklich zum Verfassungsgrundsatz der Freiheit von Kunst, Lehre und Forschung.

• Die Universität Mozarteum Salzburg übernimmt Verantwortung für eine Ausbildung von internationalem Rang im Sinne des Bologna Process.

• Sie bekennt sich zur praxisorientierten Ausbildung im Hinblick auf Berufschancen im Kultur- und Bildungsbereich. Bei der Ausrichtung ihres Lehrangebotes wird die Notwendigkeit künstlerisch-wissenschaftlicher Freiräume berücksichtigt.

• Die Universität Mozarteum Salzburg sieht es als ihre Aufgabe, über die Vermittlung technischer Kenntnisse und künstlerischer Fertigkeiten hinaus, eigenständige, engagierte und reflektierende Mitglieder der Gesellschaft heranzubilden, die in der Lage sind, verantwortungsvoll zu arbeiten und auch Schlüsselfunktionen im Kunst- und Bildungsbereich zu übernehmen.

• Interdisziplinäre Zusammenarbeit kennzeichnet die Universität Mozarteum Salzburg als einen Ort innovativer künstlerischer, wissenschaftlicher und pädagogischer Auseinandersetzung.

• Zur Förderung hochbegabter Kinder und Jugendlicher werden Vorbereitungslehrgänge angeboten, die auf das Universitätsstudium hinführen.

• Für berufsbegleitendes Lernen und „Lifelong Learning (LLL)“ bestehen spezielle Studienangebote.

• Die Universität Mozarteum Salzburg fördert die Auseinandersetzung der Lehrenden mit aktuellen Fragen der Hochschuldidaktik.

Entwicklung und Erschließung der Künste

Die Entwicklung und Erschließung der Künste beinhaltet:

• das Schaffen, das interpretatorische Erarbeiten und Aufführen bzw. Ausstellen von Kunstwerken,

• die theoretische und praktische Auseinandersetzung mit künstlerischen Prozessen einschließlich der Aufführungs- und Ausstellungspraxis,

• die umfassende kritische Reflexion von Kunstwerken in ihrem jeweiligen (sozio)kulturellen Kontext,

• die pädagogische Aufbereitung und Vermittlung von Kunst.

Forschung

• Die Zusammenarbeit von Kunstschaffenden, WissenschaftlerInnen und PädagogInnen eröffnet spezifische Perspektiven kunstuniversitärer Forschung und wird an der Universität Mozarteum Salzburg gefördert.

• Besonderes Augenmerk gilt der Durchführung von Kooperationsprojekten mit in- und ausländischen Institutionen.

Interne Organisation und Fortbildung

• Die Universität Mozarteum Salzburg verpflichtet sich zu einer Aufgabenverteilung mit klar definierten Zuständigkeiten.

• Die Universität Mozarteum Salzburg strebt eine effiziente Organisation an, deren strategische Planung unter Mitgestaltung von entscheidungsbefugten internen Kollegialorganen erfolgt.

• Die Universität Mozarteum Salzburg unterstützt Fortbildungsmaßnahmen für alle universitären Gruppen.

Universitätsmanagement und Universitätsadministration

• Das Universitätsmanagement und die Universitätsadministration arbeiten nach Managementprinzipien, die einer Kunstuniversität angemessen sind.

• Sie handeln auf Basis einer umfassenden Entwicklungsplanung, klarer Zielvereinbarungen, Leistungsvorgaben und nach Gesichtspunkten der Effizienz und Ökonomie unter Wahrung der Besonderheiten einer Kunstuniversität.

Außenbeziehungen / Alumni

• Die Universität Mozarteum Salzburg bezieht kultur- und bildungspolitisch Stellung.

• Sie informiert die Öffentlichkeit über ihre Vorhaben, Aktivitäten und Leistungen.

• Sie beteiligt sich initiativ an internationalen Programmen zum Austausch von Studierenden und Lehrenden.

• Die Universität Mozarteum Salzburg pflegt Kontakte zu Absolventinnen und Absolventen („Alumni“).

• Sie übernimmt vermittelnde Funktionen zwischen unterschiedlichen Bildungseinrichtungen.

I.2 BERICHT DES REKTORATS

a) Universitätsentwicklung

Neues Rektorat
Das neue Rektorat hat seine Arbeit mit 1. Oktober 2010 aufgenommen. Mag. Brigitte Hütter führt das neu strukturierte Vizerektorat für Ressourcen, in dem insbesondere die Agenden der Bereiche Finanzen, Personal, Gebäudemanagement und Informationstechnologie zusammengefasst sind. Dr. Wolfgang Gratzer übernimmt das neu geschaffene Vizerektorat für Entwicklung und Forschung u.a. mit dem Ziel, die Evaluierungsbemühungen und außercurriculare Studienangebote zu verstärken. Zu seinem Aufgabenbereich gehören auch der Bologna Process, die wissenschaftliche Forschung, die Bibliothek, Archiv und Dokumentation. Rektor Reinhart von Gutzeit, Vizerektorin Brigitte Engelhard und Vizerektor Lukas Hagen führen ihre bisherigen Aufgaben im Wesentlichen unverändert weiter (vgl. Organigramm in Kap. VI.2).

Neuer Organisationsplan
Der vom Rektorat vorgelegte Organisationsplan regelt die Einzelheiten und die Zuordnung der Verwaltungseinheiten zu den Rektoratsbereichen. Er wurde nach Beratung im Senat im November 2010 vom Universitätsrat ebenso verabschiedet wie eine neue Geschäftsordnung des Rektorats.

Überarbeitung der Leitlinien
Die auf Grundlage einer breiten Meinungsbildung 2000–2002 erarbeiteten Leitlinien der Universität Mozarteum Salzburg wurden zu Beginn der neuen Rektoratsperiode in aktualisierter Form (z.B. ergänzt um Verweise auf den Bologna Process) veröffentlicht (vgl. Kap. I.1).

Neue Berufungen
Fünf neu berufene UniversitätsprofessorInnen haben im Berichtszeitraum ihre Lehrtätigkeit aufgenommen: Henrik Ahr (Bühnengestaltung und zugleich Leitung der Abteilung 8), Reinhard Goebel (Barockvioline), Andreas Hofmeir (Tuba), Andreas Macco (Gesang) und Stephen Fitzpatrick (Harfe). Darüber hinaus wurden Berufungsverfahren in den Fächern Schauspiel, Barockvioline und Barockviola, Cembalo und Generalbass/Ensembleleitung, Gambe, sowie Elementare Musik- und Tanzpädagogik durchgeführt, die neu berufenen ProfessorInnen nehmen ihre Tätigkeit mit Beginn des Studienjahrs 2011/12 auf.

Neue Abteilungs- und Institutsleitungen
Nach dem Rücktritt von Univ.Prof. Dr. Armin Langer war das Amt des Leiters der Abteilung Musikpädagogik Innsbruck neu zu besetzen. Auf Vorschlag der Innsbrucker ProfessorInnenschaft bestellte das Rektorat Univ.Prof. Kurt Hüttinger zu seinem Nachfolger. Auch die Abteilung Bildende Künste, Kunst- und Werkpädagogik erhielt mit Univ.Prof. Dieter Kleinpeter einen neuen Leiter als Nachfolger von Univ.Prof. Franz Billmayer. Durch die Emeritierung von Univ.Prof. Michael-Werner Hornig wurde die Leitung der Abteilung Gesang vakant. Das Rektorat bestellte Univ.Prof. Elisabeth Wilke zur neuen Leiterin (ab WS 2011/12). Ao.Univ.Prof. Dr. Joachim Brügge übernahm die Leitung des Instituts für Musikalische Rezeptions- und Interpretationsgeschichte, Univ.Prof. Wolfgang Redik die Leitung des neugegründeten Sándor Végh Instituts für Kammermusik.

Revision
Universitätsrat und Rektorat einigten sich darauf, die Revision als unabhängige und objektive Prüfungs- und Beratungstätigkeit durch ein externes Wirtschaftsprüfungsunternehmen zu implementieren. Basierend auf neu geschaffenen Revisionsrichtlinien kam es im Studienjahr 2010/11 zu einer systematischen Analyse und daraus resultierenden Empfehlungen an die Universitätsleitung in den beiden Bereichen „Beschaffungswesen“ und „Korrepetition“.

Einrichtung eines Vertrauensrates
Die Paris Lodron-Universität Salzburg und die Universität Mozarteum Salzburg haben sich darauf verständigt, eine gemeinsame Richtlinie „Schutz vor Diskriminierung aufgrund des Geschlechts“ zu erlassen. Die Richtlinie wurde in einem intensiven Arbeitsprozess unter wesentlicher Beteiligung der Arbeitskreise für Gleich- behandlungsfragen erstellt und im Mai 2011 verabschiedet. Beide Universitäten einigten sich auf einen gemeinsamen Vertrauensrat, der im Anlassfall als Ansprechpartner zur Verfügung steht und das jeweilige Rektorat beraten wird. Dem Vertrauensrat gehören Dr. Gertraud Meusburger, Dr. Regina Pauls und O. Univ.Prof. Dr. Kurt Schmoller als Vorsitzender an.

Bibliothek
Die Universitätsbibliothek (vgl. Kap. II.13) wurde im SS 2011 zweifach evaluiert: Einerseits fand eine BenutzerInnen-Umfrage statt, deren Ergebnisse hohe Zufriedenheit mit den angebotenen Service-Leistungen und punktuell Optimierungsvorschläge (z.B. erweiterte Öffnungszeiten) anzeigte. Gleichzeitig wurden Vorkehrungen für die für November 2011 geplante externe Evaluierung durch den renommierten Arbeitskreis der Kunst- und Museumsbibliotheken (AKMB, Berlin) getroffen.

Dokumentation
Im Studienjahr 2010/11 wurde der Aufbau eines Universitätsarchivs vorbereitet.

Während des SS 2011 kam es zur Konzeption und erstmaligen Realisierung eines „Almanachs der Universität Mozarteum Salzburg“.

b) Kunst / Lehre / Forschung

Studierende
Die Universität Mozarteum Salzburg gilt in der Wahl des Studienortes als gleichermaßen attraktiv sowohl für inländische als auch für ausländische Staatsangehörige. Die Zahl der Bewerbungen um einen Studienplatz lag im Studienjahr 2010/11 bei 1039 Personen. Dies bedeutet eine erfreuliche Steigerung zum Vorjahr (978).

354 Studierende konnten nach bestandener Zulassungsprüfung aufgenommen werden.

Die Gesamtzahl an Studierenden lag im Studienjahr 2010/11 bei 1697 Personen. Der Anteil weiblicher Studierender betrug 63,9 %. 743 inländische, 625 Personen aus dem weiteren EU-Raum und 329 Personen aus anderen Staaten hatten ihren Studienplatz an unserem Haus.

Den 354 neu zugelassenen Studierenden stehen 330 erfolgreiche Studienabschlüsse gegenüber.

Zum ersten Mal bot die Universität Mozarteum Salzburg im Februar 2011 eine Aufnahmeprüfung in den Sparten Klavier und Violine in China an. Für jedes Instrument reisten drei ProfessorInnen an das China Conservatory (Peking), um die Prüfungen abzuhalten. In der Vorarbeit wurden sie von einer Juniorprofessorin unseres Hauses unterstützt.

30 KandidatInnen bewarben sich in beiden Sparten. Bemerkenswerterweise repräsentierten die jüngsten Bewerber das qualitativ höchste Niveau. Die Kommission entschied sich für die Aufnahme von zwei jungen Pianisten (12 und 13 Jahre alt) mit außergewöhnlichen Begabungen. Studienplätze an der Universität Mozarteum Salzburg erhielten zudem zwei hochbegabte Violinisten in der gleichen Altersgruppe und eine Absolventin des China Conservatory.

Die aktive Studierendenbewerbung ist als erfolgreich anzusehen; ohne die Durchführung der Aufnahmeprüfung vor Ort hätten diese Hochbegabten schwerlich den Weg an unsere Universität gefunden.

Curricula
Um eine wirkungsvolle Entwicklung im Studienangebot realisieren zu können, gab es eine Reihe von gezielt eingerichteten Arbeitsgruppen innerhalb der Curricularkommissionen und auch in einzelnen Fachabteilungen. So ist die Planung für ein künstlerisches Doktoratsstudium weit fortgeschritten; sie bildet mit den bereits in den Curricula eingerichteten künstlerischen Masterarbeiten ausbaufähige Anknüpfungspunkte und Perspektiven.

Im Hinblick auf neue und spezielle berufliche Anforderungen wurden folgende Studiengänge entwickelt bzw. neu eingerichtet:

– Masterstudium Barockvioline / -viola / -cello

– Masterstudium Viola da Gamba/Violone

– Masterstudium Klavier

– Masterstudium Klavier Solistenausbildung

– Masterstudium Klavierkammermusik und Liedgestaltung

– Masterstudium Korrepetition für Musiktheater

– Masterstudium Hammerklavier

Weiters wurden 2010 die kostenpflichtigen Universitätslehrgänge Kinder- und Jugendchorleitung sowie Neue Medien in der Musikpädagogik eingerichtet.

Besondere Studienangebote
In der Pilotphase der – für Studierende und Alumni konzipierten, außercurricularen, kostenpflichtigen – Besonderen Studienangebote (SS 2011) wurden sechs Kurse bzw. Workshops angeboten (u.a. „Yoga für MusikerInnen“ / Brigitte Jakob und „Lampenfieber und Auftrittscoaching“ / Christian Frauscher). Sämtliche Kurse wurden von den TeilnehmerInnen evaluiert. Die Ergebnisse flossen in die inhaltliche und organisatorische Weiterentwicklung der Besonderen Studienangebote ein.

Evaluierung der Lehre
Im WS 2010 wurden alle bisherigen Maßnahmen zur Evaluierung (2008–2010) einer kritischen Analyse unterzogen und das bisherige Methodenkonzept (Gratzer 2007) modifiziert. Seither werden im Falle der Evaluierung von Abteilungen sog. Evaluierungszirkel eingerichtet. Diese bestehen aus der Vizerektorin für Lehre / der jeweiligen Abteilungsleitung / dem zuständigen Studienrichtungskoordinator / einem Vertreter bzw. einer Vertreterin der Alumni / einem externen Mitglied). Dieser Gruppe wurde die Aufgabe zugedacht, nach Gesprächen mit den Lehrenden gegenüber dem Rektorat – bei Bedarf – Konsequenzen vorzuschlagen.

Schwerpunkt der Evaluierung im SS 2011 waren durch Beschluss des Rektorats die Abteilungen für Tasteninstrumente bzw. für Streich- und Zupfinstrumente (16.–27. Mai 2011). Im Vorfeld wurden die Rohfassungen der Fragebögen – in direkter Zusammenarbeit mit den Abteilungen – inhaltlich adaptiert und sprachlich weiter vereinfacht. Die Evaluierungsbögen standen in Deutsch, Englisch und Spanisch zur Verfügung (zudem Tutorien in Koreanisch und Japanisch). Während des SS 2011 wurden zudem im Falle von Anträgen auf Entfristung von Zeitverträgen personenbezogene Evaluierungen durchgeführt und die Evaluierungsmaßnahmen des Folgesemesters vorbereitet.

Bologna Process
Vonseiten des Rektorats wurde für die Teilnahme der Universität Mozarteum Salzburg an verschiedenen Veranstaltungen des Bologna Process Sorge getragen. Im März 2011 konnte auf der Homepage der Universität eine eigene site zu Fragen und Terminen des Bologna Process freigeschalten werden.

Während des SS 2011 entstanden ein Qualitätshandbuch Studium sowie ein Qualitätshandbuch Lehre, um rasche Orientierung im Universitätsleben zu gewährleisten. So werden dort häufig wiederkehrende Fragen von neuen Mitgliedern der Universität kompakt beantwortet und Ansprechpersonen genannt.

Veranstaltungen
Die Universität Mozarteum blickte am Ende des Studienjahres 2010/11 auf insgesamt 703 Veranstaltungen vielfältigster Art – Konzerte, Opernabende, Schauspielproduktionen, Vernissagen, Symposien und Gastvorträge – zurück und nahm damit die Rolle eines großen, „vollwertigen Kulturbetriebs“ (Salzburger Nachrichten) in der Stadt Salzburg ein. Diese mediale Wahrnehmung spiegelte sich sehr erfreulich auch im großen Publikumszuspruch wider. Die Vielzahl der Veranstaltungen ist beachtenswert, vor allem, wenn man bedenkt, dass sich das Studienjahr ohne lehrveranstaltungsfreie Zeiten auf einen Zeitraum von ca. acht Monaten erstreckt.

Die Veranstaltungen sind in erster Linie als Bestandteil der künstlerischen Lehre zu sehen; sie stellen ein entscheidendes Erfahrungsfeld für die Studierenden dar, aber sie bedeuten auch eine sehr positiv wahrgenommene Öffnung der Universität nach außen (vgl. Kap. II).

Internationaler Mozartwettbewerb
Nach einer Pause von fünf Jahren und einer umfassenden konzeptionellen Neuorientierung veranstaltete die Universität Mozarteum Salzburg den 10. Internationalen Mozartwettbewerb mit insgesamt 180 Teilnehmern in den Sparten Violine und Klavier.

Den ersten Preisträgern beider Sparten eröffnete sich die Chance einer großen Deutschland-Tournee mit der Klassischen Philharmonie Bonn (vgl. Kap. II.2).

Universitätsorchester / Musikalische Akademien / Masterclasses / Mozarteum Hausmusik
Insgesamt wurden im Studienjahr 2010/11 drei Sinfoniekonzerte, sechs Musikalische Akademien sowie 14 Masterclasses konzipiert und durchgeführt (vgl. Kap. II.3).

Mit Trevor Pinnock traf Ende Oktober 2010 ein renommierter Gastdirigent auf das Sinfonieorchester der Universität Mozarteum Salzburg, der den Studierenden entscheidende neue Akzente im Bereich der Phrasierung vermitteln konnte. Das 2. Sinfoniekonzert im Studienjahr stand im Jänner 2011 im Zeichen der traditionellen Mitwirkung bei der renommierten Mozartwoche (Stiftung Mozarteum). Im Sommersemester war das Orchester zunächst als Partner der Salzburg Biennale gefragt, bevor es im Juni 2011 den von der Musiktheaterabteilung produzierten Operneinakter „The Bear“ musikalisch gestaltete.

In den sechs Musikalischen Akademien stand jeweils die gemeinsame Erarbeitung wichtiger Kammermusikliteratur durch die Lehrenden und Studierenden im Mittelpunkt. Unter ganz unterschiedlichen Themensetzungen erarbeiteten die jeweiligen Projektleiter (allesamt Professoren an der Universität) mit ihren Studierenden Konzertabende.

Bei den Masterclasses gehört das Podium des Solitärs ausschließlich den (fortgeschrittenen) Studierenden des Hauses. In den jeweils gut einstündigen Konzerten reicht die thematische Vielfalt der musikalischen Darbietungen vom Harfensolo, Duetten bis hin zu barocker Ensemblemusik sowie zur Klaviersonate.

Darüber hinaus veranstaltete die Universität wieder in der Adventszeit eine Mozarteum Hausmusik, in der Lehrende und Studierende des Mozarteums viel Freude am Blattlesen entwickelten.

50 Jahre Orff-Institut
Ein Jahr nach der Integration der ehemaligen „Abteilung 12“ als „Carl Orff Institut für Elementare Musik- und Tanzpädagogik“ in die Abteilung für Musikpädagogik Salzburg wurde das Jubiläum „50 Jahre Orff-Institut“ mit einem internationalen Symposion, einer großen Ausstellung und einer umfangreichen Dokumentation begangen. Das Symposion besuchten ca. 600 TeilnehmerInnen aus aller Welt (vgl. Kap. II.1 / II.8).

Wissenschaftliche Forschung