Henriette Klier

Rund um Meran

Passeiertal – Texelgruppe – Ultental

Schloss Tirol vor der Mutspitze
Schloss Tirol vor der Mutspitze. Bildautor: Peter Haslwanter

Vorwort

Das Gebiet dieses Wanderführers »Rund um Meran« umfasst die Stadt Meran, das Burggrafenamt im Süden, das Passeiertal mit seinen Nebentälern im Norden, den südlichsten Teil des Vinschgau, die Texelgruppe, das Ultental und die Hochfläche von Hafling.
Meran mit Schloss Tirol war einst Herrschaftssitz der Grafen von Tirol, mehrere Jahrhunderte lang die mächtigen Herrscher in einem politisch bedeutenden Land in Mitteleuropa. Hier war das Zentrum von Handel, Verkehr, Kultur, Kunst. Davon zeugen bis heute stolze Burgen, Schlösser, prächtige Kirchen und Klöster. Große Bedeutung erhielt das Land auch durch seinen Silberbergbau am Schneeberg und den Salzhandel.
Heute erschließen gut ausgebaute und bestens beschilderte Tal- und Wiesenwege, Waldsteige, Hüttenanstiege und Pfade bis in die Gipfelregionen jedem Besucher seine Wunschziele. Besonders beliebt sind dabei die Höhenwege, die etwa 500 Meter über dem Tal die meist steilen Wiesenhänge queren und bald durch Bergwald, an entlegenen Berghöfen vorbei, bis an den Fuß steiler Gipfel heranführen. Entlang dieser Höhenwege gibt es überall Unterkunft und Verpflegung. Der beliebteste der Höhenwege ist der Meraner Höhenweg, der mit seinen 80 Kilometer Länge die Texelgruppe umrundet. Dort bewegt man sich stets auf einer Höhe von 1500 bis 1700 Meter Höhe, der Pfad steigt nur beim Überqueren des Eisjöchls auf eine Höhe von 3000 Meter an.
Eine Besonderheit der Region bilden die Waalwege. Das Wort Waal leitet sich vom Begriff »aquale« her. Alle Orte rund um Meran sind mit Waalwegen wohl versorgt, denn überall ist Bewässerung den ganzen heißen Sommer über nötig. Die Waalwege führen meist am Oberrand der Wiesen dahin, Wanderer können ihnen kilometerweit und relativ mühelos folgen. Der Bau der ältesten Waalwege reicht viele Jahrhunderte zurück. Sowohl Kanäle als auch die an ihnen entlangführenden Wege waren lange verfallen, da moderne Beregnungsanlagen diese traditionelle Art der Bewässerung überflüssig machte. Inzwischen wurden sie in ihrem ehemaligen Zustand wieder hergestellt. Sie zählen zu den beliebtesten Routen für gemütlichere Ausflüge. Rund um den Meraner Talkessel wurden die Waale zu einer weitläufigen Runde verbunden. Seilbahnen bringen mühelos in größere Höhen, einige davon wurden neu erbaut: die große Bahn nach Meran 2000, die Texelbahn und die Seilbahn nach Unterstell. Alle Bergbahnen erfreuen sich großer Beliebtheit.
Und überall, ob in den nobleren Herbergen im Tal oder auf entlegenen Almen und Hütten, hat sich das erhalten, was heutzutage so begehrt und geschätzt wird: die Herzlichkeit und die Gastlichkeit der Südtiroler.

Innsbruck, im Herbst 2016
Henriette Klier

Wandergebiete und Ausflugsziele

Timmelsjoch und Jaufen

Der Jaufenpass und das Timmelsjoch vermitteln die kürzesten Nord-Süd-Verbindungen in die Wanderregion rund um Meran. Während der von Sterzing/Brenner her kommende Jaufen – wie er kurz genannt wird – ganzjährig geöffnet ist, ist das Timmelsjoch zwischen dem Tiroler Ötztal und dem Passeiertal nur im Sommer zu befahren.
Timmelsjoch, 2509 m, Mautstraße, in den Sommermonaten tgl. 7–20 Uhr geöffnet, Wintersperre ca. Okt.–Mai, Nachtfahrverbot, keine Kfz über 8 t, Info: http://www.timmelsjoch-hochalpenstrasse.at
Das Timmelsjoch bildet die kürzeste Verbindung von Nordtirol nach Südtirol, es erschließt die schönsten Gebiete der beiden Landesteile. Schon in vorgeschichtlicher Zeit diente es als Übergang, später als wichtiger Handelsweg u. a. für die Kaufmannsgeschlechter der Fugger und Welser. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde mit dem Ausbau der Straße begonnen. Während der Nordteil so gut wie fertig ist, wird an der Fertigstellung des Südteiles noch gearbeitet. Hier verläuft die Straße auf schmaler, gefährlicherer Trasse. Vom Ötztal in Nordtirol und von St. Leonhard in Passeier her besteht im Sommer Busverbindung. Mit dem Wanderbus von St. Leonhard herauf können fast alle Ausgangspunkte für Wanderungen mit dem Bus erreicht werden.
Schneeberg, 2355 m, Schutzhütte und Erlebnisbergwerk, renoviertes großes und bequemes Unterkunftshaus (100 Betten), von der Timmelsjochstraße in 2–2.30 Std., von Maiern im Ridnaun in 4 Std. erreichbar, bew. 15. Juni bis 15.Okt, +39/0473/647045. Hier befindet sich das höchstgelegene Bergwerk der Alpen, einst eines der bedeutendsten Blei- und Zinkbergwerke Tirols. Seit vorgeschichtlicher Zeit wurden hier Erze exploriert und gefördert, um 1500 arbeiteten hier oben über 1000 Knappen in ca. 70 Stollen auf 130 km. Seit 1871 auch Abbau von Zinkblende, in den 1960er-Jahren wurde der Bergbau eingestellt. Heute dient es als Museumsbergwerk mit neu angelegtem Erlebnipfad in drei Abschnitten: unterer 75 Min., mittlerer 80 Min., oberer 45 Min., 34 Infopunkte mit Schautafeln; Bergbaumuseum, Schauraum neben der Hütte: seltene Mineralien, altes Werkzeug. Kirchlein Maria Schnee, darunter die alte Knappensiedlung; Führungen: zweistündig Dienstag bis Sonntag 13 Uhr sowie ganztägig sonntags nach Voranmeldung Info: http://www.schneeberg.org
Jaufenpass, 2099 m, viel befahrener Alpenpass, ganzjährig geöffnet, Winter 8–18 Uhr, außer bei starken Schneefällen, Info: www.jaufenpass.eu. Der Jaufen war bis ins 14. Jh. der meistbenutzte Jochübergang von Süden nach Nordtirol. Vom Pass führen aussichtsreiche Wanderwege auf den Jaufenkamm, beliebtes Ausflugsziel mit schönem Blick auf die Stubaier Berge und die Ötztaler Eisriesen. Einkehrmöglichkeiten zu beiden Seiten des Passes an der Straße, Busverbindung mit St. Leonhard in Passeier.
Wans im Wanser Tal, 1430 m. Südlich unter dem Jaufenpass zieht sich das Wanser Tal hinaus nach St. Leonhard im Passeiertal. Wans, eine Häusergruppe im innersten Tal in unverbauter Wiesenlandschaft, ist ein beliebtes Ausflugsziel. Sehenswert die Kirche St. Johann mit Statuen der hl. Notburga, der einzigen Tiroler Heiligen, und des liegenden hl. Nepomuk. Letztere wird bei einer Prozession im Juni auf einer Bahre mitgetragen und bei einer Station während des Evangeliums symbolisch auf einer Schotterbank im Wanser Bach niedergelegt. Dieser jetzt christliche Brauch basiert auf der vorchristlichen Vorstellung, dass das Eintauchen des Götterbildes in den Fluss Schutz vor Hochwasser garantiere. Die Prozession zeigt eine seltene Harmonie von Mensch, Landschaft und Volksglaube.

Prozession
Prozession

Passeiertal

Im Passeiertal gab es bis ins 20. Jahrhundert eine hauptsächlich bergbäuerlich geprägte Kultur, die in dieser kargen Natur mit den steilen Talhängen nur durch intensive und einfallsreiche Bearbeitung überleben konnte. Die Hauptorte des Passeier sind in Nord-Süd-Richtung: Moos, Pfelders, St. Leonhard, St. Martin und Riffian-Kuens.
Moos in Passeier, 1007 m, 27 km von Meran. Von hier Straßen nach Platt und Ulfas sowie in das Pfelderer Tal. Ausgangspunkte für Bergwanderungen sind mit dem Wanderbus erreichbar (im Sommer, vorherige Anmeldung im Tourismusbüro erforderlich). Am Oberrand des Ortes gibt es ein neues Museum, das Bunker Mooseum (Zeitgeschichte, Urgeschichte, dazu begehbare Aussichtsplattform). Ein Steinbockgehege wurde oberhalb von Moos eingerichtet. Neu angelegte Klettergärten mit verschiedensten Schwierigkeitsgraden in der Umgebung.
Pfelders, 1628 m, in einer kleinen Talweitung inmitten von Bergwiesen am Meraner Höhenweg, überragt von zwei der höchsten Ötztaler Berge: Hinterer Seelenkogel, 3472 m, und Hochwilde, 3400 m; darunter die vielbesuchten Tourenstützpunkte Stettiner Hütte, 2875 m, und Zwickauer Hütte, 2979 m. Gute Busverbindungen von Moos, St. Leonhard und Meran. Autofreier Ort, neuer Parkplatz am Ortseingang mit Schranken; unterhalb liegt die Talstation der modernen Gondelbahn zur Grünbodenhütte, 2000 m (Betriebszeiten beachten, Info: http://www.pfelders.info)
Stuls, 1315 m, von Moos in Passeier über die Straße erreichbar. Sonnenterrasse mit mehreren kleinen Orten 400 Höhenmeter über dem Tal. Seit frühester Zeit ist diese sonnenbegünstigte und durch seine Hochlage schutzbietende Terrasse Siedlungsgebiet, wie Funde aus vorgeschichtlicher Zeit zeigen. Unterhalb von Stuls der Stulser Wasserfall, wo der von den Stulser Wiesen kommende Bach in zwei Kaskaden 112 m und dann 230 m in die Tiefe stürzt; von Breiteben oder der Timmelsjochstraße aus zu sehen, besser auf einem Steig von der Stulser Straße aus erreichbar.
Glaiten, 1200 m, Weiler auf der Hochebene hoch über St. Leonhard. Hier die Kirche St. Hippolyt, ursprünglich ein altes Heiligtum, das weit in vorchristliche Zeit zurückreicht. Die heutige Kirche aus dem 14. Jh. steht auf einem aussichtsreichen Punkt, von dem aus man das ganze Tal überblickt, sie besitzt im Inneren sehenswerte Fresken, ist aber leider geschlossen.
St. Leonhard in Passeier, 689 m, Hauptort des Passeiertals, vielbesuchter Ferienort, 20 km von Meran an der Straßenverzweigung zum Timmelsjoch und zum Jaufenpass.
Sehenswürdigkeiten: Die renovierte Ruine Jaufenburg oberhalb des Ortes, einst Wohnsitz der einflussreichen Herren von Passeier; im Bergfried reich bebilderte Schautafeln zur Burg- und Talgeschichte in den fünf Stockwerken, Fresken von 1538 von Tilman Riemenschneider, Hörstation für Sagen, Ausblick mit Fernrohr (Mai–Mitte Okt. Di 10–12, Do 16–18, So 16–18 Uhr).
Unterhalb der Jaufenburg die Heilig-Kreuz-Kapelle aus dem 16. Jh.; Pfarrkirche zum Heiligen Leonhard mit schönen Wandgemälden; in der Umgebung von St. Leonhard findet man einige Schildhöfe, aus dem Mittelalter stammende burgartige Anwesen, deren Bewohner den durchreisenden deutschen Kaisern zu Diensten waren und dafür wichtige Privilegien genossen, von denen sich einige bis heute erhalten haben. Freizeitangebot: Vielfältige Möglichkeiten, wie z.B. Mountainbike-Routen bis Meran, geführte Natur-, Wild-, Alpin-, Höfewanderungen (Mai–Okt. dreimal wöchentlich), im Naturpark Texelgruppe mit Führer bzw. Bergführerbegleitung (Anmeldung in den Infobüros); Wanderungen und Bergtouren in der Umgebung, z.B. in das Pfistradtal, wo eine Kaser (= Alm) auf 1358 m in ihrer ehemaligen Bausubstanz wieder errichtet und in ein Almmuseum umgestaltet wurde, das zum »MuseumPasseier« gehört (s. Sandhof) – ein sehenswertes Ausflugsziel für die ganze Familie (1.30 Std.; bew. Mai–Okt.). Vielfältige Sporteinrichtungen in und um St. Leonhard, z.B. zwei Erlebnisbäder, Reiteinrichtungen (beim Sandhof s.u., Reitschule Hotel Stroblhof und Quellenhof), Golf (Golfclub Quellenhof) oder mehrere Klettergärten: Bergkristall an der Straße nach Pfelders beim Ghs. Bergkristall, hier auch ein interessanter Klettersteig zu den oberen Sektoren; Moos, 7,5 km von St. Leonhard, für Liebhaber schwieriger Routen; Stuls: 11 km von St. Leonhard, familienfreundlicher Klettergarten, ganzjährig; Zoll, von St. Leonhard 4 km Richtung Moos, bei Gomion, schwierige überhängende Klettereien, nicht für Kinder; Kletterhallen in St. Leonhard und St. Martin (Mittelschule).
Sandhof, der Sandwirt, Gasthof an der Straße zwischen St. Martin und St. Leonhard. Hier informiert das »MuseumPasseier« über Andreas Hofer und den Aufstand von 1809, mit vielen originalen Ausstellungsstücken wie persönlichen Gegenständen aus dem Besitz Andreas Hofers sowie einer Filmdokumentation über den Volkshelden; im Stadel Sammlung zum Kennenlernen der Passeirer Volkskunst, im Freilichtbereich ein ausgestatteter typischer Passeirer Haufenhof, originale Gebäude aus dem 16.–19. Jh. Die Herz-Jesu-Kapelle und das Hl.-Grab-Kirchlein (geöffnet 18. März–2. Nov. 10–18 Uhr, Mo Ruhetag, außer im Aug./Sept., http://www.museum.passeier.it)
St. Martin in Passeier, 600 m. 16 km ab Meran an der westlichen Talseite der Passer. Schöner historischer Ortskern mit erkergeschmückten Häusern und einer Pfarrkirche aus dem 12. Jh. mit vier Barockaltären. Ausgangspunkt für zahlreiche ausgedehnte Wanderungen sowie leicht erreichbare Ziele in der näheren Umgebung: über Magdfeld zum Hof Naser, 1343 m (nach Magdfeld Wanderbus jeden Dienstag, Abfahrt von St. Leonhard um 9.15 Uhr), Wanderung in das romantische Fartleistal mit seiner Alm (1.30 Std.; bew. April–Okt).; Passeierer Wasserfall mit 48 m Fallhöhe am Eingang des Kalmtales (1 Std.).
Tourismuseinrichtungen wie Tennis- und Golfanlagen, Freischwimmbad, Kletterhalle, 100 km markierte Spazier- und Wanderwege in der Umgebung. In der Umgebung von St. Martin stehen sieben der alten Schildhöfe: Gereuth, Baumkirch, Kalm, Granstein, Haupold, besonders sehenswert der burgähnliche Schildhof Steinhaus und der zinnengeschmückte Schildhof Saltauser Hof an der Straße in Saltaus. Am Südende von St. Martin führt eine Straße, am Hang nach Osten hinauf Richtung Prantach; hier liegen verstreute Siedlungen, vom Ende der befahrbaren Straße Aufstieg zur Pfandler Alm, der letzten Zufluchtsstätte von Andreas Hofer, der die Tiroler in den Freiheitskämpfen 1809 gegen die Franzosen anführte.
Riffian – Kuens, 500 m, am Sonnenhang des Passeiertales. Beide Orte erfreuen sich eines milden Klimas, hier gedeihen Obstbäume und Weinreben. Heute beliebte Ferienorte mit gediegenen Ferienunterkünften. Oberhalb von Riffian die Wallfahrtskirche »Zu den sieben Schmerzen Mariens«, eine alte geschlossene Anlage; in der Friedhofskapelle sehenswerte Fresken aus dem frühen 15. Jh. Oberhalb der Orte wasserführende Waale, an denen man eben entlangwandern kann. Gutes Wanderwegenetz zu den Zielen in der Umgebung: Gfeis und Vernuer, das Spronser Tal, Dorf Tirol.
Saltaus, 490 m. An der Straße steht der ehemalige stattliche Schildhof, der älteste des Passeiertals aus dem 12. Jh., nach aufwendiger Renovierung heute Vier-Sterne-Hotel und Gastbetrieb »Saltauserhof«. Talstation der Hirzer-Seilbahn: Saltaus 490 m – Mittelstation Prenn 1404 m – Bergstation Klammeben 1980 m (s. auch Tour »Hirzer, 2781m«); sie erschließt ein großes Wandergebiet, von Almwanderungen bis zu anspruchsvolleren Bergtouren.

St.Hippolyt
Uralter Kultplatz mit dem Kirchlein St.Hippolyt über St. Leonhard, ein Aussichtsbalkon mit Blick ins Passeier.
Hof Lazins
Der Hof Lazins, eine beliebte Jausenstation bei Pfelders im Passeiertal. Bildautor: Peter Haslwanter