Fünf-Sterne-Mord

Ostfrieslandkrimi

Ele Wolff


ISBN: 978-3-95573-870-9
1. Auflage 2018, Bremen (Germany)
Klarant Verlag. © 2018 Klarant GmbH, 28355 Bremen, www.klarant.de

Titelbild: Unter Verwendung von shutterstock Bildern.

Sämtliche Figuren, Firmen und Ereignisse dieses Romans sind frei erfunden. Jede Ähnlichkeit mit echten Personen, lebend oder tot, ist rein zufällig und von der Autorin nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf - auch auszugsweise - nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.

Inhalt

Kapitel 1

 

Er spürte noch genau die Wärme der Hände an seinen Fußfesseln, die mit fester Umklammerung seine Beine hochhoben und ihn mit dem Kopf nach vorne kippen ließen.

Am Morgen war er fröhlich und unbeschwert aufgewacht. Franziska hatte sich wohlig in ihre Kissen vergraben und leise seinen Namen gemurmelt. Sorgfältig bereitete er den Kaffee zu und deckte den Frühstückstisch. Seine Frau war eine Langschläferin und nur der Duft des frischen Kaffees konnte sie aus dem Bett locken.

Sie hatten Pläne gemacht, während sie die frischen Croissants mit Butter bestrichen und aßen. Eine Reise in die Karibik, ein Kind, nein, besser noch zwei, damit sie eine Familie werden würden. Die Zeit dafür war gekommen. Die Hochzeit war zwei Jahre her. Kurz nach dem pompösen Ereignis waren sie im familieneigenen Strandhotel Hidden auf der Nordseeinsel Norderney in eine kleine Dachwohnung gezogen.

Wie immer war er auch an diesem Morgen über das hintere Treppenhaus hinunter in sein Büro gegangen. Seine Sekretärin Eske Visser hatte mit einem Lächeln auf seinen Schreibtisch gedeutet, um ihn auf die frisch gebrühte Tasse Tee, die dort auf ihn wartete, aufmerksam zu machen.

Die morgendliche Runde im Konferenzsaal ging ohne weitere Zwischenfälle über die Bühne, obwohl sein Vater seit seiner Operation von Tag zu Tag immer missmutiger wurde. Er hatte ihn beobachtet und verstohlen das graue Gesicht seines Vaters betrachtet. Frau Visser servierte Mineralwasser und Gebäck. Die üblichen Diskussionen und Einwände seitens der Mitarbeiter verliefen in ruhiger Atmosphäre.

Er blickte zum Fenster. Die Sprossen schienen plötzlich nicht mehr im rechten Winkel zu stehen. Ein paar Mal hatte er die Augen zusammengekniffen und sie abrupt wieder geöffnet. Seltsam schief das Ganze, hatte er sich gewundert.

»Ist alles in Ordnung?« Seine Sekretärin legte eine Hand auf seine Schulter und sah ihn besorgt an.

»Geht schon«, krächzte er und wunderte sich über seine Reibeisenstimme. »Mir ist nur ein wenig übel.«

Nur vage nahm er wahr, dass die Mitarbeiter, sein Vater und dessen Frau den Konferenzraum verließen. Sein Magen wölbte sich nach oben und etwas Magensäure gelangte in seinen Mund. Er sah sich kurz um, der Raum war leer, die Tür nur angelehnt. Durch tiefes Ein- und Ausatmen versuchte er, seine Übelkeit in den Griff zu bekommen. Vielleicht war das Abendessen, Shrimps mit Mayonnaise, an seiner Unpässlichkeit schuld?

Er riss das Fenster auf, beugte sich etwas nach vorne und sog die salzhaltige Luft in seine Lungen. Mehr, mehr … die Übelkeit wollte nicht weichen. Der Strand vor dem großen weißen Gebäude, in dem sich das Hotel und eine zum Hotel gehörende Wellnessoase befanden, war bunt und lebendig. Die Strandkörbe standen wie farbige Punkte im Sand der Insel, Menschen liefen laut rufend in die Brandung der Nordsee.

Plötzlich umklammerte etwas seine Fußfesseln, fest und unerbittlich. Sein Kopf rutschte weiter aus dem Fenster, dann ein Ruck und er befand sich im bodenlosen Fallfreien Fall. Ja, es stimmte, die Jahre seines Lebens, die letzten Monate, ja sogar die letzten Stunden zogen als unendliche schnelle Bildersequenz an ihm vorbei. Seine Ohren nahmen ein Rauschen wahr, ein paar Stimmen. Dann schlug er mit dem Kopf auf den mit Sandsteinen gepflasterten Vorplatz des Hotels auf.