Cover

Das Buch

Die Völker der Welt Roschar wurden von einer scheinbar unbesiegbaren Armee überrannt. Nichts scheint gegen die unheimlichen Bringer der Leere standzuhalten. Fürst Dalinar, Hauptmann Kaladin, die Adlige Schallan und der Orden der Strahlenden Ritter sammeln alle verfügbaren Kräfte, doch zunächst müssen sie das Rätsel der Turmfestung Urithiru lösen und die magische Kraft des Sturmlichts nutzbar machen. Die Zeit drängt …

Der Autor

Brandon Sanderson, 1975 in Nebraska geboren, schreibt seit seiner Schulzeit fantastische Geschichten. Er studierte Englische Literatur und unterrichtet Kreatives Schreiben. Seit seiner »Steelheart«-Trilogie und den epischen Sturmlicht-Chroniken ist der Autor auch in Deutschland einer der großen Stars der Fantasy. Brandon Sanderson lebt mit seiner Familie in Provo, Utah.

Alles über Brandon Sanderson und sein Werk auf:
www.brandon-sanderson.de

Von Brandon Sanderson sind im
Wilhelm Heyne Verlag erschienen:

Die Seele des Königs

DIE STEELHEART-REIHE

Steelheart

Fireflight

Calamity

Mitosis

DIE STURMLICHT-CHRONIKEN

Der Weg der Könige

Der Pfad der Winde

Die Worte des Lichts

Die Stürme des Zorns

Der Ruf der Klingen

Die Splitter der Macht

Der Rhythmus des Krieges

Der Turm der Lichter

Die Tänzerin am Abgrund

MAGIC™: THE GATHERING

Die Kinder des Namenlosen

Die Sturmlicht-Chroniken

ACHTER ROMAN

Aus dem Amerikanischen von
Michael Siefener

Die Originalausgabe ist unter dem Titel The Rhythm of War – Book Four of The Stormlight Archive (Part II) bei Tor/Tom Doherty Associates, LLC, New York, erschienen.


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Copyright © 2020 by Dragonsteel Entertainment, LLC

Copyright © 2021 der deutschsprachigen Ausgabe
by Wilhelm Heyne Verlag, München,
in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH,
Neumarkter Straße 28, 81673 München

Redaktion: Joern Rauser

Alle Illustrationen © Dragonsteel Entertainment, LLC, wenn nicht anders angegeben, Illustrationen vor Kapitel 18: Dan dos Santos

Illustrationen vor Teil eins und vor den Kapiteln 10, 33 und 35 sowie vor Zwischenspiel 1: Ben McSweeney

Illustrationen vor den Kapiteln 41 und 54: Kelley Harris

Karte von Roschar, Schwertglyphen, Kapitelanfangsbögen und die Illustrationen vor den Kapiteln 3 und 30: Isaac Stewart

Kapitelanfangsvignetten: Isaac Stewart, Ben McSweeney, Howard Lyon und Miranda Meeks

Karte auf der Umschlaginnenseite: Isaac Stewart

Illustrationen auf dem Vorsatzpapier vorne: Magali Villeneuve

Illustrationen auf dem Vorsatzpapier hinten: Karla Ortiz

Umschlagillustration: Federico Musetti

Umschlaggestaltung: Nele Schütz Design, München

Satz: Schaber Datentechnik, Austria

ISBN: 978-3-641-26877-0
V001

www.brandon-sanderson.de

@HeyneFantasySF

Für Isaac Stewart,
der meine Phantasie malt.

INHALT

ERSTER TEIL: Lieder der Heimat

Zwischenspiele

ZWEITER TEIL: Ein Wissen

Zwischenspiele

DRITTER TEIL: Wissen um die Heimat der Lieder, genannt unsere Bürde

Epilog: Schmutzige Tricks

Schlussbemerkung

Ars Arcanum

ILLUSTRATIONEN

Anmerkung: Viele Illustrationen einschließlich der Beschriftungen enthalten Hinweise auf Ereignisse, die zuvor im Text beschrieben wurden. Wenn Sie die Bilder vor dem Lesen betrachten, geschieht das auf Ihr eigenes Risiko.

Karte von Roschar

Schallans Skizzenbuch: Urithiru

Schallans Skizzenbuch: Das Atrium

Karte des östlichen Makabak

Schallans Skizzenbuch: Greifer

Mode der Gesandtenform

Schallans Skizzenbuch: Großsprengsel

Alethi-Glyphen Seite 2

Schallans Skizzenbuch: Gipfelsprengsel

Schallans Skizzenbuch: Tintensprengsel

Navanis Notizbuch: Dolch

Navanis Notizbuch: Experimente

VORWORT
UND DANKSAGUNG

Mit großem Stolz präsentiere ich Ihnen »Der Rhythmus des Krieges« und »Der Turm der Lichter«, die Teile sieben und acht der Sturmlicht-Chroniken (die beiden Hälften der Übersetzung von Rhythm of War, Anm. d. Ü.). Zehn Jahre sind vergangen, seit ich mit dieser Serie angefangen habe, und es ist bisher für mich eine sehr befriedigende Erfahrung gewesen, die Vision, die ich all die Jahre hindurch mit mir herumgetragen habe, wachsen und gedeihen zu sehen. Insbesondere eine Szene am Ende von »Der Turm der Lichter« gehört zu den ersten, die mir je für diese Reihe in den Sinn gekommen sind – vor mehr als zwanzig Jahren!

Wir nähern uns dem letzten Buch dieser Folge der Sturmlicht-Chroniken. (Ich habe die Reihe als zwei Abteilungen von je zehn Bänden konzipiert, mit zwei größeren Handlungsbögen.) Haben Sie herzlichen Dank dafür, dass Sie all die Jahre bei mir geblieben sind! Mein Ziel ist es, die restlichen Bände in einem vernünftigen Zeitrahmen folgen zu lassen. Wie immer waren die Abgabetermine eng gesetzt, und damit sie eingehalten werden konnten, haben viele Personen eine Menge ihrer Zeit geopfert. Die Liste wird recht lang sein, aber jeder Einzelne von ihnen hat es verdient, für seine Mühen erwähnt zu werden.

Bei Tor Books war meine Hauptlektorin für diesen Roman Devi Pillai, und sie war unermüdlich, pünktlich und eine wunderbare Fürsprecherin für die Sturmlicht-Chroniken. Dies ist mein erstes Kosmeer-Buch, das nicht von meinem langjährigen Lektor Moshe Feder betreut wurde, der noch immer einen großen Dank dafür verdient, dass er diese Reihe während ihrer frühen Jahre umsorgt und beaufsichtigt hat. Aber ich will Devi besonders dafür danken, dass sie so sehr dabei geholfen hat, den Übergang glatt und leicht zu machen.

Wie immer geht ein Dank an Tom Doherty, der mir meine ersten Chancen zur Veröffentlichung gegeben hat. Devis und Toms Team bei Tor, die an diesem Buch mit uns zusammengearbeitet haben, besteht aus Rachel Bass, Peter Lutjen, Rafal Gibek und Heather Saunders.

Bei Gollancz, meinem englischen Verlag, möchte ich einen besonderen Dank an Gillian Redfearn aussprechen, die ihre redaktionelle Unterstützung während des gesamten Herstellungsprozesses zur Verfügung gestellt und auch sehr hart daran gearbeitet hat, dem Buch ein großartiges Aussehen zu verleihen.

Unser Redakteur war der stets großartige Terry McGarry, und zum ersten Mal war als Co-Redakteurin Kristina Kugler dabei. Ich hatte schon seit Langem mit Kristina an einem Kosmeer-Buch zusammenarbeiten wollen, und sie hat bei diesem hier eine ausgezeichnete Arbeit geleistet.

Der Produzent unseres Hörbuchs war Steve Wagner. Zur Reihe zurückgekehrt sind Michael Kramer und Kate Reading, die besten Sprecher auf der ganzen Welt. Ihnen gebührt mein herzlicher Dank dafür, dass sie einverstanden waren, dieses Monstrum einer epischen Fantasy-Serie zu vertonen.

Meine Hauptagentur für dieses Buch war JABberwocky Literary Agency mit Joshua Bilmes am Steuer. Assistiert haben ihm Susan Velazquez, Karen Bourne und Valentina Sainato. Unser englischer Agent ist John Berlyne von der Zeno Literary Agency. Für ihre Arbeit und Fürsprache bin ich wie immer sehr dankbar.

In meiner eigenen Firma Dragonsteel Entertainment ist meine wunderbare Frau Emily Sanderson die Managerin. Der unbeschreibliche Peter Ahlstrom ist unser Vizepräsident und redaktioneller Direktor, und Isaac Stewart ist unser künstlerischer Leiter. Normalerweise stelle ich etwas Dummes mit seinem Namen an, aber in Anbetracht der Tatsache, dass dieses Buch ihm gewidmet ist, war ich der Meinung, dass ich es diesmal besser sein lassen sollte. Isaac ist nicht nur derjenige, der die wunderbaren Landkarten erschafft, sondern er hat mich auch damals meiner Frau vorgestellt (bei einem Blind Date!). Wenn Sie je die Gelegenheit haben sollten, ihm zu begegnen, lassen Sie sich Ihr Exemplar dieses Buches von ihm signieren und plaudern Sie mit ihm über Ihre liebsten Lego-Baukästen.

Auch bei Dragonsteel arbeiten Karen Ahlstrom, unsere Continuity-Redakteurin, und Kara Stewart, unsere Versandleiterin. Adam Horne ist mein Publicity-Manager und persönlicher Assistent, und er ist derjenige, der immer einfach alles hinbekommt. Die anderen Angestellten in unserem Laden sind Kathleen Dorsey Sanderson, Emily »Mem« Grange, Lex Willhite und Michael Bateman. Sie sind diejenigen, die Ihnen Ihre T-Shirts, Poster und signierten Bücher zuschicken. Ihre Assistenten, die »Mini-Minions« unseres Teams, sind Jacob, Hazel, Isabel, Matthew, Audrey, Tori und Joe. Zusätzlich geht ein Dank an alle freiwilligen Helfer, insbesondere an die immer so großartige Christi Jacobson.

Die Künstler, die zu »Der Rhythmus des Krieges« und »Der Turm der Lichter« beigetragen haben, haben während der Fertigstellung ihrer Kunstwerke nicht nur Tragödien und der Pandemie getrotzt, sondern buchstäblich auch Stürmen, die über sie hereingebrochen sind. Ich bewundere ihr Talent und ihre Hingabe, und ihnen allen möchte ich nicht nur meinen tief empfundenen Dank aussprechen, sondern ihnen auch Frieden in turbulenten Zeiten wünschen.

Einer der Höhepunkte in meiner Karriere ist die Arbeit mit Michael Whelan. Es macht mich demütig, dass er die Bücher so sehr unterstützt und sogar persönliche Projekte beiseitegelegt hat, damit er die wunderbaren Gemälde für die Reihe erschaffen konnte. Schon für ein einziges seiner Umschlagbilder wäre ich zutiefst dankbar gewesen, und deshalb schätze ich mich unglaublich glücklich, dass er seine Magie auch diesmal einsetzt und dabei das bisher beste Sturmlicht-Umschlagbild geschaffen hat. Es ist zweifellos ein Meisterwerk, und ich bewundere es sehr.

In »Der Ruf der Klingen« und »Die Splitter der Macht« hatten wir Porträts der Herolde auf den vorderen und hinteren Vorsatzblättern abgedruckt, und mit dieser Tradition fahren wir hier fort. Zu einem frühen Zeitpunkt des Schreibprozesses haben wir die sechs verbliebenen Herolde in Auftrag gegeben, auch wenn wir wussten, dass zwei von ihnen einem zukünftigen Buch vorbehalten sein würden. Jeder Künstler schuf Meisterwerke. Donatos Herold Talenelat ist sorgenzerfressen und doch triumphierend, und es bereitet mir großes Vergnügen, seine wundervolle Vision dieses Charakters zu sehen. Miranda Meeks ist keine Fremde in den Sturmlicht-Chroniken – wir arbeiten bei jeder sich bietenden Gelegenheit zusammen –, und ihr Herold Battah ist majestätisch und rätselhaft. Karla Ortiz, deren Werk ich schon seit geraumer Zeit bewundere, hat uns ruhmreiche und fast perfekte Visionen der Herolde Chanaranach und Nalan geschenkt. Und schließlich sind Magali Villeneuves Herolde Pailiah und Kelek verblüffend und wundervoll. Howard Lyon arbeitete mit ihr zusammen an Ölversionen der letzten beiden Bilder, die irgendwann zusammen mit den anderen ausgestellt werden.

Dan Dos Santos ist eine lebende Legende und ein guter Freund. Er bringt seinen besonderen Stil in die Modetafeln dieses Bandes ein, und es gelingt ihm, die Sänger zwar als fremdartig, aber auch auf eine Art zu zeigen, mit der sich der Leser emotional identifizieren kann. Ich finde, dieser Spagat ist ihm ausgezeichnet gelungen.

Ben McSweeney ist dieses Jahr als Vollzeitkraft zu Dragonsteel gestoßen, und das vorliegende Buch zeigt einige seiner besten Arbeiten. Schallans Sprengsel-Seiten helfen dabei, das Bild von Roschar zu vervollkommnen. Es gefällt mir, wie Bens Darstellung von Urithirus Atrium die ungeheure Größe der Stadt vermittelt; besonderer Dank gilt hier auch Alex Schneider, der bei einigen architektonischen Fragen beratend tätig war.

Ein dicker Dank geht an Kelley Harris, ein Mitglied des inneren Zirkels unseres Sturmlicht-Teams; sie erweckt Navanis Notizbuchseiten mit einem untrüglichen Sinn für Gestaltung zum Leben, der mich immer wieder an Alphonse Muchas Plakate aus den frühen 1920er-Jahren erinnert.

Überdies haben viele Künstler und andere Personen hinter den Kulissen dieses Buches gewirkt und verdienen ein großes Dankeschön: Miranda Meeks, Howard Lyon, Shawn Boyles, Cori Boyles, Jacob, Isabel, Rachel, Sophie und Hayley Lazo.

Ein paar sehr wichtige Unterstützer von außen haben uns bei diesem Buch geholfen. Shad »Shadiversity« Brooks war unser Experte für die Kriegskünste. Carl Fisk hat uns ebenfalls mit seinem Wissen über dieses Thema zur Seite gestanden. Wenn ich etwas falsch verstanden habe, dann ist es nicht ihre, sondern meine Schuld. In diesem Fall wird es sich um etwas handeln, wonach ich sie nicht rechtzeitig gefragt oder was ich zu ändern vergessen habe.

Unsere Expertin für dissoziative Identitätsstörungen war Britt Martin. Ich schätze ihre Bereitschaft, mit der sie meine Vorschläge angehört hat, wie ich geistige Krankheiten in diesen Büchern besser darstellen könnte. Sie war unsere geheime Strahlende Ritterin für diesen Roman und immer da, um mich anzutreiben.

Besonderer Dank geht an vier unserer Beta-Leser für ihre gehaltvollen Rückmeldungen zu einem bestimmten Aspekt der Sexualität: Paige Phillips, Alyx Hoge, Blue und E. N. Weir. Dem Buch haben eure Beiträge gutgetan.

Unsere Schreibgruppe zu diesem Buch bestand aus Kaylynn ZoBell, Kathleen Dorsey Sanderson, Eric James Stone, Darci Stone, Alan Layton, Ben »kannst du bitte diesmal meinen Namen richtig schreiben, Brandon« Olzedixploxipllentivar, Ethan Skarstedt, Karen Ahlstrom, Peter Ahlstrom, Emily Sanderson und Howard Tayler. Eine bessere Gruppe aus fröhlichen Herren und Damen wird niemand finden. Sie haben jede Woche große Portionen dieses Buches gelesen und es hingenommen, dass ich andauernd gewaltige Änderungen vorgenommen habe; sie haben mir dabei geholfen, den Roman in Form zu bringen.

Unser Expertenteam aus Beta-Lesern bestand aus Brian T. Hill, Jessica Ashcraft, Sumejja Muratagi´c-Tadi´c, Joshua »Jofwu« Harkey, Kellyn Neumann, Jory »Jor the Bouncer« Phillips (Glückwunsch, Jory!), Drew McCaffrey, Lauren McCaffrey, Liliana Klein, Evgeni »Argent« Kirilov, Darci Cole, Brandon Cole, Joe Deardeuff, Austin Hussey, Eliyahu Berelowitz Levin, Megan Kanne, Alyx Hoge, Trae Cooper, Deana Covel Whitney, Richard Fife, Christina Goodman, Bob Kluttz, Oren Meiron, Paige Vest, Becca Reppert, Ben Reppert, Ted Herman, Ian McNatt, Kalyani Poluri, Rahul Pantula, Gary Singer, Lingting »Botanica« Xu, Ross Newberry, David Behrens, Tim Challener, Matthew Wiens, Giulia Costantini, Alice Arneson, Paige Phillips, Ravi Persaud, Bao Pham, Aubree Pham, Adam Hussey, Nikki Ramsay, Joel D. Phillips, Zenef Mark Lindberg, Tyler Patrick, Marnie Peterson, Lyndsey Luther, Mi’chelle Walker, Josh Walker, Jayden King, Eric Lake und Chris Kluwe.

Unser Kommentar-Koordinator für die Beta-Leser war Peter Orullian, der selbst ein ausgezeichneter Schriftsteller ist.

Unsere Gamma-Leser bestanden aus vielen der Beta-Leser, und zusätzlich waren dabei: Chris McGrath, João Menezes Morais, Brian Magnant, David Fallon, Rob West, Shivam Bhatt, Todd Singer, Jessie Bell, Jeff Tucker, Jesse Salomon, Shannon Nelson, James Anderson, Frankie Jerome, Zoe Larsen, Linnea Lindstrom, Aaron Ford, Poonam Desai, Ram Shoham, Jennifer Neal, Glen Vogelaar, Taylor Cole, Heather Clinger, Donita Orders, Rachel Little, Suzanne Musin, William »aberdasher«, Christopher Cottingham, Kurt Manwaring, Jacob Hunsaker, Aaron Biggs, Amit Shteinheart, Kendra Wilson, Sam Baskin und Alex Rasmussen.

Ich weiß, dass viele von denen, die das hier lesen, gern dem Beta- oder Gamma-Team beitreten würden, aber Sie sollten wissen, dass es nicht annähernd so nett ist, wie es scheint. Diese Leute müssen das Buch oft unter großem Zeitdruck lesen, und sie bekommen es in unvollendeter Form vorgelegt. In vielerlei Hinsicht berauben sie sich der Möglichkeit, das Buch in seiner besten Form zu genießen, und sie erhalten einen nicht ganz so guten Eindruck davon, damit sie es für Sie alle besser machen können. Ich zolle ihrer unermüdlichen Arbeit große Bewunderung. Wegen ihrer Bemühungen ist das Buch viel besser, als es ohne sie gewesen wäre.

Ich weiß, das war eine lange Liste. Mit jedem neuen Buch wird sie länger! Aber ich schätze jeden Einzelnen von ihnen. Wie ich oft sage, steht zwar nur mein Name auf dem Umschlag, aber diese Romane sind wirklich Gruppenarbeiten, in welche das Talent und das Wissen vieler verschiedener Menschen einfließen.

Wegen ihnen können Sie jetzt »Der Rhythmus des Krieges« und »Der Turm der Lichter« lesen, die beiden Hälften der Übersetzung von »The Rhythm of War« und damit Teil sieben und acht der Sturmlicht-Chroniken. Mögen Sie die Reise genießen!

Ich empfinde dieses Format als höchst bequem, denn so habe ich auch in der Vergangenheit gearbeitet. Ich habe es jedoch nie auf diese Art gemacht, und nie mit dieser Art von Partner.

Aus Der Rhythmus des Krieges, Seite 1

Kaladin rannte mit Teft auf den Schultern durch die dunklen Tunnel von Urithiru und fühlte sich, als könnte er hören, wie sein Leben mit jedem Schritt unter ihm zerbröckelte. Das war ein Phantomklirren wie von zersplitterndem Glas.

Jeder schmerzhafte Schritt entfernte ihn weiter von seiner Familie und auch vom Frieden. Und brachte ihn tiefer in die Finsternis hinein. Er hatte seine Entscheidung getroffen. Er würde seinen Freund nicht den Unwägbarkeiten einer Gefangenschaft überlassen. Obwohl er seine blutbeschmierten Stiefel ausgezogen und sie sich mit den Schnürsenkeln um den Hals gebunden hatte, verfolgte ihn noch immer das Gefühl, dass er Blutspuren hinterließ.

Bei den Stürmen! Was glaubte er denn allein erreichen zu können? Er hatte sich dem Befehl der Königin zur Kapitulation widersetzt.

Diese Gedanken versuchte er zu verbannen und lief jetzt einfach weiter. Später mochte er noch so lange, wie er wollte, über das nachdenken, was er getan hatte. Erst einmal musste er aber einen sicheren Ort finden, an dem er sich verstecken konnte. Der Turm war nicht länger sein Zuhause, sondern eine feindliche Festung.

Syl schwirrte vor ihm dahin und überprüfte jede Abzweigung, bevor er bei ihr eintraf. Das Sturmlicht hielt ihn zwar in Gang, aber er fragte sich doch, was geschehen würde, wenn es einmal aufgebraucht war. Würden ihn dann seine Kräfte verlassen? Würde er mitten im Korridor zusammenbrechen?

Warum hatte er nicht mehr Kugeln von seinen Eltern oder von Laral mitgenommen, bevor er aufgebrochen war? Er hatte nicht einmal daran gedacht, die Axt der Sturmform zu ergreifen. Abgesehen von seinem Skalpell war er ganz unbewaffnet. Er hatte sich zu sehr daran gewöhnt, Syl als seinen Splitterspeer zu benutzen, aber da sie sich nicht mehr verwandeln konnte …

Nein, dachte er mit Nachdruck. Keine Gedanken. Gedanken sind gefährlich. Geh einfach weiter.

Er mühte sich voran und verließ sich ganz auf Syl, die nun in Richtung einer Treppe flog. Das Beste wäre es, wenn sie ein Versteck in einem der unbewohnten Stockwerke finden könnten, vielleicht in der elften oder zwölften Etage. Er nahm je zwei Stufen auf einmal und wurde durch das pulsierende Licht in seinen Adern vorangetrieben. Sein Glühen beleuchtete den Weg. Teft murmelte leise; vielleicht war dies eine Reaktion auf das Schaukeln.

Sie erreichten den siebenten Stock und stiegen gleich weiter hinauf zum achten. Hier führte ihn Syl tiefer in den Turm hinein. Kaladin versuchte die Echos seines Versagens zu überhören, aber es gelang ihm nicht. Die Rufe seines Vaters. Seine eigenen Tränen …

Dabei war er so nah gewesen. So nah.

In den endlosen Gängen hatte er jeden Richtungssinn verloren. Hier waren keine Pfeile auf den Boden gemalt, also verließ er sich ganz auf Syl. Sie flog voraus zu einer Kreuzung, drehte sich mehrfach im Kreis und schoss dann nach rechts. Er holte zwar zu ihr auf, aber Tefts Gewicht spürte er immer deutlicher.

»Nur eine Sekunde«, flüsterte er bei der nächsten Abzweigung, lehnte sich gegen die Wand – Teft hing immer noch schwer an seinen Schultern – und fischte einen Stein aus seinem Beutel. Der kleine Topas schenkte zwar kaum Licht, aber Kaladin brauchte ihn, da sein eigenes Sturmlicht allmählich erlosch. Und er hatte nicht mehr viele Kugeln übrig.

Unter dem Gewicht seines Freundes ächzte er, stieß sich von der Wand ab, richtete sich wieder auf und packte Teft schließlich mit beiden Händen, nachdem er sich die Kugel zwischen zwei Finger gesteckt hatte. Er nickte Syl zu, ging wieder hinter ihr her und war froh, dass ihn seine Kraft noch nicht verlassen hatte. So konnte er Teft auch ohne Sturmlicht tragen. Obwohl Kaladin die letzten Wochen ausschließlich als Arzt verbracht hatte, war sein Körper noch immer der eines Soldaten.

»Wir sollten höher steigen«, erklärte Syl, die nun als ein Band aus Licht neben seinem Kopf dahintrieb. »Schaffst du das?«

»Bring uns mindestens bis zum zehnten Stock«, sagte Kaladin.

»Ich werde gleich die nächste Treppe nehmen, auf die wir stoßen. Diesen Abschnitt des Turms kenne ich nicht besonders gut …«

Während sie weitergingen, ließ er es zu, in alte Denkweisen zurückzufallen. Tefts Gewicht auf seinen Schultern war kaum anders als das einer Brücke. Es führte ihn in jene Tage zurück. Die Brückenläufe. Die Eintöpfe.

Wie er seinen Freunden beim Sterben zugesehen hatte … und jeden Tag von Neuem den Schrecken gespürt hatte …

Diese Erinnerungen boten keinen Trost. Aber der Rhythmus der Schritte, das Tragen der Last, die körperliche Anstrengung auf diesem Marsch … das alles war ihm wenigstens vertraut.

Er folgte Syl eine Treppe hoch, und dann noch eine weitere. Danach durch einen langen Tunnel, dessen Gesteinsadern wie auf der Oberfläche eines aufgewühlten Teichs Wirbel bildeten. Kaladin blieb in Bewegung.

Bis er plötzlich hellwach war.

Er konnte nicht genau sagen, was ihn alarmiert hatte, aber instinktiv bedeckte er seine Kugel und drückte sich in eine Seitenpassage. Dort kniete er sich hin, sodass Teft von seinen Schultern gleiten konnte. Er legte die Hand gegen den Mund des Bewusstlosen, damit sein Murmeln nicht mehr zu hören war.

Einen Augenblick später flog Syl zu ihnen. Er konnte sie zwar in der Dunkelheit erkennen, aber sie beleuchtete nichts in ihrer Umgebung. Er steckte seine andere Hand mit der Kugel darin in die Tasche, damit sie kein verräterisches Licht abgeben konnte.

»Was ist los?«, fragte Syl.

Kaladin schüttelte den Kopf. Er wusste es nicht, aber er wollte jetzt auch nicht sprechen. Er hockte in der Passage und hoffte, dass Teft sich nicht regte und keinen Laut von sich gab, während ihm sein eigener Herzschlag in den Ohren hallte.

Schließlich kroch ein schwaches rotes Licht in den Gang, den sie gerade eben verlassen hatten. Sofort flog Syl hinter Kaladins dunkle Gestalt, damit ihr Schimmern nicht mehr zu sehen war.

Das Licht näherte sich und enthüllte einen einzelnen Rubin sowie ein Paar rot glühender Augen. Sie beschienen ein schreckliches Gesicht in reinem Schwarz, nur mit einer Andeutung von roter Marmorierung unter den Augen. Langes dunkles Haar, das zu einem einfachen Kleidungsstück verwoben schien. Dies war die Kreatur, gegen die Kaladin in Herdstein gekämpft hatte – und die er in dem brennenden Zimmer des Herrenhauses getötet hatte. Obwohl der Verschmolzene in einem neuen Körper wiedergeboren worden war, erkannte Kaladin an den Hautmustern, dass es sich um dieselbe Kreatur handelte.

In der Finsternis schien der Verschmolzene Kaladin bisher nicht bemerkt zu haben, aber er hielt lange an der Abzweigung an. Zum Glück ging er schließlich doch weiter in die Richtung, in der auch Kaladin vorhin unterwegs gewesen war.

Bei den Stürmen! Kaladin hatte das Wesen beim letzten Mal ohne Sturmlicht besiegt, aber er hatte es nur geschafft, weil der Verschmolzene so anmaßend gewesen war. Kaladin bezweifelte, dass er die Kreatur noch einmal so leicht töten konnte.

Die Sänger in der Krankenstation … einer von ihnen hat doch erwähnt, dass ein Verschmolzener nach mir sucht. Sie haben ihn den Verfolger genannt. Dieses Wesen … es war zum Turm gekommen, weil es Kaladin finden wollte.

»Folge ihm«, bat er Syl. Er hatte die Worte stumm mit den Lippen geformt und zählte darauf, dass Syl ihn verstand. »Ich suche nach einem besseren Versteck.«

Mit ihrem Lichtband formte sie kurz eine schimmernde Kejeh-Glyphe – ein Symbol der Zustimmung – und schwirrte dann hinter dem Verfolger her. Sie konnte sich nicht mehr allzu weit von Kaladin entfernen, aber sie sollte doch in der Lage sein, dem Verschmolzenen für eine Weile zu folgen. Hoffentlich blieb sie vorsichtig, denn einige Verschmolzene waren in der Lage, Sprengsel zu sehen.

Kaladin lud sich Teft wieder auf die Schultern und schritt in die Finsternis hinein; er erlaubte sich kein Licht. So tief im Turm zu stecken, das fühlte sich immer bedrückend an – so weit entfernt von Himmel und Wind. Aber in der Dunkelheit war es noch schlimmer. Er konnte sich nur zu gut vorstellen, wie es sein mochte, hier ohne Kugeln gefangen zu sein und auf ewig in dieser Gruft aus Stein herumwandern zu müssen.

Er brachte einige Biegungen hinter sich und hoffte, eine weitere Treppe hinauf in ein anderes Stockwerk zu finden. Leider murmelte Teft wieder. Kaladin biss die Zähne zusammen und betrat das erste Zimmer, an dem er vorbeikam. Es hatte eine äußerst schmale Tür. Im Innern setzte er Teft ab, dann versuchte er, dessen Laute zu dämpfen.

Einen Augenblick später kam Syl in den Raum hineingeschossen – Kaladin zuckte zusammen.

»Er kommt«, zischte sie. »Er ist den Korridor nur noch ein paar Schritte weitergegangen und dann stehen geblieben. Er hat den Boden betrachtet und ist umgekehrt. Ich glaube nicht, dass er mich gesehen hat. Ich bin ihm gefolgt und habe bemerkt, dass er an der Stelle angehalten hat, wo du dich vorhin versteckt hast. Dort ist ihm ein kleiner Blutfleck an der Wand aufgefallen. Ich habe ihn überholt, aber er weiß, dass du in der Nähe bist.«

Bei den Stürmen! Kaladin schaute erst auf seine blutbeschmierte Kleidung und dann auf Teft – der trotz aller Versuche, ihn zum Schweigen zu bringen, noch immer vor sich hin murmelte.

»Wir müssen den Verfolger von hier weglocken«, flüsterte Kaladin. »Mach dich bereit, ihn abzulenken.«

Sie beschrieb ein weiteres Symbol der Zustimmung in der Luft. Kaladin ließ seinen Freund als unruhiges Bündel in der Dunkelheit zurück und begab sich nach draußen in den Korridor. Er näherte sich einer Abzweigung und griff nach seinem Skalpell. Ein anderes Licht als das von Syl erlaubte er sich dabei nicht; die wenigen Kugeln, die ihm noch verblieben waren, steckten in seinem schwarzen Beutel.

Mehrfach holte er tief Luft, dann flüsterte er Syl seinen Plan zu. Sie schwebte weiter den schwarzen Korridor entlang und ließ Kaladin in tiefster Finsternis zurück.

Es war ihm nie gelungen, die vollkommene Leere des Geistes zu finden, die manche Soldaten in der Schlacht zu erreichen behaupteten. Er war sich aber auch nicht sicher, ob er überhaupt danach strebte. Doch er fasste sich, atmete flach und lauschte aufmerksam.

Er war locker, entspannt, aber auch bereit loszuschlagen. Wie der Zunder, der auf den Funken wartete. Er würde das Sturmlicht aus seinen verbliebenen Kugeln einsaugen, damit aber noch bis zum allerletzten Augenblick warten.

Rechts von Kaladin schabten Schritte über den Boden, und die Wände wurden allmählich in rotes Licht getaucht. Kaladin hielt den Atem an, drückte den Rücken gegen die Wand und machte sich bereit.

Der Verfolger erstarrte, bevor er die Kreuzung erreichte, und Kaladin wusste, dass die Kreatur Syl entdeckt hatte. Sie sollte in der Ferne vorbeifliegen. Einen Herzschlag später verkündeten kratzende und schleifende Geräusche, dass der Verfolger die Hülle seines Körpers abgestreift hatte. Nun huschte er als ein Band aus rotem Licht hinter Syl her. Die Ablenkung war also geglückt.

Soweit sie wussten, konnte ein Verschmolzener ein Sprengsel nicht auf natürliche Weise verletzen – dies war nur mit einer Splitterklinge möglich. Und selbst eine solche Wunde war lediglich vorübergehend. Wenn ein Sprengsel mit einer Splitterklinge verwundet oder sogar in Stücke gehauen wurde, bildete es sich im Reich des Erkennens neu. Experimente hatten bewiesen, dass die einzige Möglichkeit, die Teile getrennt zu halten, darin bestand, sie in Edelsteine einzuschließen.

Kaladin gab sich zehn Herzschläge, dann holte er eine kleine Kugel als Beleuchtung hervor, warf einen kurzen Blick auf den abgelegten Körper des Verfolgers und rannte zu dem Zimmer, in dem er Teft zurückgelassen hatte.

Es war erstaunlich, welche Energie sich in ihm bildete, wenn er kurz vor einem Kampf stand. Mühelos hob er sich Teft auf die Schultern und lief davon – fast als wäre er wieder mit Sturmlicht vollgesogen. Im Licht der Kugel fand er bald eine Treppe. Beinahe flog er sie hinauf, hielt aber sofort an, als ein schwaches Licht von oben herabfiel.

Von dort hallten Stimmen in Rhythmen zu ihm herunter. Und dann bemerkte er, dass sie auch von unten kamen. Er verließ diese Treppe, aber zwei Gänge weiter sah er in der Ferne Lichter und Schatten. Er zog sich in einen Seitenkorridor zurück. Sein Schweiß floss in Strömen, und Angstsprengsel – kleine Glibberkugeln – wanden sich durch den Stein unter ihm.

Er kannte dieses Gefühl. Das Eilen durch die Finsternis. Menschen mit Lichtern, die systematisch nach ihm suchten. Die ihn jagten. Er atmete schwer, während er Teft durch einen weiteren Seitengang schleppte, und bald bemerkte er auch in dieser Richtung Lichter.

Der Feind bildete eine Schlinge, die er allmählich um Kaladins Position zusammenzog. Das erinnerte ihn an die Nacht, in der er Nalma und die anderen im Stich gelassen hatte. Eine Nacht wie so viele andere, in der er selbst überlebt hatte, während alle Übrigen gestorben waren. Kaladin war kein entlaufener Sklave mehr, aber das Gefühl war immer noch dasselbe.

»Kaladin!«, sagte Syl, die auf ihn zuflog. »Ich habe ihn an den Rand der Etage gelockt, aber wir sind einigen gewöhnlichen Soldaten begegnet, und daraufhin ist er zurückgekehrt. Er schien begriffen zu haben, dass ich nur ein Ablenkungsmanöver bin.«

»Zahlreiche Schwadronen befinden sich hier oben«, antwortete Kaladin und entwich in die Finsternis. »Vielleicht sogar eine ganze Kompanie. Bei den Stürmen! Der Verfolger muss die gesamte Streitmacht, die die Wohnungen im sechsten Stock durchsuchen sollte, umgeleitet haben.«

Er war entsetzt darüber, wie schnell sie ihre Falle aufgestellt hatten. Das war vermutlich dem Umstand zu verdanken, dass er den Soldaten verschont hatte. Gewiss hatte dieser den anderen sogleich Bericht erstattet.

Nun, Kaladin bezweifelte jedenfalls, dass der Feind die Zeit gehabt hatte, sich eine von Navanis Karten zu besorgen, die dieses Stockwerk darstellten. Es konnte ihnen einfach nicht möglich sein, Soldaten in jedem Gang und an jeder Treppe zu postieren. Das Netz, das sich um ihn zusammenzog, musste Lücken haben.

Er begann mit der Suche. In einem Seitenkorridor bemerkte er schattenhafte Gestalten, die sich ihm näherten. Und auch auf der nächsten Treppe. Sie waren unerbittlich, und sie waren überall. Außerdem kannte er diese Gegend nicht besser als sie. Er schlich durch zahlreiche Gänge, bis er das Ende einer Sackgasse erreichte. Eine rasche Erkundung der angrenzenden Zimmer ergab, dass hier keine anderen Ausgänge existierten. Er schaute über die Schulter und hörte Stimmen, die einander etwas zuriefen. Sie sprachen Azisch, glaubte er – aber zu bestimmten Rhythmen.

Mit einem Gefühl wachsenden Grauens setzte er Teft ab, zählte seine restlichen Kugeln und holte wieder das Skalpell heraus. Richtig. Er … er musste dem ersten Soldaten, den er tötete, die Waffe abnehmen. Hoffentlich war es ein Speer. Zumindest etwas mit großer Reichweite, wenn er einen Kampf in diesen Gängen überleben wollte.

Syl landete auf seiner Schulter, nahm die Gestalt einer jungen Frau an und setzte sich, während sie die Hände in den Schoß legte.

»Wir müssen uns durchkämpfen«, flüsterte Kaladin. »Vielleicht haben sie nur wenige Soldaten in diese Richtung geschickt. Wir töten sie, dann entkommen wir der Schlinge und laufen weg.«

Sie nickte.

Es klang aber nicht wie »wenige Soldaten.« Und er glaubte eine harschere, lautere Stimme unter den anderen zu hören. Der Verfolger war ihm noch auf der Spur und orientierte sich vermutlich an den schwachen Blutflecken auf dem Boden oder an den Wänden.

Kaladin zog Teft in eines der Zimmer, stellte sich selbst auf die Schwelle und wartete. Zwar nicht gerade ruhig, aber doch vorbereitet. Er hielt sein Skalpell so, dass er damit in die Spalten zwischen dem Panzer und dem Hals des Feindes stechen konnte. Als er dort stand, spürte er, wie ihn die Last der ganzen verzweifelten Lage niederdrückte. Die Dunkelheit, sowohl draußen als auch in ihm. Die Erschöpfung. Die Angst. Düstersprengsel erschienen wie Kleidungsfetzen, wie Banner an den Wänden.

»Kaladin«, sagte Syl leise, »könnten wir uns nicht einfach ergeben?«

»Dieser Verschmolzene ist nicht hier, um mich gefangen zu nehmen, Syl«, sagte er.

»Wenn du stirbst, bin ich wieder allein.«

»Wir haben uns schon aus größeren Schwierigkeiten befreit …« Er verstummte, als er sie ansah, wie sie auf seiner Schulter saß; sie wirkte viel kleiner als sonst. Er konnte den Rest der Worte nicht herauszwingen. Er konnte nicht lügen.

Licht erhellte den Korridor und kam auf ihn zu.

Kaladin ergriff sein Messer fester. Ein Teil von ihm schien schon immer gewusst zu haben, dass es zu dieser Begegnung kommen würde. Allein in der Dunkelheit, mit dem Rücken zur Wand, gegen einen Feind in der Überzahl. Das wäre eine ruhmreiche Art zu sterben, aber Kaladin lag nichts an Ruhm. Diesen dummen Traum hatte er schon als Kind aufgegeben.

»Kaladin!«, sagte Syl. »Was ist das? Dort, auf dem Boden!«

Ein schwaches violettes Licht war in der Ecke rechts vor ihnen erschienen. Es war fast unsichtbar, trotz der Finsternis. Kaladin runzelte die Stirn, verließ seinen Posten auf der Türschwelle und betrachtete das Licht. Hier verlief eine Granatader im Stein, und ein kleiner Teil davon schimmerte. Als er den Grund dafür herauszufinden versuchte, bewegte sich das Schimmern davon; es lief an der Ader entlang. Er folgte ihm bis zur Tür zurück und sah zu, wie es quer durch den Gang in das Zimmer auf der gegenüberliegenden Seite kroch.

Er zögerte nur kurz, bevor er seine Waffe wegsteckte und Teft wieder anhob. Er taumelte quer durch den Korridor in das andere Zimmer – und hörte dabei, wie einer der näher kommenden Soldaten etwas auf Azisch sagte. Es klang jedoch zögernd – als hätten sie bestenfalls einen kurzen, unsicheren Blick auf Kaladin erhascht.

Bei den Stürmen! Was tat er hier? Jagte er Phantomlichtern hinterher, so wie den Sternensprengseln am Himmel? In dieser kleinen Kammer bewegte sich das Licht über den Boden und die Wand hoch und zeigte darin schließlich einen Edelstein, der tief in den Stein eingebettet war.

»Ein Fabrial?«, fragte Syl. »Lade es auf!«

Kaladin atmete ein wenig Sturmlicht ein und warf einen Blick über die Schulter. Draußen hörte er Stimmen, und er sah Schatten. Statt sein verbliebenes Sturmlicht für den Kampf aufzusparen, tat er das, was Syl ihm gesagt hatte. Er drückte das Licht in den Edelstein. Danach hatte er nur noch zwei oder drei kleinere Steine übrig – und damit war er so gut wie schutzlos.

Die Wand teilte sich in der Mitte. Er keuchte auf, als sich die Steine bewegten – allerdings mit einer Lautlosigkeit, die sich jedem Erklärungsversuch widersetzte. Die Wand spaltete sich gerade so weit, dass ein Mensch hindurchschlüpfen konnte. Er trug Teft in einen verborgenen Korridor. Sanft schloss sich die Wand hinter ihm wieder, und das Licht in dem Edelstein erlosch. Kaladin hielt den Atem an, als er Stimmen in dem Zimmer hinter ihm hörte. Er hielt das Ohr gegen die Wand und lauschte. Viel verstand er nicht – es war ein Streit, bei dem es um den Verfolger zu gehen schien. Kaladin befürchtete, sie könnten gesehen haben, wie sich die Wand wieder schloss, aber er hörte kein Kratzen und kein Hämmern. Allerdings würden sie die Sprengsel bemerken, die er angelockt hatte, und dann wussten sie, dass er in der Nähe war.

Kaladin musste in Bewegung bleiben. Das schwache violette Licht auf dem Boden zuckte und lief voran, und er folgte ihm zusammen mit Teft durch eine weitere Reihe von Gängen. Schließlich erreichten sie eine versteckte Treppe, die zum Glück unbewacht war.

Er stieg sie hoch, und jeder seiner Schritte war langsamer als der vorangegangene, während er von Erschöpfungssprengseln verfolgt wurde. Doch irgendwie schaffte er es, noch weiter hinaufzusteigen. Das Licht führte ihn bis in den elften Stock und dort in einen weiteren dunklen Raum. Die bedrückende Stille verriet ihm, dass er einen Teil des Turms erreicht hatte, den der Feind nicht absuchte. Er wollte schon zusammenbrechen, aber das Licht pulsierte beharrlich an der Wand – und Syl ermunterte ihn, es anzusehen.

Dort befand sich ein weiteres Juwel, in den Stein eingelassen und kaum sichtbar. Mit dem letzten Rest seines Sturmlichts lud er es auf und schlüpfte durch die Tür, die sich rasch öffnete. In der vollkommenen Dunkelheit dahinter setzte Kaladin Teft ab und spürte, wie sich die Tür hinter ihm schloss.

Er hatte nicht mehr die Kraft, seine neue Umgebung abzusuchen. Stattdessen glitt er zitternd auf den kalten Steinboden.

Und dort ließ er es endlich zu, dass er in den Schlaf trieb.