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Nora Roberts

Ein Haus
zum Träumen


Roman



Deutsch von
Margarethe van Pée






LIMES

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Die Originalausgabe erschien 2008 unter dem Titel
«Tribute« bei G. P. Putnam’s Sons,
The Penguin Group (USA) Inc., New York.

Verlagsgruppe Random House

1. Auflage
Copyright © der Originalausgabe 2008 by Nora Roberts
Copyright © der deutschsprachigen Ausgabe 2008 by Limes Verlag,
in der Verlagsgruppe Random House GmbH, München,
Neumarkter Str. 28, 81673 München
ISBN: 978-3-641-01183-3
V003

www.limes-verlag.de

Für Jason und Kat zum Beginn
eures gemeinsamen Lebens. Möge der Garten,
den ihr anlegt, starke Wurzeln haben,
möge er blühen in allen Farben und Formen,
die ihr mitbringt, und mögt ihr beide ihn pflegen,
damit die Pflanzen gedeihen.

ERSTER TEIL
Abriss

Die Vergangenheit kann nicht in die Gegenwart

geholt werden; wir können nicht wissen, was wir

nicht sind. Aber ein und derselbe Schleier liegt

über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft …

Henry David Thoreau

1

Der Legende nach war Steve McQueen einmal splitterfasernackt durch die Rohrkolben und Seerosen im Teich auf der kleinen Farm geschwommen. Wenn die Geschichte tatsächlich stimmte, und Cilla gefiel diese Vorstellung, hatte sich der King of Cool ausgezogen und war nach Die glorreichen Sieben und vor Gesprengte Ketten hier ins Wasser gesprungen.

In einigen Versionen der Geschichte hatte Steve sich in jener schwülen Sommernacht in Virginia nicht nur abgekühlt – schließlich befand er sich in Gesellschaft von Cillas Großmutter. Sie waren damals zwar beide mit anderen Partnern verheiratet gewesen, aber das tat der Legende keinen Abbruch, denn es wurde eher freudig darüber berichtet. Und da beide schon lange tot waren, konnten sie es weder bestätigen noch leugnen.

Allerdings, dachte Cilla und blickte über das schlammige Wasser des von Seerosen überwucherten Teiches, soweit sie wusste, hatte sich auch zu Lebzeiten keiner von beiden die Mühe gemacht.

Und ob es nun stimmte oder nicht, Janet Hardy, die Glamouröse, die Tragische, die Brillante, die Komplizierte, hatte die Gerüchte bestimmt genossen. Selbst Ikonen mussten ja irgendwoher ihren Kick bekommen.

Cilla stand in der gleißend hellen, noch ein wenig kühlen Märzsonne und konnte sich alles genau vorstellen. Die schwüle Sommernacht, der blaue Schein des Vollmondes. Der Garten stand in voller Blüte, und die Luft war von Düften geschwängert. Das Wasser, hellgelb wie Kamillentee, mit rosa und weißen Blüten, war bestimmt kühl und seidig über ihre Haut geglitten.

Und Janet war vermutlich in der Blüte ihrer Jahre gewesen, dachte Cilla. Wie gesponnenes Gold fielen ihre Haare über ihre weißen Schultern … ach nein, die schimmerten bestimmt auch golden von der Sommersonne. Güldene Schultern im teefarbenen Wasser, und dazu ihre hellblauen Augen und ihr Lachen – und höchstwahrscheinlich jede Menge Alkohol.

Cilla sah die Szene förmlich vor sich. Die Luft war erfüllt von Musik, und Glühwürmchen tanzten dazu über weichen Rasen und fruchtbare Felder. Die Stimmen der Gäste, die auf dem Rasen flanierten, die hell erleuchteten Veranden und Terrassen. Und am nachtblauen Himmel funkelten die Sterne wie kostbare Juwelen.

Dunkle Schattenecken im Wechsel mit den Lichtern der Laternen.

Ja, genauso würde es gewesen sein. Janets Welt war voll strahlender Helligkeit und schwärzester Dunkelheit gewesen. Immer.

Cilla hoffte, dass sie ohne Kompromisse nackt, betrunken, ausgelassen und glücklich in den Teich gesprungen war. Und nicht geahnt hatte, dass ihr reiches, verzweifeltes, glanzvolles Leben kaum zehn Jahre später zu Ende war.

Bevor Cilla sich vom Teich abwandte, machte sie sich eine Notiz in ihrer dicken Kladde. Er musste gereinigt, untersucht und ökologisch ins Gleichgewicht gebracht werden. Sie notierte sich ebenfalls, dass sie sich über das Anlegen und Pflegen von Teichen informieren wollte, bevor sie die Arbeit in Angriff nahm oder einen Fachmann engagierte.

Dann kam der Garten. Oder vielmehr, was davon übrig war, dachte sie, als sie durch das hohe, verfilzte Gras schritt. Unkraut, ganze Rankendecken, die Sträucher überwucherten, so dass nur noch die braunen, trockenen Spitzen der Zweige herausragten, deckten zu, was einmal schlicht umwerfend gewesen war. Wieder eine Metapher dafür, dachte sie, dass das Helle und Schöne erstickt und begraben worden war.

Dabei würde sie auf jeden Fall Hilfe brauchen. Viel Hilfe. Sosehr sie sich auch in das Projekt einbringen wollte, mit eigenen Händen daran arbeiten wollte, sie konnte auf keinen Fall selber roden und hacken, schneiden und verbrennen und wieder neu entwerfen.

Im Budget musste auf jeden Fall eine Landschaftsgärtnerei enthalten sein. Sie notierte sich, dass sie unbedingt die alten Fotografien des Parks anschauen musste. Außerdem wollte sie sich ein paar Bücher über Landschaftsgärten zulegen und Angebote bei den Gärtnereien im Ort einholen.

Sie ließ ihren Blick über den ruinierten Rasen, die eingefallenen Zäune, die traurige alte Scheune schweifen, die grau und verwittert dastand. Dort hatte es einmal Hühner gegeben – zumindest hatte man ihr das erzählt –, zwei hübsche Pferde, wogende Getreidefelder und einen kleinen, blühenden Obstgarten. Sie hätte gerne geglaubt – vielleicht musste sie das auch glauben –, dass sie das alles wieder zum Leben erwecken konnte. Dass sie nächstes Frühjahr und jedes Frühjahr danach hier stehen und sich das Knospen und Blühen auf dem Anwesen ihrer Großmutter ansehen konnte.

Das jetzt ihr gehörte.

Sie sah mit eigenen Augen, die von dem Schirm einer Rock-the-House-Kappe beschattet waren, wie es jetzt war und wie es einst ausgesehen hatte. Ihre Haare, eher honigfarben als golden, hatte sie zu einem langen, unordentlichen Zopf geflochten, der hinten durch die Kappe gesteckt war. Sie trug ein dickes Kapuzen-Sweatshirt, unter dem ihre breiten Schultern und ein langer Oberkörper zu erkennen waren, verblichene Jeans, die ihre langen Beine zur Geltung brachten und Stiefel, die sie sich vor Jahren einmal für eine Wanderung durch die Blue Ridge Mountains gekauft hatte. Die Berge, die jetzt am Horizont aufragten.

Es ist Jahre her, dachte sie, seit ich das letzte Mal hierher in den Osten gekommen bin. Damals war der Samen gelegt worden für das, was sie jetzt vorhatte.

Bedeutete das nicht auch, dass die letzten vier, vielleicht sogar fünf Jahre der Vernachlässigung auf ihr Konto gingen? Sie hätte früher herkommen sollen, sie hätte es ja verlangen können. Irgendetwas hätte sie tun können.

»Aber jetzt bin ich ja da«, sagte sie sich. Die Verzögerung bedauerte sie ebenso wenig wie die Manipulation und heftigen Auseinandersetzungen, mit denen sie ihre Mutter gezwungen hatte, ihr den Besitz zu überschreiben.

»Jetzt gehört es dir, Cilla«, murmelte sie. »Verdirb es nicht!«

Sie drehte sich um, wappnete sich und bahnte sich durch das hohe Gras und die Dornenranken der Brombeersträucher einen Weg zu dem alten Farmhaus, in dem Janet Hardy rauschende Feste gefeiert und Zuflucht zwischen zwei Rollen gesucht hatte. Und wo sie sich 1973, an einem weiteren schwülen Sommerabend, das Leben genommen hatte.

So wollte es jedenfalls die Legende.

Es gab Gespenster dort. Sie waren ebenso wirklich wie die Inspektion der baufälligen drei Stockwerke, mit all dem Schmutz, dem Staub, dem Verfall. Die Gespenster, dachte Cilla, hatten zum Glück Vandalismus und Hausbesetzung auf ein Minimum reduziert. Legenden hatten auch ihr Gutes.

Sie hatte den Strom wieder anstellen lassen und jede Menge Glühbirnen und Putzzeug mitgebracht. Sie hatte alle behördlichen Genehmigungen eingeholt und einheimische Handwerker verpflichtet.

Jetzt war es an der Zeit, endlich anzufangen.

Ganz oben auf ihrer Prioritätenliste standen die vier Badezimmer, und sie nahm sich das erste vor, das seit sechs Jahren nicht mehr geputzt worden war.

Die letzten Pächter hatten es während ihres Aufenthalts anscheinend auch nicht so mit der Sauberkeit gehabt.

»Na, könnte ekliger sein«, murmelte sie, während sie putzte und scheuerte. »Es könnten Ratten oder Schlangen da sein. Ach, du lieber Himmel, beschwör es nicht, sonst kommen sie tatsächlich noch.«

Nach zwei Stunden voller Schweiß und unzähligen Eimern mit schmutzigem Wasser hatte sie das Gefühl, das Bad benutzen zu können, ohne sich vorher impfen lassen zu müssen. Durstig trank sie aus ihrer Wasserflasche, während sie die Treppe hinunterlief, um sich als Nächstes die große Küche anzusehen. Auf wessen Mist mochte wohl das babyblau und weiß gemusterte Laminat auf der Theke gewachsen sein? Wie kam jemand bloß auf die Idee, dass es zu dem wundervollen alten O’Keefe & Merritt Herd und dem Coldspot Kühlschrank passte?

In ästhetischer Hinsicht war der Raum mehr als grässlich, aber Hygiene hatte Vorrang.

Sie stieß die Hintertür auf, damit ein wenig Luft hereinkam, zog sich Gummihandschuhe über und öffnete vorsichtig die Backofentür.

»Oh, Mist.«

Großzügig versprühte sie Backofenreiniger und schrubbte in der Zwischenzeit Backbleche, die Gasbrenner, Herdplatte und Haube. Ein Foto kam ihr in den Sinn. Janet, eine Rüschen schürze um die Wespentaille gebunden, die blonden Haare zu einem frechen Pferdeschwanz geschlungen, rührte etwas in einem großen Topf auf dem Herd. Sie lächelte in die Kamera, während ihre beiden Kinder sie bewundernd anhimmelten.

Fototermin, dachte Cilla. Für eine Frauenzeitschrift, entweder Redbook oder MacCall’s. Der alte Herd, mit dem Grill in der Mitte, hatte gefunkelt wie junge Hoffnung. Und so würde es wieder sein, gelobte sie sich. Eines Tages würde sie mit ebenso großer, vorgetäuschter Kompetenz wie ihre Großmutter an diesem Herd stehen und in einem Topf rühren.

Sie hockte sich hin, um die Wirkung des Backofenreinigers zu überprüfen, als plötzlich jemand ihren Namen rief. Erschreckt fuhr sie herum.

Er stand in der offenen Tür, und das Sonnenlicht umgab seine blonden Haare wie ein Heiligenschein. Die Falten in seinem immer noch attraktiven Gesicht wurden tiefer, als er lächelte. Seine ruhigen braunen Augen blickten sie warm an.

Ihr Herz schlug schneller, vor Überraschung und Freude und auch vor Verlegenheit.

»Dad.«

Als er mit ausgebreiteten Armen auf sie zukam, wich sie mit einer abwehrenden Geste zurück. »Nein, nicht. Ich bin absolut eklig. Voll mit … ach, ich will es noch nicht einmal selber wissen.« Sie wischte sich mit dem Handrücken über die Stirn und zog die Gummihandschuhe von ihren Fingern. »Dad«, wiederholte sie.

»Hier ist eine saubere Stelle.« Er hob ihr Kinn mit der Hand und küsste sie auf die Wange. »Na, sieh dich nur an!«

»Lieber nicht!« Aber sie musste lachen, und ihre anfängliche Verlegenheit verschwand. »Was machst du hier?«

»Im Ort hat dich jemand erkannt, als du eingekauft hast, und hat es Patty erzählt. Und Patty«, fuhr er fort, womit er sich auf seine Frau bezog, »rief mich an. Warum hast du mir nicht gesagt, dass du herkommst?«

»Das wollte ich noch. Ich wollte dich noch anrufen.« Irgendwann einmal. Wenn ich mir zurechtgelegt hatte, was ich sagen wollte. »Ich wollte erst einmal hier ankommen, und dann …« Sie blickte zum Herd. »Dann habe ich mich in die Arbeit gestürzt.«

»Ah, verstehe. Seit wann bist du hier?«

Ihr schlechtes Gewissen rührte sich. »Komm, lass uns auf die Veranda gehen. Da draußen ist es gar nicht so übel, und ich habe eine Kühltasche mit Getränken und einem Sandwich, das wir uns teilen können. Ich wasche mir nur schnell die Hände, dann können wir nach draußen gehen.«

Vorne war es wirklich nicht so schlimm, dachte Cilla, als sie sich mit ihrem Vater auf die durchgetretenen Stufen setzte, aber es war immer noch schlimm genug. Es musste erst einmal alles in Form gebracht werden. Das Unkraut im hohen Gras, die wild wuchernde Glyzinie, die verkrüppelten Birnbäume. Aber die wundervolle alte Magnolie mit ihren tiefroten, glänzenden Blüten und die unverwüstlichen Narzissen drängten sich durch den Dornenpanzer der Kletterrosen an der Steinmauer.

»Es tut mir leid, dass ich mich nie gemeldet habe«, begann Cilla und reichte ihrem Vater eine Flasche Eistee zu seinem halben Sandwich. »Und es tut mir leid, dass ich jetzt nicht angerufen habe.«

Er tätschelte ihr Knie und öffnete erst ihre, dann seine Flasche.

Es war so typisch für ihn, dachte sie. Gavin McGowan nahm die Dinge, wie sie kamen – das Gute, das Schlechte, das Mittelmäßige. Wie er jemals in den emotionalen Morast ihrer Mutter hatte geraten können, konnte sie nicht begreifen. Aber es war auch schon lange her und weit weg.

Sie biss in ihre Sandwich-Hälfte. »Ich bin eine schlechte Tochter.«

»Ja, die allerschlechteste«, erwiderte er und brachte sie zum Lachen.

»Lizzy Bordon.« Sie spielte auf die berühmte Mörderin an.

»Na gut, die zweitschlechteste. Wie geht es deiner Mutter?«

Cilla verdrehte die Augen. »Auf Moms Skala steht Lizzy im Moment definitiv hinter mir. Ansonsten ist sie okay. Nummer fünf bereitet gerade eine Cabaret-Nummer für sie vor.« Cilla zuckte mit den Schultern, als ihr Vater sie nur ruhig anschaute. »Ich finde es praktisch, den Ehemännern Nummern zu geben, wenn Ehen im Durchschnitt höchstens drei Jahre dauern. Er ist okay. Besser als Nummer vier und zwei und wesentlich intelligenter als Nummer drei. Und ihm habe ich es zu verdanken, dass ich hier sitze und mein Sandwich mit der nie erreichten Nummer eins teile.«

»Wieso?«

»Man braucht Geld, um zu singen und zu tanzen. Ich hatte welches.«

»Cilla.«

»Warte, warte. Ich hatte ein bisschen Geld, und sie hatte etwas, was ich wollte. Ich wollte diesen Besitz hier, Dad. Schon lange.«

»Du …«

»Ja, ich habe die Farm gekauft.« Cilla warf den Kopf zurück und lachte. »Und sie ist so sauer auf mich. Und dabei wollte sie sie doch gar nicht. Ich meine, schau dich hier doch mal um. Sie ist seit Jahren, seit Jahrzehnten, nicht hier draußen gewesen, und sie hat jeden Verwalter, jeden Aufseher, jeden Hausmeister gefeuert. Mir wollte sie sie auch nicht geben, und es war mein Fehler, dass ich sie vor ein paar Jahren darum gebeten habe. Eigentlich wollte sie sie mir noch nicht ein mal verkaufen.«

Sie biss von ihrem Sandwich ab und kaute genüsslich. »Sie hat einen auf Tragödie gemacht, wegen Janet. Aber jetzt brauchte sie dringend Geld und hat von mir verlangt, dass ich investiere. Auf mein Nein folgte ein Riesenstreit, dramatische Auftritte. Ich habe ihr und Nummer fünf gesagt, dass ich die Farm kaufen würde, habe eine Summe genannt und ihr klargemacht, dass das mein letztes Wort wäre.«

»Sie hat sie dir verkauft. Sie hat dir wirklich die kleine Farm verkauft.«

»Aber erst nach viel Zähneknirschen, vielen Tränen und endlosem Jammern über mein töchterliches Benehmen, seit ich auf der Welt bin. Und so weiter. Es spielt keine Rolle.« Kaum jedenfalls, dachte Cilla. »Sie wollte die Farm nicht. Und wenn sie nicht festgeschrieben gewesen wäre, hätte sie sie schon längst verkauft. Aber sie konnte sie ja nur innerhalb der Familie verkaufen, bis, wann war das noch mal, 2012 oder so? Auf jeden Fall hat Nummer fünf sie wieder heruntergeholt, und alle hatten, was sie wollten.«

»Was wirst du damit machen, Cilla?«

Leben, dachte sie, atmen. »Kannst du dich noch daran erinnern, Dad? Ich habe nur die Fotos und alte Super-Acht-Filme gesehen, aber du warst doch hier, als sie noch in Schuss war, oder? Als der Park prächtig war und die Veranden glänzten. Als alles noch Charakter und Anmut besaß. Das werde ich wiederherstellen. Ich werde alles wieder aufleben lassen.«

»Warum?«

Sie hörte das unausgesprochene Wie?, das dahinter stand und sagte sich, dass es keine Rolle spielte. Es spielte überhaupt keine Rolle, dass er nicht wusste, was sie konnte. Jedenfalls keine große.

»Weil der Besitz hier etwas Besseres verdient hat. Weil ich glaube, Janet Hardy hat etwas Besseres verdient. Und weil ich es kann. Ich handle jetzt seit fast fünf Jahren mit Häusern. Seit zwei Jahren so gut wie alleine. Natürlich war keins davon mit diesem hier zu vergleichen, aber ich habe ein Händchen dafür. Meine Projekte haben mir solide Gewinne eingebracht.«

»Machst du das hier auch wegen des Profits?«

»Vielleicht ändere ich ja in den nächsten vier Jahren meine Meinung, aber im Moment? Nein. Ich habe Janet zwar nicht gekannt, aber sie hat fast jeden Bereich meines Lebens beeinflusst. Etwas an diesem Ort hier hat sie angezogen, selbst am Ende. Und auch mich zieht etwas hierher.«

»Es ist weit weg von allem, was du kennst«, sagte Gavin. »Nicht nur wegen der Entfernung, sondern auch was die Atmosphäre angeht. Die Kultur. Dieser Teil des Shenandoah Valley ist noch ziemlich ländlich. Skyline Village hat nur ein paar Tausend Einwohner, und selbst die größeren Städte wie Front Royal und Culpepper sind meilenweit entfernt von L. A.«

»Ich glaube, das möchte ich alles herausfinden und mich außerdem mit meinen Ostküstenwurzeln beschäftigen.« Ihr wäre es lieber gewesen, wenn er sich gefreut hätte, statt sich Sorgen zu machen, dass sie scheitern oder aufgeben könnte. Wie der einmal.

»Ich habe Kalifornien satt, Dad. Ich habe alles satt. Ich wollte nie, was Mom wollte, ob für mich oder für sich.«

»Ich weiß, Süße.«

»Also werde ich hier eine Zeitlang leben.«

»Hier?« Erschreckt blickte er mich an. »Hier willst du leben? Auf der kleinen Farm?«

»Ich weiß, es klingt verrückt. Aber ich habe schon oft gezeltet, und es ist ja sowieso nur für ein paar Tage. Danach kann ich mich eine Zeitlang drinnen einrichten. Die Renovierungsarbeiten werden etwa neun oder zehn Monate dauern, wenn ich es richtig machen will. Danach weiß ich dann auch, ob ich hierbleiben will oder nicht. Wenn ich wieder weggehe, werde ich mir überlegen, was ich hiermit mache. Aber im Moment, Dad, möchte ich lieber bleiben.«

Gavin schwieg einen Moment lang, dann legte er Cilla den Arm um die Schultern. Ob er wohl auch nur im Entferntesten ahnte, was diese Geste der Zuneigung für sie bedeutete? Aber woher sollte er das wissen?

»Es war schön hier, schön, voller Hoffnung und Glück«, sagte er zu ihr. »Grasende Pferde, ihr Hund, der in der Sonne schlief. Die Blumen waren prachtvoll. Ich glaube, Janet hat selbst im Garten gearbeitet, wenn sie hier war. Sie sagte immer, sie käme zum Entspannen hierher. Und so war es, wenn auch nie für lange. Danach brauchte sie dann immer wieder Menschen um sich herum, nehme ich an. Sie brauchte Lärm, Lachen, das Rampenlicht. Aber ab und zu kam sie auch alleine hierher. Ohne Freunde, Familie oder Presse. Ich habe mich immer gefragt, was sie während dieser einsamen Besuche machte.«

»Du hast Mom hier kennen gelernt.«

»Ja. Wir waren noch Kinder, und Janet gab eine Party für Dilly und Johnnie. Sie lud viele Kinder aus dem Ort ein. Janet hatte einen Narren an mir gefressen, deshalb wurde ich immer eingeladen, wenn sie hier waren. Johnnie und ich spielten zusammen, und wir blieben auch als Halbwüchsige Freunde, obwohl er da schon mit anderen Leuten zusammen war. Dann starb Johnnie. Er starb, und alles wurde dunkel. Danach kam Janet häufiger alleine hierher. Wenn ich vom College nach Hause kam, kletterte ich immer auf die Mauer, um zu sehen, ob Dilly auch hier war. Dabei sah ich Janet dann, wie sie alleine spazieren ging oder so. Drei- oder viermal habe ich auch mit ihr geredet, nachdem Johnnie gestorben war. Dann war sie weg. Seitdem war hier nichts mehr so wie vorher.

Das Haus hat etwas Besseres verdient«, fügte er seufzend hinzu. »Und Janet auch. Du könntest versuchen, es ihnen zu geben. Vielleicht bist du sogar die Einzige, die es kann.«

»Danke.«

»Patty und ich helfen dir dabei. Du solltest bei uns wohnen, bis das Haus hier bewohnbar ist.«

»Eure Hilfe nehme ich gerne an, aber ich möchte hierbleiben, damit ich ein Gefühl für die Anlage kriege. Ich habe mich ein bisschen umgehört, aber es wäre schön, wenn du mir ein paar Handwerker aus dem Ort empfehlen könntest. Klempner, Elektriker, Schreiner, Gärtner. Und kräftige Leute, die Anweisungen befolgen können.«

»Du hast aber deine Hausaufgaben gemacht.«

Sie stand auf, wandte sich nach drinnen, drehte sich aber noch einmal um. »Dad, wenn es zwischen dir und Mom geklappt hätte, wärst du dann in der Filmbranche geblieben? Wärst du in L. A. geblieben?«

»Vielleicht. Aber ich war nie glücklich da. Oder jedenfalls nicht lange. Und als Schauspieler habe ich mich auch nicht wohl gefühlt.«

»Du warst gut.«

»Ja, nicht schlecht.« Er lächelte. Aber ich wollte nicht das, was Dilly wollte, weder für sie noch für mich. Deshalb verstehe ich dich ganz gut, wenn du das auch sagst. Es ist nicht ihre Schuld, Cilla, dass wir etwas anderes wollten.«

»Du hast das, was du wolltest, hier gefunden.«

»Ja, aber …«

»Das bedeutet nicht, dass es mir genauso geht«, fuhr sie fort. »Aber es könnte sein.«

Zuerst einmal, überlegte Cilla, musste sie herausfinden, was sie eigentlich wollte. Mehr als die Hälfte ihres Lebens hatte sie getan, was man von ihr erwartete, und sich mit dem zufriedengegeben, was sie hatte. In der übrigen Zeit hatte sie diese Ansprüche ignoriert oder so getan, als ob es jemand anderen beträfe.

Noch bevor sie sprechen konnte, hatte sie schon geschauspielert, weil ihre Mutter es so wollte. Ihre ganze Kindheit über hatte sie ein anderes Kind gespielt – eins, das wesentlich niedlicher, klüger und süßer war als sie. Als diese Phase vorüber war, kämpfte sie mit den – wie die Agenten und Produzenten es nannten – linkischen Jahren, in denen es kaum Arbeit gab. Sie nahm ein katastrophales Mutter-Tochter-Album mit Dilly auf und wirkte in ein paar Teenager-Schockern mit, in denen sie auf grausige Art ermordet wurde, was sie als Glück betrachtete.

Noch vor ihrem achtzehnten Geburtstag war ihre Karriere vorbei gewesen, dachte Cilla, als sie sich auf das Bett in ihrem Motelzimmer warf. Es folgten noch ein paar Gastrollen im Fernsehen und Synchronaufträge für Werbespots.

Aber die lang laufenden Fernsehserien und einige B-Filme hatten für ein sicheres Einkommen gesorgt. Sie polsterte dieses Nest noch zusätzlich aus und verwendete das Geld, um herauszufinden, was ihr am meisten Spaß machte.

Ihre Mutter behauptete, sie verschwende das Talent, das Gott ihr geschenkt habe, und ihr Therapeut bezeichnete es als Vermeidungsverhalten.

Cilla nannte es Lernkurve.

Aber wie auch immer man es nennen wollte, es hatte sie auf jeden Fall in ein ziemlich heruntergekommenes Motel in Virginia gebracht, mit der Aussicht auf schwere, kostspielige Arbeit in den nächsten Monaten. Sie konnte es kaum erwarten damit anzufangen.

Sie schaltete den Fernseher ein und ließ ihn im Hintergrund laufen, während sie auf dem Bett saß und ihre Notizen durchging. Draußen polterten Dosen in den Automaten, der ein paar Meter neben ihrer Tür stand. Hinter ihr drangen undeutlich die Geräusche des Fernsehers im Nebenzimmer durch die Wand.

Während der Lokalnachrichten erstellte sie ihre Prioritätenliste für den nächsten Tag. Funktionierendes Badezimmer stand ganz oben. Mit Camping hatte sie keine Probleme, aber wenn sie aus dem Motel auszog, musste sie wenigstens fließendes Wasser haben. Wenn man körperlich arbeitete, brauchte man eine funktionierende Dusche. Der Installateur stand also an erster Stelle.

Etwa bei der Hälfte der Liste fielen ihr die Augen zu. Da sie um acht Uhr morgens bereits ausgecheckt haben und auf der Baustelle sein wollte, schaltete sie den Fernseher und das Licht aus.

Beim Einschlafen hörte sie die Stimmen aus dem Nebenzimmer deutlicher. Janet Hardys schöne Stimme sang ein herzzerreißendes Liebeslied.

»Perfekt«, murmelte Cilla, während das Lied ihr in den Schlaf folgte.

Sie saß auf der hübschen Terrasse mit vollem Blick auf den Teich und die grünen Hügel, die sanft in die blauen Berge übergingen. Rosen und Lilien erfüllten die Luft mit ihrem betäubenden Duft, die Bienen summten trunken, und ein Kolibri, glitzernd wie ein Smaragd, tauchte seinen gebogenen Schnabel in den Nektar. Die Sonne strahlte von einem wolkenlosen Himmel und tauchte alles in ein goldenes Märchenlicht. Die Vögel zwitscherten sich die Seele aus dem Leib. Es herrschte eine Harmonie wie in einem Disney-Film.

»Ich erwarte, jeden Moment Bambi mit Klopfer herumspringen zu sehen«, sagte Cilla.

»So habe ich es auch erlebt. In den guten Zeiten.« Jung, schön, in einem zarten weißen Kleid trank Janet einen Schluck von ihrer prickelnden Limonade. »Perfekt wie eine Bühnenszene und bereit für meinen Auftritt.«

»Und in den schlechten Zeiten?«

»Ein Zufluchtsort, ein Gefängnis, ein Irrtum, eine Lüge.« Janet zuckte mit ihren schönen Schultern. »Aber immer eine andere Welt.«

»Warum hast du deine eigene Welt mitgebracht?«

»Ich brauchte sie. Ich konnte nicht alleine sein. Wenn du alleine bist, ist zu viel Raum um dich herum. Wie willst du ihn füllen? Freunde, Männer, Sex, Drogen, Partys, Musik. Aber trotzdem war es manchmal hier sehr still. Ich konnte eine Rolle spielen, so tun, als sei ich wieder Gertrude Hamilton. Obwohl sie starb, als ich sechs war, und Janet Hardy zur Welt kam.«

»Möchtest du wieder Gertrude sein?«

»Natürlich nicht.« Ein Lachen, hell und kühn wie der Tag, tanzte durch die Luft. »Aber ich tat gerne so, als ob. Gertrude wäre eine bessere Mutter gewesen, eine bessere Ehefrau, wahrscheinlich überhaupt eine bessere Frau. Aber Gertrude wäre nicht halb so interessant gewesen wie Janet. Wer hätte sich schon an sie erinnert? Und Janet? Sie wird niemals vergessen werden.« Janet legte den Kopf schräg und lächelte ihr berühmtes Lächeln – Humor und Wissen, gepaart mit einer Spur von Sex. »Bist du nicht der Beweis dafür?«

»Möglich. Aber meiner Meinung nach ist das, was mit dir und mit diesem Ort passiert ist, eine schreckliche Verschwendung. Ich kann dich nicht zurückholen, dich nicht kennen lernen. Aber das hier kann ich.«

»Tust du es für mich oder für dich?«

»Für uns beide, glaube ich.« Sie sah die blühenden, duftenden Bäume, die Pferde, die auf grünen Wiesen grasten, goldene und weiße Umrisse vor den Hügeln. »Ich sehe es nicht als perfektes Bühnenbild. Perfektion brauche ich nicht. Ich sehe es als dein Vermächtnis an mich, und wenn ich es zurück holen kann, ist es mein Tribut, den ich dir zolle. Ich komme von dir und durch meinen Vater, von diesem Ort. Das möchte ich wissen und spüren.«

»Dilly hat es hier gehasst.«

»Ich weiß nicht, ob das immer schon so war. Aber jetzt stimmt es.«

»Sie wollte Hollywood – in großen, glänzenden Buchstaben. Dieser Wunsch wurde ihr in die Wiege gelegt, aber sie hatte nicht genug Talent oder Mumm, sich ihn auf Dauer zu erfüllen. Du bist nicht wie sie. Auch nicht wie ich. Vielleicht …« Janet trank lächelnd noch einen Schluck. »Vielleicht bist du eher wie Gertrude. Mehr wie Trudy.«

»Wen hast du in jener Nacht getötet? Janet oder Gertrude?«

»Das ist die Frage.« Janet warf lächelnd den Kopf zurück und schloss die Augen.

Aber was war die Antwort darauf?, fragte sich Cilla am nächsten Morgen, als sie zur Farm fuhr. Und warum spielte es eine Rolle? Warum stellte sie in einem Traum überhaupt Fragen?

Tot war tot. Und bei ihrem Vorhaben ging es nicht um Tod, sondern um Leben. Darum, aus etwas Zerstörtem etwas für sich selbst zu schaffen.

Als sie anhielt, um die alten Eisentore aufzuschließen, die die Einfahrt versperrten, überlegte sie, ob sie sie nicht entfernen lassen sollte. Wäre das eine symbolische Öffnung oder einfach nur unglaublich dumm, weil so jeder eindringen konnte? Quietschend protestierten die Tore und hinterließen Rost an ihren Händen, als sie sie aufschob.

Ach was, dachte sie, weder das eine noch das andere. Die Tore kamen weg, weil sie lästig waren. Später konnte sie sie ja wieder einhängen lassen.

Sie parkte vor dem Haus, schloss die Haustür auf und ließ sie offen stehen, damit Luft hineinkam. Dann zog sie sich ihre Arbeitshandschuhe über. Sie würde die Küche weiter saubermachen, dachte sie. Und hoffentlich tauchte der Installateur auf, den ihr Vater empfohlen hatte.

Aber sie würde auf jeden Fall hierbleiben. Und wenn sie ein Zelt im Vorgarten aufschlagen musste!

Ihr stand bereits der Schweiß auf der Stirn, als der Installateur, ein graugesichtiger Mann namens Buddy, auftauchte. Er ließ sich von ihr herumführen, lauschte ihren Plänen und kratzte sich häufig am Kinn. Als er ihr eine über den Daumen gepeilte Summe für die voraussichtlichen Arbeiten nannte, blickte sie ihn nur ausdruckslos an.

Grinsend kratzte er sich erneut am Kinn. »Ich kann Ihnen einen richtigen Kostenvoranschlag machen. Es wäre wesentlich günstiger, wenn Sie die Armaturen und so selber kaufen würden.«

»Das mache ich.«

»Okay. Dann mache ich Ihnen einen Kostenvoranschlag, und danach schauen wir uns die Sache mal an.«

»Gut. Und wo Sie gerade da sind, könnten Sie rasch nach der Wanne im Bad im ersten Stock sehen? Das Wasser läuft nicht mehr richtig ab.«

»Ja, das schaue ich mir doch gleich mal an, wo ich schon hier bin.«

Sie blieb neben ihm stehen, weniger, weil sie ihm nicht traute, als vielmehr, weil man immer etwas lernen konnte. Auf diese Weise erfuhr sie, dass er bei der Arbeit nicht trödelte. Sein Stundenlohn für die kleine Reparatur – und eine rasche Überprüfung des Waschbeckens und der Toilette – machte deutlich, dass er den Auftrag so sehr wollte, dass sein Kostenvoranschlag wahrscheinlich ihre Erwartungen treffen würde.

Als Buddy schließlich wieder in seinen Lieferwagen stieg, hoffte sie nur, dass der Schreiner und der Elektriker, mit denen sie ebenfalls Termine vereinbart hatte, genauso gut arbeiteten wie er.

Sie zog ihre Kladde heraus, um den Termin mit Buddy von ihrer Liste zu streichen. Dann nahm sie ihren Vorschlaghammer. Sie war in der Stimmung, um etwas zu zerstören, und die morschen Planken der vorderen Veranda waren dafür genau das Richtige.

2

Cilla legte den Hammer über die Schulter und beobachtete den Mann, der die Auffahrt entlangkam, durch ihre Schutzbrille. Ein hässlicher schwarz-weißer Hund mit einem riesigen Kastenkopf auf einem kleinen, vierschrötigen Körper trottete neben ihm her.

Sie mochte Hunde und wollte sich irgendwann auch einen zulegen. Aber dieses Geschöpf hier sah aus wie aus einem Cartoon entsprungen, mit seinen hervorquellenden Augen und kleinen spitzen Teufelsöhrchen auf einem riesigen Kopf. Ein kurzer, dünner Schwanz vervollständigte das seltsame Aussehen.

Der Mann hingegen sah sehr viel besser aus als der Hund. Er war mindestens eins fünfundneunzig, schlaksig, mit langen Beinen und trug eine verblichene, am Saum ausgefranste Jeans mit einem Riss an einem Knie und ein weites, graues Sweatshirt. Seine Sonnenbrille und der Zweitagebart, für den sie noch nie viel übriggehabt hatte, passten zu seinen braunen, golden gesträhnten Haaren, die ihm lockig über die Ohren fielen.

Sie misstraute einem Mann, der sich Strähnchen in die Haare färben ließ. Seine Sonnenbräune stammte bestimmt auch von der Sonnenbank. In L. A. hatte sie solche Typen geflissentlich übersehen. Die einzelnen Elemente waren zwar harmlos, und er lächelte ihr auch nett entgegen, aber sie packte trotzdem ihren Hammer fester.

Wenn nötig, konnte sie ihn auch anderweitig verwenden als zum Einschlagen morscher Bretter.

Seine Augen konnte sie zwar hinter der Sonnenbrille nicht erkennen, aber sie war sich sicher, dass auch er sie ausgiebig musterte.

Er blieb unten an der Veranda stehen, während der Hund sofort hinaufgesprungen kam, um an ihren Stiefeln zu schnüffeln – es hörte sich an wie das Schnaufen eines Schweins. »Hey«, sagte er und lächelte noch eine Stufe strahlender. »Kann ich Ihnen helfen?«

Sie legte den Kopf schräg. »Wobei?«

»Bei allem, was Ihnen so vorschwebt. Ich frage mich nämlich, was das hier wird. Sie haben einen ziemlich großen Vorschlaghammer, und das hier ist Privatbesitz.« Er hakte die Daumen in seine Vordertaschen und fuhr in seinem lässig gedehnten Virginia-Akzent fort: »Sie sehen eigentlich nicht aus wie ein Vandale.«

»Sind Sie Polizist?«

Sein Lächeln wurde noch breiter. »Genauso wenig, wie Sie ein Vandale sind. Hören Sie, ich störe Sie ja ungern, aber wenn Sie vorhaben, Teile aus dem Haus hier bei eBay zu verticken, sollten Sie sich das noch mal überlegen.«

Der Hammer war schwer, und Cilla ließ ihn sinken. Er bewegte sich nicht, als sie ihn auf der Veranda abstellte, aber sie spürte seine Anspannung. »EBay?«

»Das lohnt sich sowieso nicht. Wer glaubt Ihnen denn schon, dass Sie tatsächlich was aus dem Haus von Janet Hardy verkaufen? Also, lassen Sie es lieber. Ich schließe hinter Ihnen ab, und alle sind zufrieden.«

»Sind Sie der Hausmeister?«

»Nein. Die werden hier dauernd rausgeschmissen. Ich weiß, dass es so aussieht, als ob sich niemand auch nur einen Deut um das Anwesen schert, aber deswegen können Sie trotzdem nicht einfach herkommen und es kaputtschlagen.«

Fasziniert schob Cilla ihre Sicherheitsbrille auf den Kopf. »Warum kümmern Sie sich denn darum, wenn es allen anderen egal ist?«

»Ich kann irgendwie nicht anders. Und vielleicht bewundere ich es ja sogar, wie jemand den Mumm haben kann, am helllichten Tag das Schloss zu knacken und mit dem Vorschlaghammer hier herumzuwirbeln, aber ernsthaft, Sie sollten jetzt lieber abhauen. Janet Hardys Familie mag es ja egal sein, ob der Bau hier beim nächsten Windstoß zusammenbricht, aber …« Er brach ab, schob seine Sonnenbrille auf die Nasenspitze und betrachtete sie über den Rand. Dann nahm er sie ganz ab und ließ sie lässig an einem Bügel baumeln.

»Ich bin heute früh ein bisschen langsam«, sagte er. »Das liegt wohl daran, dass ich nur schnell einen Schluck Kaffee getrunken habe, als ich Ihren Truck und das offene Tor und so bemerkt habe. Cilla … McGowan. Es hat ein Weilchen gedauert. Sie haben die Augen Ihrer Großmutter.«

Seine waren grün, stellte sie fest, mit goldenen Sprenkeln. »Stimmt. Wer sind Sie?«

»Ford. Ford Sawyer. Und der Hund, der Ihnen gerade die Stiefel leckt, ist Spock. Wir wohnen gegenüber.« Er wies mit dem Daumen über die Schulter auf ein weitläufiges altes, viktorianisches Gebäude auf einem hübschen Hügel. »Sie wollen mir doch mit dem Hammer nicht auf den Kopf hauen, wenn ich jetzt auf die Veranda komme?«

»Eher nicht. Jedenfalls, wenn Sie mir erklären können, warum Sie erst heute Morgen aufgetaucht sind. Gestern haben Sie mich anscheinend den ganzen Tag über nicht gesehen, und Buddy, den Installateur, sowie diverse andere Handwerker haben Sie wohl auch nicht bemerkt, was?«

»Gestern war ich noch auf den Caymans. Ich habe ein bisschen Urlaub gemacht. Und die diversen Handwerker habe ich wohl verpasst, weil ich mich erst vor einer halben Stunde aus dem Bett gequält habe. Als ich dann meine erste Tasse Kaffee auf der Veranda getrunken habe, habe ich den Truck und das offene Tor gesehen. Okay?«

Das klang einleuchtend, dachte Cilla. Und vielleicht hatte er ja sogar die Sonnenbräune und die Strähnchen rechtmäßig erworben. Sie lehnte den Hammer ans Geländer. »Als eine derjenigen Personen, die sich doch einen Deut um dieses Anwesen scheren, schätze ich es, dass Sie nach dem Rechten sehen.«

»Kein Problem.« Er kam die Veranda hinauf und blieb auf der Stufe unter ihr stehen. Damit waren sie auf gleicher Augenhöhe, und da sie eins neunundsiebzig war, hatte sie mit eins fünfundneunzig wohl richtig geschätzt. »Was haben Sie mit dem Hammer vor?«

»Die Bretter hier sind morsch, und die Veranda muss neu gebaut werden. Aber das geht nicht, wenn man vorher nicht zerstört.«

»Neue Veranda, Buddy, der Installateur – der im Übrigen sein Handwerk zu verstehen scheint –, verschiedene andere Handwerker. Klingt so, als wollten Sie hier renovieren.«

»Ja. Sie sehen kräftig aus. Wollen Sie einen Job?«

»Nein, danke, ich habe schon einen, und mit Werkzeug kann ich mich nicht anfreunden. Aber trotzdem danke. Spock, sag hallo.«

Der Hund setzte sich, legte seinen dicken Kopf schräg und hob eine Pfote.

»Süß.« Cilla beugte sich zu ihm herunter und schüttelte die Pfote. »Was ist das für ein Hund?«

»Ein vierbeiniger. Es wird bestimmt schön, wenn alles wieder so aussieht wie früher. Wollen Sie es anschließend verkaufen?«

»Nein. Ich will hier leben. Im Moment jedenfalls.«

»Na ja, es ist ein schönes Fleckchen. Ihr Daddy ist Gavin McGowan, stimmt’s?«

»Ja. Kennen Sie ihn?«

»Er war im letzten Jahr auf der Highschool mein Englischlehrer. Letztendlich habe ich bestanden, aber es hat mich viel Blut und Schweiß gekostet. Mr. McGowan hat viel von uns verlangt. Na ja, ich lasse Sie jetzt mal weiter auf Ihre Bretter einschlagen. Ich arbeite zu Hause, also bin ich die meiste Zeit da. Wenn Sie etwas brauchen, rufen Sie.«

»Danke«, erwiderte sie, hatte jedoch nicht die Absicht, das Angebot anzunehmen. Als er sich zum Gehen wandte, setzte sie die Schutzbrille wieder auf und nahm den Hammer. Dann jedoch gab sie einem Impuls nach. »Hey! Wer gibt seinem Kind denn einen Autonamen?«

Er drehte sich um und kam noch einmal ein paar Schritte zurück. »Meine Mama hat einen etwas ungewöhnlichen Sinn für Humor. Sie behauptet immer, mein Daddy habe mich gezeugt, als sie in einer kalten Frühlingsnacht die Fenster an seinem Ford Cutlass zum Beschlagen gebracht haben. Da könnte was dran sein.«

»Ja, und wenn nicht, ist es gut erfunden. Wir sehen uns.«

»Bestimmt.«

Faszinierende Entwicklungen, dachte Ford, als er sein Frühstücksritual nachholte und noch eine Tasse Kaffee auf seiner Veranda trank. Da war sie, frisch wie der junge Morgen mit ihren eisblauen Augen und schlug wie besessen auf die alte Veranda ein.

Der Hammer war wahrscheinlich verdammt schwer. Das Mädchen hatte Muskeln.

»Cilla McGowan«, sagte er zu Spock, der im Garten unsichtbaren Katzen nachjagte, »ist ins Haus gegenüber gezogen.« Das war ja vielleicht spannend! Ford konnte sich noch gut daran erinnern, wie seine Schwester Katie Lawrence verehrt hatte, das Kind, das Cilla gespielt hatte – wie lange? Fünf, sechs, sieben Jahre? Alice hatte eine Our Family-Lunchbox gehabt, mit ihrer Katie-Puppe gespielt und stolz ihren Katie-Rucksack herumgetragen.

Da Alice nichts wegwerfen konnte, hatte sie die Erinnerungsstücke an Our Family und Katie bestimmt noch irgendwo oben in Ohio, wo sie jetzt lebte. Er musste ihr unbedingt eine Mail schicken, um ihr mitzuteilen, wer seine neue Nachbarin war.

Die Serie war seinerzeit viel zu zahm für ihn gewesen. Er hatte die Action von The Transformers und die Fantasy von Knight Rider vorgezogen. Nachdem er sich einmal mit Alice wegen irgendetwas erbittert gestritten hatte, hatte er Rache genommen, indem er Katie nackt ausgezogen und mit Klebeband geknebelt an einen Baum gebunden hatte, bewacht von einem seiner Stormtroopers.

Er hatte eine ordentliche Tracht Prügel dafür bezogen, aber das war es ihm wert gewesen.

Jetzt kam es ihm ein bisschen verdreht vor, die erwachsene, lebendige Katie mit dem Vorschlaghammer auf die Veranda ein schlagen zu sehen. Und sie sich nackt vorzustellen.

Er hatte ziemlich viel Fantasie.

Seit vier Jahren wohnte er jetzt schon hier, dachte Ford. In dieser Zeit hatte er zwei Verwalter kommen und gehen sehen, den zweiten in weniger als sechs Monaten. Und vor heute hatte er nicht ein einziges Mal jemanden aus Janet Hardys Familie zu Gesicht bekommen. Wenn er die beinahe zwei Jahre in New York abzog, hatte er fast sein ganzes Leben in dieser Gegend hier verbracht und nie jemanden von ihnen ge sehen. Er hatte zwar gehört, dass Mr. McGowans Tochter Cilla ein- oder zweimal da gewesen war, aber gesehen hatte er sie nie.

Und jetzt redete sie mit Installateuren, riss Veranden ein und … Er hielt inne, als er den schwarzen Pickup in die Einfahrt gegenüber einbiegen sah. Er gehörte seinem Freund Matt Brewster, einem Schreiner aus dem Ort. Als kaum dreißig Sekunden später ein zweiter Truck folgte, beschloss Ford, sich noch eine Tasse Kaffee einzuschenken und sich mit einer Schale Müsli auf der Veranda niederzulassen und sein Frühstück dort einzunehmen, damit er alles beobachten konnte.

So langsam sollte er mal anfangen zu arbeiten, dachte Ford eine Stunde später. Der Urlaub war vorbei, und er hatte einen Abgabetermin. Aber es war so verdammt interessant hier draußen. Ein weiterer Lieferwagen gesellte sich zu den ersten beiden, und auch diesen kannte er. Brian Morrow, früherer Topsportler und der Dritte im Bunde des lebenslangen Triumvirats, das aus Matt, Ford und Brian bestand, hatte einen Gartenbaubetrieb. Von seinem Ausguck aus beobachtete Ford, wie Cilla mit Brian über das Gelände ging. Sie gestikulierte lebhaft und zog immer wieder ihre dicke Kladde zu Rate.

Unwillkürlich bewunderte er die Art, wie sie sich bewegte. Vermutlich lag es an ihren langen Beinen, überlegte er, dass sie so große Strecken zurücklegte, während es den Anschein machte, als ob sie sich Zeit ließ. Ihre geschmeidige Gestalt strahlte so viel Energie aus, während ihre gletscherblauen Augen und ihr Porzellanteint darüber hinwegtäuschten, wie muskulös sie in Wirklichkeit …

»He, warte mal.« Er setzte sich aufrecht hin, kniff die Augen zusammen und stellte sie sich wieder mit ihrem Vorschlaghammer über der Schulter vor. »Kürzerer Stiel«, murmelte er. »Doppelhammer. Ja, ja. Sieht so aus, als ob ich arbeite.«

Er ging hinein, holte sich Skizzenblock und Bleistifte und nahm sein Fernglas. Zurück auf der Veranda betrachtete er Cilla durch das Fernglas, studierte die Form ihres Gesichts, ihre Kinnlinie, ihre Figur. Sie hatte einen faszinierenden, sexy Mund, dachte er, mit einer besonders schön geschwungenen Oberlippe.

Während er mit der ersten Skizze begann, spielte er in Gedanken mit Szenarien, die er fast sofort wieder verwarf.

Es würde ihm schon noch in den Sinn kommen, dachte er. Das Konzept fiel ihm oft erst durch die Skizzen ein. Er sah sie … Diane, Maggie, Nadine. Nein, nein, nein. Cass. Einfach, ein bisschen androgyn. Cass Murphy. Cass Murphy. Intelligent, intensiv, zurückhaltend, vielleicht sogar einsam. Attraktiv. Er blickte noch einmal durchs Fernglas. »Oh ja, attraktiv.«

Die Arbeitskleidung verbarg das nicht, aber sie spielte es herunter. Er zeichnete weiter, Ganzkörper, Nahaufnahme, Profil. Dann tippte er nachdenklich mit seinem Bleistift auf den Block und überlegte. Eine Brille mochte vielleicht ein Klischee sein, aber sie vermittelte sofort Intelligenz. Und sie war immer eine gute Maske für ein Alter Ego.

Er zeichnete sie ihr auf, einen einfachen dunklen Rahmen mit rechteckigen Gläsern. »Das bist du, Cass. Oder sollte ich sagen, Dr. Murphy?«

Er blätterte um und begann aufs Neue. Safarihemd, Khakihose, Stiefel, breitkrempiger Hut. Aus dem Labor oder dem Hörsaal ins Feld. Lächelnd blätterte er weiter, und seine Gedanken überschlugen sich, als er aufzeichnete, wie seine frisch entwickelte Cass werden würde. Das Leder, die Brustplatte – und die hübschen Zwillinge, die daraus hervorquollen. Silberarmbänder, lange, nackte Beine, wilde Locken, gebändigt von einer Krone. Ein Juwelengürtel?, überlegte er. Vielleicht. Die uralte Waffe – die doppelköpfige Streitaxt. Glänzendes Silber in der Hand der Nachfahrin der Kriegergöttin …

Ja, er brauchte noch einen Namen für sie.

Römer? Griechen? Wikinger? Kelten?

Keltisch. Das passte.

Er hielt den Block hoch und grinste seine Zeichnung an. »Hallo, meine Schöne. Wir zwei werden ganz groß einschlagen!«

Er blickte wieder über die Straße. Die Lieferwagen waren weg, und Cilla war zwar nirgendwo zu sehen, aber die Haustür der Farm stand offen.

»Danke, Nachbarin«, sagte Ford, erhob sich und ging hinein, um seine Agentin anzurufen.

Surreal war der Ausdruck, der Cillas Gefühl am besten beschrieb, als sie auf der hübschen Terrasse des gepflegten Backsteinhauses ihres Vaters saß und den Eistee trank, den ihre Stief mutter ihr hektisch servierte. Die Szene hatte so überhaupt nichts mit ihrem Leben zu tun. Als Kind war sie nur selten im Osten zu Besuch gewesen, weil bei ihrer Mutter die Arbeit immer Vorrang gehabt hatte.

Ab und zu war er zu ihnen gekommen und mit ihr in den Zoo oder nach Disneyland gefahren, erinnerte sich Cilla. Aber zumindest in der Zeit, als ihre Serien auf dem Höhepunkt gewesen waren, waren sie immer von Paparazzi oder Kindern mit ihren Eltern umschwärmt worden. Die Arbeit hatte immer im Vordergrund gestanden, dachte Cilla, ob sie es gewollt hatte oder nicht.

Und dann hatten ihr Vater und Patty natürlich auch eine T o c h ter bekommen, Angie. Sie lebten ihr eigenes Leben auf der anderen Seite des Landes, was für Cilla dem anderen Ende der Welt gleichkam.

Sie hatte nie in diese Welt gepasst.

Hatte ihr Vater ihr das sagen wollen?

»Es ist hübsch hier draußen«, sagte Cilla und riss sich zusammen.

»Unser Lieblingsplatz«, erwiderte Patty mit angestrengtem Lächeln. »Obwohl es jetzt noch ein bisschen zu kalt ist.«

»Ich finde es angenehm.« Cilla zermarterte sich das Hirn, was sie zu dieser lieben, mütterlichen Frau mit dem netten Gesicht, dem dunklen Pagenkopf und den nervösen Augen sagen sollte. »Ich, äh, ich wette, in ein oder zwei Wochen, wenn alles anfängt zu blühen, ist der Garten wunderschön.«

Sie blickte über die Beete, die Sträucher und Kletterpflanzen, die gepflegte Rasenfläche, der der rote Ahorn und die Zierkirsche demnächst Schatten spenden würden. »Du hast viel Arbeit hineingesteckt.«

»Oh, ich mache gar nicht so viel.« Patty fuhr sich mit der Hand durch ihren kurzen, dunklen Bob und drehte den kleinen Silberring an ihrem Ohr. »Gavin ist eigentlich der Gärtner im Haus.«

»Oh.« Cilla blickte ihren Vater an. »Wirklich?«

»Ich habe immer schon gerne im Dreck gespielt. Wahrscheinlich bin ich in dieser Hinsicht nie erwachsen geworden.«

»Sein Großvater war Farmer.« Patty strahlte Gavin an. »Das liegt ihm im Blut.«

Hatte sie das gewusst? Warum hatte sie das nicht gewusst? »Hier, in Virginia?«

Pattys Augen weiteten sich erstaunt. Verstohlen warf sie Gavin einen Blick zu. »Hmm.«

»Ich dachte, du wüsstest, dass deine Großmutter die Farm meines Großvaters gekauft hat.«

»Ich? Was? Die kleine Farm? Die hat dir gehört?«

»Nein, mir hat sie nie gehört, Süße. Mein Großvater hat sie verkauft, als ich noch ein Junge war. Ich weiß noch, wie ich die Hühner da gejagt habe und dafür ausgeschimpft wurde. Mein Vater wollte kein Farmer sein, und seine Geschwister – die, die damals noch lebten – waren überall verstreut. Deshalb hat er sie verkauft. Janet war gerade zu Dreharbeiten hier. Barn Dance

»Den Teil der Geschichte kenne ich. Sie hat sich in die Farm, auf der sie drehten, verliebt und sie auf der Stelle gekauft.«

»Mehr oder weniger auf der Stelle«, erwiderte Gavin lächelnd. »Und Grandpa hat sich einen Winnebago gekauft – ich schwöre es – und ist mit Grandma losgefahren. In den nächsten sechs, sieben Jahren waren sie ständig unterwegs, bis sie einen Schlaganfall hatte.«

»Es war McGowan-Land.«

»Ist es immer noch.« Lächelnd trank Gavin einen Schluck Eistee. »Oder?«

»Ich finde, dass sich der Kreis auf schöne Art geschlossen hat.« Patty tätschelte Cilla die Hand. »Ich kann mich noch gut erinnern, wie hell erleuchtet das Haus immer war, wenn Janet Hardy sich hier aufgehalten hat. Und wenn man im Sommer, wenn alle Fenster offen standen, vorbeifuhr, hörte man Musik und sah vielleicht Frauen in schönen Kleidern und unglaublich gut aussehende Männer. Ab und zu kam sie in den Ort oder fuhr einfach in ihrem Cabrio herum. Sie war ein toller Anblick.«

Patty griff wieder nach dem Krug, als ob sie ihre Hände beschäftigen müsste. »Einmal hielt sie vor unserem Haus, weil wir gerade einen Wurf junge Hunde zu verkaufen hatten. Fünf Dollar. Unsere Colliehündin hatte eine Liaison mit einem Streuner unbekannter Herkunft gehabt. Sie kaufte uns einen Welpen ab. Sie setzte sich einfach auf den Fußboden und ließ die kleinen Hunde auf sich herumkrabbeln. Und dabei lachte sie unentwegt. Sie hatte ein wundervolles Lachen.

Meine Güte, ich schwatze einfach immer weiter, was?«

»Nein, ich kenne diese Geschichte gar nicht. Ich weiß so vieles nicht. War das der Hund, den sie …«